Das Haus der Trinker
Eine heruntergekommene Hütte in einer Stadt in Russland. Eine Gruppe von Alkoholikern lebt dort, Männer und Frauen. An die abgeblätterten Wände haben sie bunte Werbebilder geklebt, die ein bessere, heilere Welt zeigen. Die Narben in den Gesichtern der Bewohner erzählen aus einem anderen Leben.
Der Fotograf Andrej Krementschouk, 1973 in Gorki in Russland geboren, lernte die Gruppe 2007 durch Zufall kennen und besuchte sie mehrmals in ihrem Haus. In seinem Fotobuch Come bury me (Komm begrab' mich) dokumentiert er das Leben dieser Menschen. Seine Bilder zeigen die zerstörerischen Spuren des Alkoholmissbrauchs. Sie zeigen aber auch Menschen, die sich, soweit es ihre Sucht zulässt, Nähe und Geborgenheit schenken.
Come bury me ist nicht nur ein Fotoband, Krementschouk hat in einem umfangreichen Nachwort auch die Lebensgeschichten aufgeschrieben, die ihm die Hausbewohner erzählten.
Ob sie wahr sind oder falsch – Krementschouk wird es nie erfahren. Als der Fotograf im Winter 2008 wieder an den Ort zurückkehrte, fand er nur noch eine Brandruine vor. Bis auf eine Frau waren alle Mitglieder der Gruppe einer Brandstiftung zum Opfer gefallen.
- Datum 12.11.2010 - 11:06 Uhr
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Mir fehlen echt die Worte. Das Buch werde ich mir nicht kaufen. Oder ich werde es mir kaufen und nicht ansehen können.
Es erinnert mich an einen dänischen (?) Fotografen, der in den '70ern durch die Vereinigten Staaten fuhr und Elendsviertel der Schwarzen besuchte, bei ihnen wohnte und sie fotografierte. Gab es damals in der DDR zu kaufen.
Ich kann nicht erkennen, was daran so erschütternd sein soll. Die besten Verhältnisse sind es nicht, aber die himmelhochjauchzende Dramatik, die Sie, Alter Nihilist, mit dem Begriff "erschütternd" implizieren, sehe ich - jedenfalls auf den gezeigten Bildern - nicht.
Nicht, dass ich damit sagen wollte, dass es lustig ist, Alkoholiker zu sein, und über die möglicherweise noch viel unlustigeren Lebensgeschichten der gezeigten Menschen will ich hier auch keine Aussage getroffen haben. Aber so, wie die Sache hier in Text und Bild dargestellt wird, handelt es sich um ein, den Verhältnissen entsprechend, relativ normales Beisammensein von Leuten, die sich eine Lebenswelt teilen. Solche Gesichter und Schlimmeres sieht man an jeder Straßenecke in etwas größeren Städten. Und die haben oft eines nicht: Mitmenschen, die sich um sie kümmern. Von daher empfinde ich ein solches "Alkoholiker-Haus" als eine schwer positive Geschichte, die es wert ist, gelesen bzw. betrachtet zu werden.
den letzen Absatz des begleitenden Textes. Darauf bezog ich mich. Betrunkene Elendgestalten sehe ich fast täglich.
Die so von ihnen charakterisierte Dramatik liegt mir nicht.
... zu denen Andrej Krementschouk offensichtlich zählt, gelingt es, den Menschen, die sie zeichnen, ihre Würde nicht zu nehmen, selbst wenn die Umstände desolat sind. Wenn man das nicht erkennen kann, liegt das unter Umständen daran, das man persönlich mit dem Konzept "Würde" nicht so viel anfangen kann. Tolle Fotos ...
Sorry, aber ich halte von Fotographen dieser Sorte absolut Garnichts. Hat er den erheblichen Teil des Erlöses diesen Menschen zukommen lassen? Was ist die Motivation dahinter, die Menschen in ihrem Elend abzulichten, ohne anschließend für die Verbesserung der Zustände zu sorgen. Einer schüttet den Kopf, der andere ergötz sich an den Bildern. Niemand macht sich Gedanken darüber, wie Dieses Elend beendet werden kann.
Täuschen sie sich nicht , so meine Gedanken zu Ihrem Kommentar ,
vom " schönen Schein des Alkoholikeridyll " , professionell ausgeleuchteter Fotographien . Ich mag , für Sie , belehrend anmuten ,jedoch ist der Umgang mit auffälligen Suchtkranken , seitens der Gesundheitsbehörden in Russland , skandalös und inhuman . Die Hilfemaßnahmen für Alkoholkranke stecken in den " Babyschuhen " ,wie ehrenamtliche Mitarbeiter des "Blauen Kreuz "zu berichten wissen . Dramatische Geschehnisse werden in einer Alkoholikerstatistik nicht erfasst - alamierend ist dennoch
das Ergebnis einer in der Ukraine durchgeführte Erhebung .
Allein in diesem Teil Russlands haben 80 % der Bevölkerung
ein mehr oder minder gravierendes Alkoholproblem zu bewältigen .
Ich bin der Meinung , das ein Bildband , wie in der "Zeit" vorgestellt , einen Beitrag leistet , was mit einer Volkswirtschaft
geschieht , wenn Politiker es versäumen , die Nachteile ihrer
Privatisierungswut im Gesundheitssystem , im Vorfeld ihrer Entscheidungen zu durchdenken .
ist für das Verständnis des von Ihnen beschriebenen Versäumnisses der Politik, sondern reales politisches und vor allem bürgerliches Engagement sind nötig, bitter nötig. Das Elend braucht keine bis ins unerträgliche inszenierte Fotografie. Gehen Sie nur auf die Straße, egal ob in Moskau oder Kiew, von der Provinz ganz zu schweigen. Die Bilder bohren sich buchstäblich in ihr Gehirn. Fragen Sie doch eine dieser verlorenen Seelen, ob sie glaubt das diese Bilder ihre Lebensbedingungen verbessern werden.
Kunst kann und darf nicht immer angenehm sein.
Sie kann auch keine Sofortlösungen für soziale und politische Misstände bieten, aber sie muss "in den Köpfen wirken".
Diese Diskussion ist der beste Beweis dafür.
Kunst kann und darf nicht immer angenehm sein.
Sie kann auch keine Sofortlösungen für soziale und politische Misstände bieten, aber sie muss "in den Köpfen wirken".
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Kunst kann und darf nicht immer angenehm sein.
Sie kann auch keine Sofortlösungen für soziale und politische Misstände bieten, aber sie muss "in den Köpfen wirken".
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