Iranische Literatur Im Internetcafé in TeheranSeite 2/2

So hören sich die Kämpfe zwischen Zensor und Autor an. Mit seiner parodistischen Haltung erinnert Eine iranische Liebesgeschichte zensieren entfernt an die Führerkomödie Sein oder Nichtsein von Ernst Lubitsch. Mit seinem Verwirrspiel indes an Being John Malkovich von Charlie Kaufmann, einen Film, dessen Pointe darin besteht, einen Schauspieler als Kunstfigur auftreten zu lassen, die dem Schauspieler aufs Haar gleicht. Als Zuschauer, beziehungsweise hier als Romanleser, gerät man unwillkürlich in einen leicht schizoiden Sog. Je tiefer man sich in die Logik hineindenkt, desto stärker wirkt die Ästhetik der Desorientierung. Shahriar Mandanipurs Roman verdankt sich nicht nur politischem Protest. Er verdankt sich auch der Erkenntnis, dass Überschaubarkeit des Protests dem Regime in gewisser Weise dient. Diese Erkenntnis wird hier Romanprogramm.

In Interviews äußerte Mandanipur seine tiefe Ratlosigkeit, besser gesagt seinen Überdruss angesichts der Geschichte Irans, eines Landes, das sich seit hundert Jahren in Revolutionen verschleiße, die zu nichts anderem führten als zu jeweils neuen tyrannischen Formen. Den Roman Eine iranische Liebesgeschichte zensieren, der selbstredend in Iran nicht erschien, verfasste Mandanipur gleichsam mit dem Rücken zu seinem Heimatland. Er richtet sich an uns, an die westliche Öffentlichkeit. Er wurde 2008 in New York in englischer Übersetzung erstveröffentlicht, und nach dem Willen des Autors gehen auch Übersetzungen in andere Sprachen, wie die deutsche, aus der englischen Version hervor.

Dieser Roman bedient sich literarischer Techniken und Methoden, die wir gut kennen. Wir haben sie am Ende des 20. Jahrhunderts als postmodern oder dekonstruktivistisch bezeichnet, wir wurden ihrer müde, wir haben ihre Entleerung und ihren Manierismus beklagt und ihre Erschöpfung erlebt. Und es ist eindrucksvoll, zu sehen, zu welcher Lebenskraft sie erwachen, wenn die Energie politischer Notwendigkeit in sie fährt.

 
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