Alle bedeutenden Königinnen Frankreichs waren Ausländerinnen. Diese Beobachtung entstammt dem Buch Carla. Ein geheimes Leben , auf das Frankreich seit Monaten gespannt gewartet hatte. Carla Bruni, gebürtige Italienerin, war in den Monaten nach ihrer Heirat mit Nicolas Sarkozy der ganze Stolz des Volkes. Beliebter als die meisten Politiker ist sie geblieben, allemal beliebter als ihr Mann. Etlichen Franzosen freilich gilt sie mittlerweile als Inbegriff jener Globalisierungselite, die es sich
leisten kann, unbeschwert unkonventionell zu leben, wohingegen sich der Normalfranzose vor dem Einbruch des Unnormalen in sein Leben fürchtet, namentlich vor Arbeitslosigkeit und Armut.

Insofern geht es Carla Bruni nicht anders als ihren Vorgängerinnen unter dem Ancien Régime: Das Volk schwankte noch jedesmal zwischen Bewunderung der weltläufigen Pracht und seinem Hass auf die fremde Frau an der Seite des Königs. Was hätte man aus diesem Stoff machen können!

Herausgekommen ist jedoch nur ein unfasslich dämliches Klatschbuch. Wie war Carla so als Mannequin und ähnliche Fadaisen gähnen einem entgegen, ein ganzes Kapitel ist der ebenso unbeantworteten wie belanglosen Frage gewidmet, ob Chirurgen am gegenwärtigen Gesicht der Präsidentengattin mitgewirkt haben. Durfte die Autorin nicht mehr schreiben, oder konnte sie nur nicht? Der Verlag soll das Manuskript monatelang juristischen Prüfungen unterzogen haben.

Das Élysée jedenfalls dürfte kurz vor Erscheinen keine Besorgnisse mehr getragen haben. Das Buch hätte vielleicht eine willkommene Ablenkung von den allgegenwärtigen Skandalen sein sollen, die sich um die derzeitige Regierung ringeln wie die Schlangen um Laokoon. Immerhin genügte der Erscheinungstag einigen Journalen als Anlass, wieder einmal das ehemalige Mannequin auf ihr Titelblatt zu heben. Doch die Droge wirkte nur schwach sedierend und hielt nicht länger als eine politische Sekunde.

Sprengstoff dagegen enthält ein zweites Buch über die Präsidentengattin, das eigentlich nicht als Enthüllungswerk sondern als kreuzbrave Biografie daherkommt. Carla und die Ambitionierten heißt es, und ihm zufolge hat sich Carla Bruni polizeilicher Hilfe bedient, Telefonüberwachung eingeschlossen, um sich eines angeblichen Komplotts von Rivalinnen zu erwehren, die sie vom Hofe drängen wollten. Das wäre nicht der erste Fall eigennütziger Inanspruchnahme geheimdienstlicher Kapazitäten jenseits von Recht und Gesetz, der dem Élysée vorgeworfen wird.

Besma Lahouri: Carla. Une vie secrète . Paris 2010, 292 Seiten, 19,90 Euro.

Michael Darmon, Yves Derai : Carla et les ambitieux . Paris 2010, 220 Seiten, 16,50 Euro.