Sex im Videospiel Demütigen gibt Punkte

In Bret Easton Ellis' neuem Roman wird eine junge Frau gequält. Online gibt's dazu ein Videospiel: Zwing ein Mädchen zum Sex – und poste deinen Sieg auf Facebook.

Gedemütigt: Die Frau in "The Devil in You" muss einiges ertragen

Gedemütigt: Die Frau in "The Devil in You" muss einiges ertragen

Sie mag dich nicht. Sie schämt sich schon am Anfang. Aber egal! Du bist der Drehbuchautor. Sie ist in Hollywood und hat keinen Erfolg: Sie will die Rolle. Sie braucht dich. Lass sie ein wenig tanzen. Frag sie, ob sie ihr Oberteil auszieht. Zeig ihr den Flachmann. Gib ihr Kokain. Vielleicht, wenn du die Karten richtig spielst, kommt sie in deine Wohnung. Oder du machst jetzt gleich die Hose auf: Sie wird dich mit dem Mund befriedigen. Danach kannst du sie auslachen und heim schicken. Die Filmrolle hat sie eh nicht verdient!

Die Website heißt The Devil In You und das Buch, das damit beworben werden soll Imperial Bedrooms. Vor mehr als 25 Jahren, mit 21, schrieb Bret Easton Ellis einen kurzen, harten Roman über reiche, dumme Erben in LA, Less Than Zero. "Ich war nun mal der erste. Ich habe alle beeinflusst", sagt er heute lapidar: The Hills, Gossip Girl, 90210, die schönen Mädchen mit den toten Augen, das Zerrbild einer zombiehaften, intriganten Jetset-Jugend, Klischees um Sonne, Mode und Verzweiflung. Ellis ist bis heute einer der klügsten und kritischsten Stimmen aus dieser Lifestyle-Blase.

Anzeige

Vor zwei Jahren geriet ein dummes, zynisches und böses Videospiel aus dem Katalog von Amazon.com in die Kritik: Bei RapeLay verkörpert man einen Triebtäter, grapscht Pendlerinnen in der U-Bahn an und bricht danach bei ihnen ein und vergewaltigt sie. Die Mutter mit den großen Brüsten, die Tochter in der Schulmädchenuniform, gern auch die kleine, zehnjährige Schwester – ganz nach persönlichem Geschmack.

Letztes Jahr, im zynisch dummen Online-Spiel Hit the Bitch, sollte einer Frau, sobald sie Widerworte leistete, so lange ins Gesicht geschlagen werden, bis sie blutend zusammenbrach. Das Spiel war eine dänische Aufklärungskampagne gegen Frauenfeindlichkeit und häusliche Gewalt – aber es wurde weltweit zum gefragten Zeitvertreib. Ein Lacher im Büro, Moorhuhn mit einer fotorealistischen Frau.

Muss sich nun ausgerechnet Bret Easton Ellis dort einreihen? Sein Spiel aus Videoschnipseln von der Casting-Couch hat weniger Optionen als der Besuch einer Prostituierten in Videospielen wie GTA, und die Aufnahmen des Spiels sind nicht halb so drastisch wie viele TV-Filme. Zudem fragt The Devil in You schon eingangs sehr moralisch: "Wirst du deine Position ausnutzen, oder das Richtige entscheiden?"

Tut nichts zur Sache. Ist ganz egal. Die Spielmechanik honoriert nur die brutalsten Schritte: Wer das Spiel lösen und "100 Prozent böse" werden will, muss Alkohol und Drogen, Komplimente und Beleidigungen fein abwägen, so lange, bis das (bestürzend!) charakterschwache Opfer jeden Widerstand aufgibt: "Wütend machen. Demütigen. Entwürdigen. Lächerlich machen. Betrunken machen." Die Schlagworte lesen sich wie eine Checkliste, wie klare Imperative.

"Ein witziges, perverses Spiel!", freuten sich Nutzer auf Ellis' Facebook-Seite: "Das hat verboten viel Spaß gemacht, die blonde Nuss zu ärgern!", "92 Prozent – und ich bin eigentlich noch nett zu dieser Schlampe!"

Leser-Kommentare
  1. Vorletzter Absatz, letzter Satz: "[...] statt dem naiven Mädchen [...]" ist FALSCH! "statt DES naiven MädchenS" muss es heißen!
    Zweiter Absatz, zweiter Satz: "[...] schrieb ein Roman [...]" ist auch FALSCH! Er schrieb einEN Roman!

    Meine Güte. Wenn so etwas in der BILD passiert, ok, aber in der ZEIT?!

    [Besten Dank für die Hinweise, wir korrigieren die Fehler so schnell wie möglich. Freundliche Grüße, /Die Redaktion pt.]

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Lieber kaferiihkaefer,

    danke für Ihren Hinweis. Die Fehler sind nun korrigiert.

    Grüße,
    D. Hugendick

    Redaktion

    Lieber kaferiihkaefer,

    danke für Ihren Hinweis. Die Fehler sind nun korrigiert.

    Grüße,
    D. Hugendick

  2. Redaktion

    Lieber kaferiihkaefer,

    danke für Ihren Hinweis. Die Fehler sind nun korrigiert.

    Grüße,
    D. Hugendick

  3. Das "Spiel" erinnert an den Fall Polanski: Eine 13jährige mit großen Hoffnungen und Alkohol gefügig machen, sexuell missbrauchen... und danach fröhlich weiter Karriere machen und sich feiern lassen. Das Mädchen ist ja selber schuld! - Wäre es doch zum Kichenchor gegangen... Gibts einen "Runden Tisch" für Casting-Opfer?
    Leider wird den erlauchten Tätern zu oft noch von "Freigeistern" auf die Schulter geklopft! Pfui!

  4. haben ein gaaanz kleines Ego. ( Der Rest sieht ähnlich aus. Nein, wahrscheinlich noch kleiner.)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...um gefährlich zu sein.

    >>Männer, die das brauchen, haben ein gaaanz kleines Ego.<<

    Mag sein, aber das macht sie nicht weniger gefährlich. im Gegenteil.

    ...um gefährlich zu sein.

    >>Männer, die das brauchen, haben ein gaaanz kleines Ego.<<

    Mag sein, aber das macht sie nicht weniger gefährlich. im Gegenteil.

  5. Habe keinen Spaß daran, andere zu quälen, zu beherrschen … oder zu lesen, wie andere ihre charakterlichen Defizite oder Minderwertigkeitskomplexe zumindest in Gedanken ausleben können … habe es im Laufe des Lebens inzwischen so weit gebracht, eine Fliege mit der Klatsche beseitigen zu können … aber nicht ohne sie zugleich auf ihr Hausverbot hinzuweisen! Selber schuld!
    Kaeferiihkaefer scheint mittels Grammatiküberprüfung den Inhalt zu überwinden … wohl auch eine Art von Verdrängungsmethodik!
    "Das hat verboten viel Spaß gemacht, die blonde Nuss zu ärgern!" so kann aus meiner Sicht nur ein ganz doofer „Nüsserich“ denken!

  6. Die Werbekampagne ist nicht dumm! Böse, Pervers und Abstoßend schon aber nicht dumm. Wie man an der breiten Reaktion sieht, erreicht sie genau das was sie soll. Publicity. Dann noch einen Zeit Autor, der zwar die Werbung kritisiert, aber das beworbene Produkt lobt...
    Perfekt!

    Die richtige Reaktion wäre jetzt: WERBUNG IGNORIEREN, BUCH IGNORIEREN!
    Denn ansonsten gibts nächstes Jahr die nächste Kampagne, die dann um noch provozieren zu können einen Schritt weiter gehen muss, was immer das dann ist.

  7. Wann kapieren die Medien endlich das ein Spiel ein Spiel ist?
    Ein Ego-Shooter macht niemanden zum Amokläufer,
    ein Rennspiel niemand zum Kamikaze-Fahrer,
    ein Vergewaltigungsspiel niemand zu einem Vergewaltiger,
    und ein Spiel wo man eine Frau ausnützt macht niemaden im echten Leben zum Frauen Hassenden Macho [...] mit Besetzungscouch.

    Es ist ein Spiel, mehr nicht, Leute kommt in der Realität an.

    [Gekürzt, bitte achten Sie auf Ihre Ausdrucksweise. Danke. /Die Redaktion pt.]

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • dth
    • 20.07.2010 um 15:20 Uhr

    Generell stimme ich dem ja zu. Ich kenne das beschriebene Spiel nicht, aber das beschriebene Spielprinzip verwundert mich doch etwas.
    Der Reiz bei einem Egoshooter ist doch vermutlich eine Mischung aus Geschicklichkeit und dem Nervenkitzel des Jagens und gejagt Werdens.
    Was ist der Reiz bei einem Spiel, bei dem es darum geht, andere auszunutzen, zu missbrauchen, evtl zu vergewaltigen?
    Wenn der Reiz darin liegt, in dieser Machtposition zu sein, fände ich das schon etwas bedenklich. Denn das ist auch die Motivation, das tatsächlich zu tun. Können Sie mir erklären, was an so einem Spiel interessant ist?

    >>Ein Ego-Shooter macht niemanden zum Amokläufer,
    ein Rennspiel niemand zum Kamikaze-Fahrer,
    ein Vergewaltigungsspiel niemand zu einem Vergewaltiger,...<<

    So einfach ist das m.M. nach nicht.
    Generell haben Sie in sofern Recht, als dass es wohlfeil ist, die Schuld für Gewalttaten einfach irgendwelchen "Killerspielen" in die Schuld zu schieben. Viele Leute sind auch ohne Egoshooter gewalttätig oder -bereit, andere würden im realen Leben sozusagen keiner Fliege etwas zuleide tun.

    Allerdings geht es bei einem Egoshooter wohl auch eher darum, Gegner aus dem Feld zu schlagen, ohne selbst "tot zu gehen", wobei man selbst dann in einem neuen Spiel "auferstehen" würde. Es geht nicht darum, möglichst fiese Schmerzen zu erzeugen, nicht virtuell und schon gar nicht real.
    Das ist bei einem Spiel, wo es um das Quälen oder/und Erniedrigen einer auch in ihren Reaktionen möglichst täuschend echt animierten Frau geht, naturgemäß völlig anders. Ich denke schon, dass ein solches Spiel durch Gewöhnung geeignet ist, zumindest bei manchen Zeitgenossen Emotionen wie Mitgefühl abstumpfen zu lassen.

    Außerdem ist fraglich, ob nicht auch die Akzeptanz derartiger Verhaltensweisen wächst, wenn z.B. Vergewaltigen gleichsam als Sport dargestellt wird.

    • dth
    • 20.07.2010 um 15:20 Uhr

    Generell stimme ich dem ja zu. Ich kenne das beschriebene Spiel nicht, aber das beschriebene Spielprinzip verwundert mich doch etwas.
    Der Reiz bei einem Egoshooter ist doch vermutlich eine Mischung aus Geschicklichkeit und dem Nervenkitzel des Jagens und gejagt Werdens.
    Was ist der Reiz bei einem Spiel, bei dem es darum geht, andere auszunutzen, zu missbrauchen, evtl zu vergewaltigen?
    Wenn der Reiz darin liegt, in dieser Machtposition zu sein, fände ich das schon etwas bedenklich. Denn das ist auch die Motivation, das tatsächlich zu tun. Können Sie mir erklären, was an so einem Spiel interessant ist?

    >>Ein Ego-Shooter macht niemanden zum Amokläufer,
    ein Rennspiel niemand zum Kamikaze-Fahrer,
    ein Vergewaltigungsspiel niemand zu einem Vergewaltiger,...<<

    So einfach ist das m.M. nach nicht.
    Generell haben Sie in sofern Recht, als dass es wohlfeil ist, die Schuld für Gewalttaten einfach irgendwelchen "Killerspielen" in die Schuld zu schieben. Viele Leute sind auch ohne Egoshooter gewalttätig oder -bereit, andere würden im realen Leben sozusagen keiner Fliege etwas zuleide tun.

    Allerdings geht es bei einem Egoshooter wohl auch eher darum, Gegner aus dem Feld zu schlagen, ohne selbst "tot zu gehen", wobei man selbst dann in einem neuen Spiel "auferstehen" würde. Es geht nicht darum, möglichst fiese Schmerzen zu erzeugen, nicht virtuell und schon gar nicht real.
    Das ist bei einem Spiel, wo es um das Quälen oder/und Erniedrigen einer auch in ihren Reaktionen möglichst täuschend echt animierten Frau geht, naturgemäß völlig anders. Ich denke schon, dass ein solches Spiel durch Gewöhnung geeignet ist, zumindest bei manchen Zeitgenossen Emotionen wie Mitgefühl abstumpfen zu lassen.

    Außerdem ist fraglich, ob nicht auch die Akzeptanz derartiger Verhaltensweisen wächst, wenn z.B. Vergewaltigen gleichsam als Sport dargestellt wird.

  8. Ich stimme Kommentar Nr. 3, in dem der Vergleich zum Fall Polanski gezogen wird, voll und ganz zu.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service