Walter Kempowski, Peter Mayle
Familie im Norden
Wie das deutsche Bürgertum zu dem geworden ist, was wir heute kennen, lässt sich wunderbar in Walter Kempowskis Familienaufzeichnungen nachlesen. Hervorragend geht das in seinem Buch Schöne Aussicht , der Geschichte des jungen Ehepaars Grethe und Karl Kempowski, den Eltern des Autors. Es sind die 1920er Jahre und die einsetzende Nazi-Zeit, intensive Phasen deutscher Geschichte, die der Leser anhand der anekdotischen Erzählfragmente über die Familie Kempowski in Rostock begleitet. Das Buch beschreibt das Leben des Ehepaars, ihre Freunde und Verwandten, die Arbeit, das Aufwachsen der drei Kinder. Das Gesellschaftsleben dieser Zeit befindet sich in einer Art unsicheren Zwischenwelt, man weiß nicht genau, was richtig ist und was falsch. Vieles aus der jüngeren Vergangenheit ragt anfangs noch in den Alltag hinein, besonders der Erste Weltkrieg und die Kaiserzeit. Die Kempowskis bewegen sich zwischen einer verklemmten Engstirnigkeit und gleichzeitig großzügigen Offenheit. Vieles von dem, was sie in den zwanziger und dreißiger Jahren mit ihren Freunden und Verwandten diskutieren, mutet uns heute manchmal naiv und befremdlich an, auch chauvinistisch. Einer der Gründe, dieses Buch zu lesen, sind die vielschichtigen Persönlichkeiten, die es präsentiert. Es sei zur Lektüre empfohlen. (Steffen Richter, Redakteur Politik)
Walter Kempowski: "Schöne Aussicht", Berliner Taschenbuch Verlag, Berlin 1997, 544 S., 11 €
Ein Buch für Merkel
Mein Jahr in der Provence steht griffbereit im Regal. Man kann es immer wieder lesen. Was der Engländer Peter Mayle über seine Ankunft in den von Lavendel gesäumten Bergen des Luberon schreibt, verstärkt das schöne Gefühl, im Urlaub zu sein. Die Story ist simpel, seinen Leser aber macht Mayle süchtig. Einem ersten Wahrhaftigkeitstest unterzog ich das Buch auf der Couch eines Landhauses in Südfrankreich. Tagsüber las ich von Ramon, dem Gipser und Didier, dem Maurer, abends konnten wir Mayles Welt mit den echten Franzosen vergleichen: auf einem Sommerfest im nahen Dorf bei Wein und Entenbrust. Am besten ist die Stelle, als Didier mit ein paar Kollegen einen zentnerschweren Steintisch durch die Tür eines Hauses hievt. In einer solchen Situation sei jeder Franzose ein Experte, schreibt Mayle und zeigt, was wahre Führung ist: "Didier wartete, bis alle ausgeredet hatten und befahl dann, was zu tun sei." Die Bundeskanzlerin sollte dieses Buch lesen. (Tilman Steffen, Nachrichtenredakteur)
Peter Mayle: "Mein Jahr in der Provence", Knaur, München 1994, 560 S., 7,95 €
- Datum 16.07.2010 - 09:26 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Vielen Dank für den sehr interessanten Artikel und die Lesetipps.
Warum sollte man einfach mal den Lesemut haben, nicht nur diese im Artikel verfassten Lesetipps zu befolgen, sondern einer Buchempfehlung einer Userin nachkommen?
Eine relativ überzeugende Antwort dürfte Sie liebe Leser/innen dazu animieren. Das Buch Wechselbäder (CoLyrik) von Corina Wagner beinhaltet Gedichte und Kurzgeschichten, die innerhalb eines Jahres(2009/2010) in der Community bei ZEIT-Online veröffentlicht wurden.
Der Inhalt wurde von der Redaktion stets überwacht. Und gefährliche Nebenwirkungen sind mir bis heute nicht bekannt. Vielleicht hier und da – ein Mundwinkelziehen, wenn die Gesichtsmimik beim Lesen arbeitete. Damit Sie diese Regungen auch verspüren können, kann ich Ihnen aus tiefster Überzeugung nur den Rat geben, sich diese gesundheitsförderliche Maßnahme per ISBN-Nr. 9 783839 169384 beim Händler Ihres Vertrauens oder in einem der vielen Internetshops zu bestellen. ;-)
Bitte geben Sie sich einen Leseruck, damit auch unbekannte Autor/innen eine Chance in Ihrem Sommerurlaub bekommen.
Dies ist wohl nun ein Wink mit 192 Buchseiten.;-)
Gruß
Corina Wagner
http://www.amazon.de/Wechselbäder-CoLyrik-Corina-Wagner/dp/3839169380/ref=sr_1_6/278-8728017-4960360?ie=UTF8&s=books&qid=1279285178&sr=1-6
http://www.zeit.de/kultur...
(Kommentar 11, User hageo erwähnte einen Satz aus dem Buch Wechselbäder.)
Na, was für eine artige Empfehlung von Frau Wagner. Da lass ich mich doch nicht lumpen und rate zum FROSCHBLUES. Die Lektur hat nur 1 Problem: die manchmal extreme Dimensionen annehmende Wirkung des Rezpienten auf seine Umgebung. In der Capitale ist mal ein Leser, aufgrund krampfartig auftretender Lachanfälle, durch 2 ordnungsbewusste S-Bahnbedienstete beinah des Waggons verwiesen worden. So schlimm muss es natürlich nicht immer kommen. Einfach nen Handtuch locker vorm Mund zusammen knoten - und schon wird die Strandkorbnachbarin o.ä. nicht übermäßg malträtiert.
@ Nachtstadt
Vielen Dank für Ihre Einschätzung bezüglich meiner Artigkeit. Es kommt tatsächlich immer darauf an, was man im Urlaub beim Lesen erleben will. Abgehackte Sätze oder zum Gähnen langweilige Bandwurmsätze, die gegen Ende noch die Augenbrauenbetätigung verdienen. Man unter bestimmten... gut gelaunten Leseumständen zum Loben fähig wird, weil sich der Inhalt vielleicht doch noch als anspruchsvoll entpuppt. Es kommt doch immer darauf an, zu welchem „Klientel“ man bezüglich der Urlaubsliteratur gehört. Manche entspannen zum Beispiel auf dem Strandlaken am Besten, wenn sie z.B. einen Comic-Band von Prado in den Händen halten. Andere wiederum schmunzeln über den guten alten Heine. Buchtipps sind wie ein Essen im Lokal. Niemand ahnt vor Beginn, ob man den Inhalt tatsächlich benötigte und ob es den Geschmack auf den Punkt trifft. Deshalb gibt es wohl oder übel Lese- und Kostproben. ;-) Ich kann Ihnen eine Leseprobe von "Wechselbäder" nur empfehlen.:-)
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