Janne Teller "Lehrer sagten, dieses Buch ist schädlich"

Die Dänin Janne Teller hat den ungewöhnlichen und hoch umstrittenen Jugendroman "Nichts" geschrieben. Im Interview spricht sie über Nihilismus und sinnlose Konventionen der Erwachsenen

ZEIT ONLINE: Um Nichts hat es, seit das Buch vor zehn Jahren im dänischen Original erschien, in Skandinavien eine heftige Kontroverse gegeben. Immer wieder wurde von Behörden versucht, das Buch aus dem Schulunterricht herauszuhalten. Zugleich bekam es auch einen Literaturpreis des dänischen Kultusministeriums.

Janne Teller: Ja, es ist schon erstaunlich, dass ein Buch heutzutage in Westeuropa derart bekämpft werden kann. Nicht wegen brutaler oder sexistischer oder verhetzender Inhalte, sondern nur wegen der Fragen, die es aufwirft. Es gab in verschiedenen Ländern Schwierigkeiten, nicht nur in Dänemark, sondern in Frankreich und Norwegen, wo es in manchen Schulen noch immer nicht gelesen werden darf. Die Hauptdebatte fand zwischen Lehrern, Bibliothekarinnen und Pädagogen statt, von denen viele meinten, das Buch mute jungen Lesern zu viel zu.

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Janne Teller, geboren 1964 in Kopenhagen

Janne Teller, geboren 1964 in Kopenhagen

ZEIT ONLINE: Es gibt ja auch drastische Szenen darin: Um ihren Mitschüler Pierre Anthon zu überzeugen, dass seine nihilistischen Parolen Unfug sind, beginnt eine siebte Klasse ein seltsames Projekt. Die Schüler häufen einen "Berg aus Bedeutung" an, für den jeder einzelne schlimme Opfer bringen muss. Einem muslimischen Jungen wird der Gebetsteppich weggenommen. Einem hoffnungsvollen Gitarristen wird der Zeigefinger abgehackt. Ein Mädchen muss ihre "Unschuld" opfern.

Teller: Witzigerweise ist Nichts heute auf vielen Lehrplänen zu finden und wird häufig als Prüfungsstoff verwendet. Manche Pastoren setzen es sogar im Konfirmandenunterricht ein. Aber über Jahre gab es erbitterten Widerstand. Manche Lehrer und Bibliothekare sagen: Dieses Buch ist schädlich für junge Leser, weil es ihnen jede positive Einstellung zum Leben raubt. Das sehe ich völlig anders, und glücklicherweise habe ich recht. Junge Leute stellen sich alle fundamentalen Fragen ganz von allein. Es sind die Erwachsenen, die sich unwohl fühlen, wenn an der Lackierung all dessen gekratzt wird, was wir aus reinem Konformismus täglich mitmachen. Das, was Pierre Anthon und seine Mitschüler tun, um welchen Preis auch immer, ist es doch, die Frage "Hat das Leben überhaupt einen Sinn" in die Frage umzuformen, welchen Sinn es haben sollte.

ZEIT ONLINE: Die Exzesse der Schüler finden in Tearing statt, einem verschlafenen dänischen Ort. Wie haben wir uns den vorzustellen? Ist es die dänische Provinz, die die Frage nach dem Sinn des Lebens besonders dringlich macht? Anders gesagt: Ist der Negativheld Pierre Anthon, der schließlich von seinen Klassenkameraden gelyncht wird, ein gewöhnlicher 13-jähriger Existenzialist oder ein dänischer Existenzialist?

Teller: Taering ist natürlich reine Erfindung. Ich stelle es mir vor als den Außenposten einer kleinen Provinzstadt in Westjütland. Ich sage Außenposten und nicht Vorort, weil ich an den Übergang zwischen Stadt und Land denke. Es gibt keinen Ortskern, keinen Dorfplatz. Der Außenposten hat kein Herz. Außerdem bedeutet Taering auf Deutsch "rosten, korrodieren". Der Ort zehrt seine Einwohner langsam auf, lässt sie vergehen, eben weil er keine Seele hat. Aber natürlich könnte die Geschichte fast überall passieren.

ZEIT ONLINE: Und Pierre Anthon?

Teller: Er ist ein ganz gewöhnlicher, handelsüblicher Existenzialist. Bemerkenswert natürlich, dass er in einem so reichen, friedlichen Land wie Dänemark aufwächst. Wenn Menschen hungern, ist die Frage nach dem Sinn des Lebens eher zweitrangig. Erst wenn die Grundbedürfnisse befriedigt sind, fangen wir an, nach der Zukunft zu fragen – oder danach, ob das Leben nicht mehr sein muss als das, was man sieht. Das ist ein interessantes Paradox, nicht wahr? Warum sollten Menschen so hart ums Überleben kämpfen, wenn das Leben gar keine Bedeutung hätte?

ZEIT ONLINE: Soweit er die Schule und die Langeweile des Außenpostens beschreibt, ist Ihr Roman realistisch. Aber die Tatsache, dass der Schulverweigerer Pierre Anthon von Eltern, Pädagogen und Behörden völlig in Ruhe gelassen wird, erscheint geradezu als Fantasy-Element.

Teller: Ich sehe es als eine Art modernes Märchen. Ich will gar nicht mit Wahrscheinlichkeit oder Plausibilität argumentieren: Ich finde am wichtigsten, dass Literatur ihre eigene Logik hat.  Weil sie nicht abgebildete Realität ist, kann sie uns Einsichten in unsere eigene Wirklichkeit vermitteln. Wie ein magischer Spiegel. Während ein realistischer Spiegel uns nur die Oberfläche zeigt.

ZEIT ONLINE: Es scheint auch recht fantastisch, dass die Kinder so viel darauf geben, was ihr merkwürdiger, nihilistischer Mitschüler meint. Was ist mit diesen Kindern passiert, was haben Sie ihnen beim Schreiben angetan, warum sind sie dermaßen fanatisch?

Teller: Gleich am Anfang sagt Agnes, die Erzählerin: "Die Tür lächelte. Es war das erste mal, dass ich sie das tun sah. Mir kam die angelehnte Tür wie ein breit grinsendes Maul vor, das mich verschlingen würde, wenn ich mich dazu verleiten ließe Pierre Anthon zu folgen." Und dann: "Aus uns sollte etwas werden. […] Ich bekam Angst. Angst vor Pierre Anthon. Angst. Mehr Angst. Am meisten Angst." Ich glaube, hier liegt der Fanatisierungsfaktor: die gefährliche Sehnsucht der Kinder, ihre durchstrukturierte Welt und all die Erwartungen, die in sie gesetzt werden, hinter sich zu lassen und Pierre Anthon zu folgen. Ihre eigenen Zweifel, ob irgendetwas Bedeutung hat, fanatisieren sie, ihre Furcht, dass Pierre Anthon Recht haben könnte. Das ist der Grund, warum ihr Projekt dermaßen eskaliert, und warum kein einzelner es zu stoppen versucht: Verglichen mit dem großen, leeren, hoffnungslosen Nichts eines Lebens ohne Sinn ist es ja fast nicht schlimm, einen Finger zu opfern. Eigentlich kämpft jeder gegen den Pierre Anthon in seinem eigenen Kopf. Diese Kinder werden Fanatiker, ihn dort herauszubekommen – wie so viele Erwachsene, die mit ihren religiösen oder anderweitigen Wahrheiten den Zweifel zu überdröhnen versuchen.

ZEIT ONLINE: Hat jeder Menschen diesen Pierre Anthon mit dem drohenden Nichts und der Sinnlosigkeit im Kopf?

Teller: Auf jeden Fall. Nur nimmt er manchmal viel Raum ein, manchmal wenig. Und uns Erwachsenen gelingt es in der Regel, so viel Lärm zu erzeugen, uns so beschäftigt zu halten, dass wir ihn überhören können, zumindest eine Weile – bis uns irgendwas auf die Füße fällt, das uns erinnert. Dann müssen wir ihm ins Auge blicken, ob wir wollen oder nicht.

ZEIT ONLINE: Ist der Roman als Jugendbuch eigentlich richtig eingeordnet? Oder ist es einfach ein Roman, der von jungen Leuten handelt?

Teller: Für mich ist es ein Crossover, ein Buch für jugendliche und erwachsene Leser. Und für viele Romane ist diese Klassifizierung in "Jugend" oder "Erwachsene" eine total künstliche und überflüssige Behinderung. Ursprünglich hatte ich beim Schreiben tatsächlich ein junges Publikum im Blick. Ich wurde wieder zur Vierzehnjährigen. Aber dann merkte ich, dass dadurch die Erzählstimme nicht naiver ausfiel als sonst. Die 14-jährige Perspektive befreite mich nur von einer Menge ideologischem Gepäck: all den felsenfesten Einteilungen in richtig und falsch; den Floskeln, mit denen wir den unbeantwortbaren Fragen des Lebens begegnen, ob wir nun religiös sind oder nicht. Junge Leute sind gegenüber all diesen Fragen noch sehr offen, sie müssen ihren Sinn erst finden, um sich für einen bestimmten Lebensweg entscheiden zu können. Im Kopf noch einmal 14 zu sein, hat es mir erlaubt, die großen, existenziellen Fragen mit völlig offenen Augen zu betrachten. Ich musste einsehen, dass ich keine definitiven Antworten hatte, obwohl ich in meinem Erwachsenenleben dauernd so tue.

ZEIT ONLINE: Das heißt, das Buch hatte auch für Sie eine klärende Wirkung?

Teller: Nichts wurde zu meiner eigenen Sinnsuche. Es war eine außergewöhnliche und sehr anstrengende Erfahrung: Aber ich habe mit dem Pierre Anthon in meinem Kopf Frieden geschlossen. Ich habe keine Angst mehr vor ihm, sondern bin ihm eher dankbar, dass er all die Fenster in meinem dunkel-gefährlich-verlockenden Existenzialistendachboden geöffnet hat. Es mag ja stimmen, dass das Leben keine höhere Bedeutung hat – wenn man die ganz große Perspektive betrachtet. Pierre Anthon hat mir die Augen dafür geöffnet, wie faszinierend und fantastisch das Leben ist – wenn wir es nicht erdrücken und ersticken mit Einschränkungen, die sich aus sinnlosen Konventionen ergeben.

Das Gespräch führte Susanne Gaschke

 
Leser-Kommentare
  1. "Pierre Anthon hat mir die Augen dafür geöffnet, wie faszinierend und fantastisch das Leben ist – wenn wir es nicht erdrücken und ersticken mit Einschränkungen, die sich aus sinnlosen Konventionen ergeben."

    Sollten Sie das Buch (und die Autorin) nicht nur "besprechen", sonder ernst nehmen, würde ich Ihnen empfehlen, darüber nachzudenken, ob die seit zwanzig Jahren auch von Ihnen auch in der ZEIT verkündete Glücksformel "Kinder brauchen Grenzen" nicht genau das macht, wogegen die Autorin anschreibt: das Leben "erdrücken und ersticken mit Einschränkungen, die sich aus sinnlosen Konventionen ergeben."

    Denn Kinder brauchen weder Grenzen noch Regeln, weder Gehorsam noch Unterwerfung. Sie sind von Natur aus stets bereit zu folgen: Menschen zu folgen (=nachzufolgen wie das Gänschen Martina Lorenz), die bereit sind, sie mitzunehmen und zusammen mit ihnen zu leben - einfach so. Miteinander leben.

    Das ist das ganze Geheimnis.

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    • -Ziet-
    • 05.08.2010 um 13:09 Uhr

    Das erfordert aber auf Seiten der Eltern etwas mehr Qualitäten, als oft dort anzutreffen ist. doch woher sollte diese Qualität kommen?

    • -Ziet-
    • 05.08.2010 um 13:09 Uhr

    Das erfordert aber auf Seiten der Eltern etwas mehr Qualitäten, als oft dort anzutreffen ist. doch woher sollte diese Qualität kommen?

    • -Ziet-
    • 05.08.2010 um 13:09 Uhr

    Das erfordert aber auf Seiten der Eltern etwas mehr Qualitäten, als oft dort anzutreffen ist. doch woher sollte diese Qualität kommen?

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    Sie schrieben: "Das erfordert aber auf Seiten der Eltern etwas mehr Qualitäten,"

    Das geht nicht auf Knopfdruck. Es handelt sich um über Generationen hinweg entstandene Verhaltensformen, von denen Familien und ihre Mitglieder geprägt wurden. Denn auch Eltern hatten Eltern, die Eltern hatten ...

    Das zu ändern ist ein Mehrgenerationenprojekt wie weiland die Ost-Kolonisation im Mittelalter. Aus dieser Zeit ist der Spruch überliefert: die ersten gehn todt - die zweiten haben Not - die dritten Brot.

    Wir sind dabei alles in allem auf keinem schlechten Weg, wie die Familienforschung und auch die Shell-Jugendstudien zeigen.

    /Ztat
    "Von den deutschen Jugendlichen ... werden die Eltern sehr viel häufiger und deutlicher als früher als Vertrauenspersonen wahrgenommen. Sie sprechen in der Mehrzahl erheblich weniger von strenger Erziehung durch Vater und Mutter und wollen sehr viel öfter den selbst erfahrenen Erziehungsstil auch bei den eigenen Kindern fortsetzen. Sie erleben mehrheitlich ihre Eltern als Partner, die sich viel Mühe geben, sie zu unterstützen und zu beraten - und dies auf längere Zeit als früher. Ihre Verselbständigung geschieht nicht im Konflikt, sondern geradezu in Absprache mit den Eltern; bei ihren Ablösungsversuchen fühlen sie sich von ihnen unterstützt.
    Zitat/
    Shell Jugendstudie 2000, Bd.1 S. 14 ff., S. 58

    Leider verläuft die Entwicklung nicht linear, sondern dialektisch: Rückschritte einprogrammiert.

    Ein solcher Rückschritt war "Kinder brauchen Grenzen".

    Sie schrieben: "Das erfordert aber auf Seiten der Eltern etwas mehr Qualitäten,"

    Das geht nicht auf Knopfdruck. Es handelt sich um über Generationen hinweg entstandene Verhaltensformen, von denen Familien und ihre Mitglieder geprägt wurden. Denn auch Eltern hatten Eltern, die Eltern hatten ...

    Das zu ändern ist ein Mehrgenerationenprojekt wie weiland die Ost-Kolonisation im Mittelalter. Aus dieser Zeit ist der Spruch überliefert: die ersten gehn todt - die zweiten haben Not - die dritten Brot.

    Wir sind dabei alles in allem auf keinem schlechten Weg, wie die Familienforschung und auch die Shell-Jugendstudien zeigen.

    /Ztat
    "Von den deutschen Jugendlichen ... werden die Eltern sehr viel häufiger und deutlicher als früher als Vertrauenspersonen wahrgenommen. Sie sprechen in der Mehrzahl erheblich weniger von strenger Erziehung durch Vater und Mutter und wollen sehr viel öfter den selbst erfahrenen Erziehungsstil auch bei den eigenen Kindern fortsetzen. Sie erleben mehrheitlich ihre Eltern als Partner, die sich viel Mühe geben, sie zu unterstützen und zu beraten - und dies auf längere Zeit als früher. Ihre Verselbständigung geschieht nicht im Konflikt, sondern geradezu in Absprache mit den Eltern; bei ihren Ablösungsversuchen fühlen sie sich von ihnen unterstützt.
    Zitat/
    Shell Jugendstudie 2000, Bd.1 S. 14 ff., S. 58

    Leider verläuft die Entwicklung nicht linear, sondern dialektisch: Rückschritte einprogrammiert.

    Ein solcher Rückschritt war "Kinder brauchen Grenzen".

  2. @SusanneGaschka:

    War es unbedingt nötig, im Rahmen dieses Interviews, explizit zu erwähnen, dass die Kinder Pierre Anthon schlussendlich lynchen werden?? Ein 'spoiler alert' wäre schon angebracht gewesen.

    @lonetal:

    Ich kann mich dem nicht anschliessen. Kindern müssen Grenzen gesetzt werden. Natürlich auf intelligente Weise und in einem intelligenten Rahmen. Aber nichtsdestotrotz brauchen sie Regeln und Grenzen. Sonst werden sie zu selbstherrlichen, asozialen, kleinen Terroristen.

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    Sie schreiben: "Kindern müssen Grenzen gesetzt werden."

    Hinter einer solchen Meinung stehen oft entweder eigene Erfahrungen oder (nicht immer bewusste) Vorstellungen von Kind und Kindheit. Sie gehen davon aus, dass Kinder von Geburt an so oder so "asozial" seien, gleichsam kleine, unkultivierte Wilde.

    Die Sozial, Hirn- und Säuglingsforschung sieht inzwischen das Kind als ein von Natur aus soziales Wesen. "Sozial" heißt in diesem Zusammenhang auf das Zusammenspiel mit der Umwelt programmiert. Die Gehirnentwicklung etwa hängt entscheidend davon ab.

    In aller Kürze: Erfahrungen, die das Kind von Geburt an macht, werden gelernt, als "Programm" abgespeichert und in ähnlichen Situationen später aktiviert.

    Wer nun setzt dem Kind Grenzen? Immer der Stärkere. Das Kind lernt also: Wer stärker ist, darf dem anderen Grenzen setzen. Betrachten Sie einmal unter diesem Gesichtspunkt die Entwicklung von Jugendgewalt und Jugendkriminaliät seit etwa 1990. Das Ergebnis macht nachdenklich.

    Anderes Beispiel: Eines unserer Kinder aß manchmal denselben Kuchen, manchmal nicht. Wir respektierten dies, weil ein Kind selbst am besten weiß, was ihm gut tut.

    Seh viel später stellte sich heraus, dass es eine Allergie gegen Nüsse hatte. Es aß nur den Kuchen nicht, der Nüsse enthielt.

    Hätten wir darauf bestanden, dass es den Kuchen immer gegessen hätte (Kinder brauchen Grenzen), hätten wir ihm u.U. gesundheitlich schwer geschadet.

    Einen Spoiler-Alert hätte ich mir auch gewünscht, da das Buch interessant klingt und ich es gerne lesen möchte. Danke also an Susanne Gaschke.

    @Ionetal: Der Vorkommentator spricht zu Recht von "intelligenten" Grenzen. "Iss jetzt deinen Kuchen auf" ist keine solche. Sie sprechen selbst die Entwicklung der Jugendgewalt seit den 1990ern an. Ich bezweifele, dass Kindern in den 80ern strengere Grenzen gesetzt wurden, auf denen diese Entwicklung fußen könnte. Eltern sollten in erster Linie Eltern sein und nicht Freunde - Freunde findet das Kind auch außerhalb der Familie. Und was geschieht, wenn Kinder keine Tabus mehr brechen können, weil es keine Tabus mehr gibt, konnte kürzlich in der Zeit nachgelesen werden:
    "Viele Leute, die so rumziehen, kommen ja aus, ich sag mal, dem Mittelstand, vielleicht auch aus einem alternativen Elternhaus. Die Eltern haben alle Freiheiten erkämpft. Und heute? Es gibt fast keine Tabus mehr. Es ist ja eigentlich alles erlaubt." Außer eben Gewaltanwendung.
    http://www.zeit.de/2010/3...

    Man muss Kindern Grenzen setzen und Regeln vermitteln, weil das Zusammenleben von Menschen durch Regeln bestimmt ist und sich Kindern an Grenzen messen können.

    Zudem ist eine Aussage wie "ein Kind [weiß] selbst am besten, was ihm gut tut" äußerst problematisch. Mir fallen dazu Dreijährige mit unrettbar verfaulten Milchzähnen ein...

    Der Aussage, dass das Kind an den Regeln nicht ersticken darf, stimme ich dagegen zu.

    Sie schreiben: "Kindern müssen Grenzen gesetzt werden."

    Hinter einer solchen Meinung stehen oft entweder eigene Erfahrungen oder (nicht immer bewusste) Vorstellungen von Kind und Kindheit. Sie gehen davon aus, dass Kinder von Geburt an so oder so "asozial" seien, gleichsam kleine, unkultivierte Wilde.

    Die Sozial, Hirn- und Säuglingsforschung sieht inzwischen das Kind als ein von Natur aus soziales Wesen. "Sozial" heißt in diesem Zusammenhang auf das Zusammenspiel mit der Umwelt programmiert. Die Gehirnentwicklung etwa hängt entscheidend davon ab.

    In aller Kürze: Erfahrungen, die das Kind von Geburt an macht, werden gelernt, als "Programm" abgespeichert und in ähnlichen Situationen später aktiviert.

    Wer nun setzt dem Kind Grenzen? Immer der Stärkere. Das Kind lernt also: Wer stärker ist, darf dem anderen Grenzen setzen. Betrachten Sie einmal unter diesem Gesichtspunkt die Entwicklung von Jugendgewalt und Jugendkriminaliät seit etwa 1990. Das Ergebnis macht nachdenklich.

    Anderes Beispiel: Eines unserer Kinder aß manchmal denselben Kuchen, manchmal nicht. Wir respektierten dies, weil ein Kind selbst am besten weiß, was ihm gut tut.

    Seh viel später stellte sich heraus, dass es eine Allergie gegen Nüsse hatte. Es aß nur den Kuchen nicht, der Nüsse enthielt.

    Hätten wir darauf bestanden, dass es den Kuchen immer gegessen hätte (Kinder brauchen Grenzen), hätten wir ihm u.U. gesundheitlich schwer geschadet.

    Einen Spoiler-Alert hätte ich mir auch gewünscht, da das Buch interessant klingt und ich es gerne lesen möchte. Danke also an Susanne Gaschke.

    @Ionetal: Der Vorkommentator spricht zu Recht von "intelligenten" Grenzen. "Iss jetzt deinen Kuchen auf" ist keine solche. Sie sprechen selbst die Entwicklung der Jugendgewalt seit den 1990ern an. Ich bezweifele, dass Kindern in den 80ern strengere Grenzen gesetzt wurden, auf denen diese Entwicklung fußen könnte. Eltern sollten in erster Linie Eltern sein und nicht Freunde - Freunde findet das Kind auch außerhalb der Familie. Und was geschieht, wenn Kinder keine Tabus mehr brechen können, weil es keine Tabus mehr gibt, konnte kürzlich in der Zeit nachgelesen werden:
    "Viele Leute, die so rumziehen, kommen ja aus, ich sag mal, dem Mittelstand, vielleicht auch aus einem alternativen Elternhaus. Die Eltern haben alle Freiheiten erkämpft. Und heute? Es gibt fast keine Tabus mehr. Es ist ja eigentlich alles erlaubt." Außer eben Gewaltanwendung.
    http://www.zeit.de/2010/3...

    Man muss Kindern Grenzen setzen und Regeln vermitteln, weil das Zusammenleben von Menschen durch Regeln bestimmt ist und sich Kindern an Grenzen messen können.

    Zudem ist eine Aussage wie "ein Kind [weiß] selbst am besten, was ihm gut tut" äußerst problematisch. Mir fallen dazu Dreijährige mit unrettbar verfaulten Milchzähnen ein...

    Der Aussage, dass das Kind an den Regeln nicht ersticken darf, stimme ich dagegen zu.

  3. Sie schrieben: "Das erfordert aber auf Seiten der Eltern etwas mehr Qualitäten,"

    Das geht nicht auf Knopfdruck. Es handelt sich um über Generationen hinweg entstandene Verhaltensformen, von denen Familien und ihre Mitglieder geprägt wurden. Denn auch Eltern hatten Eltern, die Eltern hatten ...

    Das zu ändern ist ein Mehrgenerationenprojekt wie weiland die Ost-Kolonisation im Mittelalter. Aus dieser Zeit ist der Spruch überliefert: die ersten gehn todt - die zweiten haben Not - die dritten Brot.

    Wir sind dabei alles in allem auf keinem schlechten Weg, wie die Familienforschung und auch die Shell-Jugendstudien zeigen.

    /Ztat
    "Von den deutschen Jugendlichen ... werden die Eltern sehr viel häufiger und deutlicher als früher als Vertrauenspersonen wahrgenommen. Sie sprechen in der Mehrzahl erheblich weniger von strenger Erziehung durch Vater und Mutter und wollen sehr viel öfter den selbst erfahrenen Erziehungsstil auch bei den eigenen Kindern fortsetzen. Sie erleben mehrheitlich ihre Eltern als Partner, die sich viel Mühe geben, sie zu unterstützen und zu beraten - und dies auf längere Zeit als früher. Ihre Verselbständigung geschieht nicht im Konflikt, sondern geradezu in Absprache mit den Eltern; bei ihren Ablösungsversuchen fühlen sie sich von ihnen unterstützt.
    Zitat/
    Shell Jugendstudie 2000, Bd.1 S. 14 ff., S. 58

    Leider verläuft die Entwicklung nicht linear, sondern dialektisch: Rückschritte einprogrammiert.

    Ein solcher Rückschritt war "Kinder brauchen Grenzen".

  4. Sie schreiben: "Kindern müssen Grenzen gesetzt werden."

    Hinter einer solchen Meinung stehen oft entweder eigene Erfahrungen oder (nicht immer bewusste) Vorstellungen von Kind und Kindheit. Sie gehen davon aus, dass Kinder von Geburt an so oder so "asozial" seien, gleichsam kleine, unkultivierte Wilde.

    Die Sozial, Hirn- und Säuglingsforschung sieht inzwischen das Kind als ein von Natur aus soziales Wesen. "Sozial" heißt in diesem Zusammenhang auf das Zusammenspiel mit der Umwelt programmiert. Die Gehirnentwicklung etwa hängt entscheidend davon ab.

    In aller Kürze: Erfahrungen, die das Kind von Geburt an macht, werden gelernt, als "Programm" abgespeichert und in ähnlichen Situationen später aktiviert.

    Wer nun setzt dem Kind Grenzen? Immer der Stärkere. Das Kind lernt also: Wer stärker ist, darf dem anderen Grenzen setzen. Betrachten Sie einmal unter diesem Gesichtspunkt die Entwicklung von Jugendgewalt und Jugendkriminaliät seit etwa 1990. Das Ergebnis macht nachdenklich.

    Anderes Beispiel: Eines unserer Kinder aß manchmal denselben Kuchen, manchmal nicht. Wir respektierten dies, weil ein Kind selbst am besten weiß, was ihm gut tut.

    Seh viel später stellte sich heraus, dass es eine Allergie gegen Nüsse hatte. Es aß nur den Kuchen nicht, der Nüsse enthielt.

    Hätten wir darauf bestanden, dass es den Kuchen immer gegessen hätte (Kinder brauchen Grenzen), hätten wir ihm u.U. gesundheitlich schwer geschadet.

    Antwort auf "Zwei Bemerkungen"
  5. Einen Spoiler-Alert hätte ich mir auch gewünscht, da das Buch interessant klingt und ich es gerne lesen möchte. Danke also an Susanne Gaschke.

    @Ionetal: Der Vorkommentator spricht zu Recht von "intelligenten" Grenzen. "Iss jetzt deinen Kuchen auf" ist keine solche. Sie sprechen selbst die Entwicklung der Jugendgewalt seit den 1990ern an. Ich bezweifele, dass Kindern in den 80ern strengere Grenzen gesetzt wurden, auf denen diese Entwicklung fußen könnte. Eltern sollten in erster Linie Eltern sein und nicht Freunde - Freunde findet das Kind auch außerhalb der Familie. Und was geschieht, wenn Kinder keine Tabus mehr brechen können, weil es keine Tabus mehr gibt, konnte kürzlich in der Zeit nachgelesen werden:
    "Viele Leute, die so rumziehen, kommen ja aus, ich sag mal, dem Mittelstand, vielleicht auch aus einem alternativen Elternhaus. Die Eltern haben alle Freiheiten erkämpft. Und heute? Es gibt fast keine Tabus mehr. Es ist ja eigentlich alles erlaubt." Außer eben Gewaltanwendung.
    http://www.zeit.de/2010/3...

    Man muss Kindern Grenzen setzen und Regeln vermitteln, weil das Zusammenleben von Menschen durch Regeln bestimmt ist und sich Kindern an Grenzen messen können.

    Zudem ist eine Aussage wie "ein Kind [weiß] selbst am besten, was ihm gut tut" äußerst problematisch. Mir fallen dazu Dreijährige mit unrettbar verfaulten Milchzähnen ein...

    Der Aussage, dass das Kind an den Regeln nicht ersticken darf, stimme ich dagegen zu.

    Antwort auf "Zwei Bemerkungen"
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    Sie schreiben: "Der Vorkommentator spricht zu Recht von "intelligenten" Grenzen."

    1. Das Problem:Jeder versteht unter "intelligenten Grenzen" etwas anders. Früher oder später nehmen Kinder das wahr - und vergleichen, mit den entsprechenden Folgen.

    Wer "Grenzen setzt" macht aus einem Vertrauensverhältnis ein Macht-(Kampf-)Verhältnis, ob er will oder nicht. Konflikte werden nicht durch Absprache, sondern durch Macht gelöst: Das lernt das Kind. Dabei vergisst man: Kinder wachsen heran, Eltern werden alt, das Machtverhältnis kehrt sich um.

    Sie schreiben: "was geschieht, wenn Kinder keine Tabus mehr brechen können"

    Dann können sie die frei gewordenen Kräfte kreativ einsetzen, nicht auf sinnlose Tabubrechereien, wozu die Rezension lesenswerte Anmerkungen machte: "wenn wir es nicht erdrücken und ersticken mit Einschränkungen, die sich aus sinnlosen Konventionen ergeben"

    Sie schreiben: "Man muss Kindern Grenzen setzen und Regeln vermitteln, weil das Zusammenleben von Menschen durch Regeln bestimmt ist"

    Das muss man Kinder nicht vermitteln, schon gar nicht durch elterliche Gewalt. Das lernen Kinder - so man sie denn lässt und als sebstverständlich erwartet - aus dem täglichen Zusammenleben sehr viel besser und wirksamer. Wenn allerdings die Eltern nach Lust und Laune leben ..

    Sie schreiben: "Mir fallen dazu Dreijährige mit unrettbar verfaulten Milchzähnen ein..." ... woran allein das Kind schuld ist, weil es seine Bedürfnisse nicht kennt?

    Sie schreiben: "Eltern sollten in erster Linie Eltern sein und nicht Freunde "

    Beispiel 1:
    Zitat/
    "Zoltan", sagt die junge Frau, "dies ist Dein Jäckchen, das möchte ich Dir jetzt anziehen." Sie hält ein Babyjäckchen hoch, so dass der drei Monate alte Säugling auf dem Wickeltisch das Kleidungsstück betrachten kann. Dann krempelt sie den winzigen Ärmel hoch und hält einen Moment inne. Zoltan streckt seine kleine Hand hin, und die junge Frau streift dem Kind den Ärmel über. Zoltan lacht und strampelt vor Vergnügen. Beide freuen sich über ihr gelungenes Zusammenspiel.
    Zitat/

    Handelt die Mutter falsch?

    Beispiel 2:

    Seit etwa 1905 setzte sich die Ansicht durch, dass 5 bis 6 Stillmahlzeiten und eine nächtliche Stillpause von 8 Stunden für die beste Lösung seien. Später entwickelte sich daraus ein viermaliges Stillen im Vier-Stunden-Rhythmus. Wird bis heute praktiziert.

    Später fand der niederländische Nobelpreisträger Tinbergen

    \Zitat
    mit seinem Team ... heraus, dass unser Neugeborenes von Natur aus zwischen 46 und 60 mal täglich Nahrung aufnehmen sollte. Seine Schlussfolgerung beruhte auf ermittelten Durchschnittswerten sowie auf Analysen der Muttermilch und des kindlichen Stoffwechsels. Die menschliche Muttermilch ist die von allen Säugern am wenigsten "nahrhafte"... da der menschliche Stoffwechsel ausschließlich für diese Art der Nahrung angelegt ist, macht das ein Stillen etwa alle zwanzig Minuten notwendig.
    Zitat/

    Wird das Kind an der Brust getragen, trinkt es so.

    Sie schreiben: "Zudem ist eine Aussage wie "ein Kind [weiß] selbst am besten, was ihm gut tut" äußerst problematisch. Mir fallen dazu Dreijährige mit unrettbar verfaulten Milchzähnen ein..."

    /Zitat
    Meine Frau und ich putzen uns öfters als zweimal am Tag die Zähne. Meine Tochter macht es genauso. Freiwillig.

    Ich habe ihr erzählt, was die bösen Kariesbakterien so vorhaben mit den Zähnen und was man dagegen tun kann.

    Wenn sie Süßes isst, putzt sie sich sofort danach die Zähne. Sie betreibt auch rege Aufklärung darüber in der Schule.
    Zitat/

    Sie argumentieren - um es nur an diesem Beispiel aufzuzeigen - nach dem Muster: Wenn man Kinder Grenzen setzt, gibt es keine Kinder mehr mit fauligen Milchzähnen.

    Sie wissen doch sicher, dass das nicht stimmt. Wenn Sie trotzdem zu solchen Mustern greifen, halte ich eine Diskussion für Zeitverschwendung.

    Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.

    Sie schreiben: "Der Vorkommentator spricht zu Recht von "intelligenten" Grenzen."

    1. Das Problem:Jeder versteht unter "intelligenten Grenzen" etwas anders. Früher oder später nehmen Kinder das wahr - und vergleichen, mit den entsprechenden Folgen.

    Wer "Grenzen setzt" macht aus einem Vertrauensverhältnis ein Macht-(Kampf-)Verhältnis, ob er will oder nicht. Konflikte werden nicht durch Absprache, sondern durch Macht gelöst: Das lernt das Kind. Dabei vergisst man: Kinder wachsen heran, Eltern werden alt, das Machtverhältnis kehrt sich um.

    Sie schreiben: "was geschieht, wenn Kinder keine Tabus mehr brechen können"

    Dann können sie die frei gewordenen Kräfte kreativ einsetzen, nicht auf sinnlose Tabubrechereien, wozu die Rezension lesenswerte Anmerkungen machte: "wenn wir es nicht erdrücken und ersticken mit Einschränkungen, die sich aus sinnlosen Konventionen ergeben"

    Sie schreiben: "Man muss Kindern Grenzen setzen und Regeln vermitteln, weil das Zusammenleben von Menschen durch Regeln bestimmt ist"

    Das muss man Kinder nicht vermitteln, schon gar nicht durch elterliche Gewalt. Das lernen Kinder - so man sie denn lässt und als sebstverständlich erwartet - aus dem täglichen Zusammenleben sehr viel besser und wirksamer. Wenn allerdings die Eltern nach Lust und Laune leben ..

    Sie schreiben: "Mir fallen dazu Dreijährige mit unrettbar verfaulten Milchzähnen ein..." ... woran allein das Kind schuld ist, weil es seine Bedürfnisse nicht kennt?

    Sie schreiben: "Eltern sollten in erster Linie Eltern sein und nicht Freunde "

    Beispiel 1:
    Zitat/
    "Zoltan", sagt die junge Frau, "dies ist Dein Jäckchen, das möchte ich Dir jetzt anziehen." Sie hält ein Babyjäckchen hoch, so dass der drei Monate alte Säugling auf dem Wickeltisch das Kleidungsstück betrachten kann. Dann krempelt sie den winzigen Ärmel hoch und hält einen Moment inne. Zoltan streckt seine kleine Hand hin, und die junge Frau streift dem Kind den Ärmel über. Zoltan lacht und strampelt vor Vergnügen. Beide freuen sich über ihr gelungenes Zusammenspiel.
    Zitat/

    Handelt die Mutter falsch?

    Beispiel 2:

    Seit etwa 1905 setzte sich die Ansicht durch, dass 5 bis 6 Stillmahlzeiten und eine nächtliche Stillpause von 8 Stunden für die beste Lösung seien. Später entwickelte sich daraus ein viermaliges Stillen im Vier-Stunden-Rhythmus. Wird bis heute praktiziert.

    Später fand der niederländische Nobelpreisträger Tinbergen

    \Zitat
    mit seinem Team ... heraus, dass unser Neugeborenes von Natur aus zwischen 46 und 60 mal täglich Nahrung aufnehmen sollte. Seine Schlussfolgerung beruhte auf ermittelten Durchschnittswerten sowie auf Analysen der Muttermilch und des kindlichen Stoffwechsels. Die menschliche Muttermilch ist die von allen Säugern am wenigsten "nahrhafte"... da der menschliche Stoffwechsel ausschließlich für diese Art der Nahrung angelegt ist, macht das ein Stillen etwa alle zwanzig Minuten notwendig.
    Zitat/

    Wird das Kind an der Brust getragen, trinkt es so.

    Sie schreiben: "Zudem ist eine Aussage wie "ein Kind [weiß] selbst am besten, was ihm gut tut" äußerst problematisch. Mir fallen dazu Dreijährige mit unrettbar verfaulten Milchzähnen ein..."

    /Zitat
    Meine Frau und ich putzen uns öfters als zweimal am Tag die Zähne. Meine Tochter macht es genauso. Freiwillig.

    Ich habe ihr erzählt, was die bösen Kariesbakterien so vorhaben mit den Zähnen und was man dagegen tun kann.

    Wenn sie Süßes isst, putzt sie sich sofort danach die Zähne. Sie betreibt auch rege Aufklärung darüber in der Schule.
    Zitat/

    Sie argumentieren - um es nur an diesem Beispiel aufzuzeigen - nach dem Muster: Wenn man Kinder Grenzen setzt, gibt es keine Kinder mehr mit fauligen Milchzähnen.

    Sie wissen doch sicher, dass das nicht stimmt. Wenn Sie trotzdem zu solchen Mustern greifen, halte ich eine Diskussion für Zeitverschwendung.

    Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.

  6. Sie schreiben: "Der Vorkommentator spricht zu Recht von "intelligenten" Grenzen."

    1. Das Problem:Jeder versteht unter "intelligenten Grenzen" etwas anders. Früher oder später nehmen Kinder das wahr - und vergleichen, mit den entsprechenden Folgen.

    Wer "Grenzen setzt" macht aus einem Vertrauensverhältnis ein Macht-(Kampf-)Verhältnis, ob er will oder nicht. Konflikte werden nicht durch Absprache, sondern durch Macht gelöst: Das lernt das Kind. Dabei vergisst man: Kinder wachsen heran, Eltern werden alt, das Machtverhältnis kehrt sich um.

    Sie schreiben: "was geschieht, wenn Kinder keine Tabus mehr brechen können"

    Dann können sie die frei gewordenen Kräfte kreativ einsetzen, nicht auf sinnlose Tabubrechereien, wozu die Rezension lesenswerte Anmerkungen machte: "wenn wir es nicht erdrücken und ersticken mit Einschränkungen, die sich aus sinnlosen Konventionen ergeben"

    Sie schreiben: "Man muss Kindern Grenzen setzen und Regeln vermitteln, weil das Zusammenleben von Menschen durch Regeln bestimmt ist"

    Das muss man Kinder nicht vermitteln, schon gar nicht durch elterliche Gewalt. Das lernen Kinder - so man sie denn lässt und als sebstverständlich erwartet - aus dem täglichen Zusammenleben sehr viel besser und wirksamer. Wenn allerdings die Eltern nach Lust und Laune leben ..

    Sie schreiben: "Mir fallen dazu Dreijährige mit unrettbar verfaulten Milchzähnen ein..." ... woran allein das Kind schuld ist, weil es seine Bedürfnisse nicht kennt?

    Antwort auf "Spoiler und sonstiges"
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    • baku
    • 05.08.2010 um 15:53 Uhr

    leider ist die realität in keiner weise bereit für ein derartiges konstrukt und wie sie richtig schreiben dauert eine solche, auf breiter ebene angelegte gesellschaftliche veränderung, generationen.

    vermutlich haben sie keine eigenen kinder und können diesbezüglich auf keine erfahrungen zurückgreifen. ein vernünftiges zukunftsweisendes denken ist in unserer gesellschaft leider nicht zwangsläifig mit umsetzbarkeit zu verbinden, grundsätzlich müsste ihnen das wohl auch klar sein, aber fiktionen bedeuten den ersten schritt einer veränderung und der anstoss einer richtigen debatte ist immer lobenswert.

    • baku
    • 05.08.2010 um 15:53 Uhr

    leider ist die realität in keiner weise bereit für ein derartiges konstrukt und wie sie richtig schreiben dauert eine solche, auf breiter ebene angelegte gesellschaftliche veränderung, generationen.

    vermutlich haben sie keine eigenen kinder und können diesbezüglich auf keine erfahrungen zurückgreifen. ein vernünftiges zukunftsweisendes denken ist in unserer gesellschaft leider nicht zwangsläifig mit umsetzbarkeit zu verbinden, grundsätzlich müsste ihnen das wohl auch klar sein, aber fiktionen bedeuten den ersten schritt einer veränderung und der anstoss einer richtigen debatte ist immer lobenswert.

  7. Sie schreiben: "Eltern sollten in erster Linie Eltern sein und nicht Freunde "

    Beispiel 1:
    Zitat/
    "Zoltan", sagt die junge Frau, "dies ist Dein Jäckchen, das möchte ich Dir jetzt anziehen." Sie hält ein Babyjäckchen hoch, so dass der drei Monate alte Säugling auf dem Wickeltisch das Kleidungsstück betrachten kann. Dann krempelt sie den winzigen Ärmel hoch und hält einen Moment inne. Zoltan streckt seine kleine Hand hin, und die junge Frau streift dem Kind den Ärmel über. Zoltan lacht und strampelt vor Vergnügen. Beide freuen sich über ihr gelungenes Zusammenspiel.
    Zitat/

    Handelt die Mutter falsch?

    Beispiel 2:

    Seit etwa 1905 setzte sich die Ansicht durch, dass 5 bis 6 Stillmahlzeiten und eine nächtliche Stillpause von 8 Stunden für die beste Lösung seien. Später entwickelte sich daraus ein viermaliges Stillen im Vier-Stunden-Rhythmus. Wird bis heute praktiziert.

    Später fand der niederländische Nobelpreisträger Tinbergen

    \Zitat
    mit seinem Team ... heraus, dass unser Neugeborenes von Natur aus zwischen 46 und 60 mal täglich Nahrung aufnehmen sollte. Seine Schlussfolgerung beruhte auf ermittelten Durchschnittswerten sowie auf Analysen der Muttermilch und des kindlichen Stoffwechsels. Die menschliche Muttermilch ist die von allen Säugern am wenigsten "nahrhafte"... da der menschliche Stoffwechsel ausschließlich für diese Art der Nahrung angelegt ist, macht das ein Stillen etwa alle zwanzig Minuten notwendig.
    Zitat/

    Wird das Kind an der Brust getragen, trinkt es so.

    Antwort auf "Spoiler und sonstiges"

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