Junge Verlage in den USA Wenn digital, dann vernünftigSeite 2/2

Inhaltlich reicht die Palette von Gedichten über Essays bis hin zu Comics. Der Wert liegt eher im Besonderen, Individuellen. "Die Leute haben oft keine Lust mehr auf Massenware. Und wenn man etwas Handgemachtes kauft, kauft man ja nicht nur das Buch, sondern auch die Geschichte dahinter. Da hat jetzt wirklich jemand dran gesessen, das eine Stunde lang bearbeitet und geschwitzt. Daher ist uns auch der herstellerische Aspekt so wichtig, der macht für uns 50 Prozent des Buches aus", sagt Justine Hurder, die Gründerin von Chance Press.

Aber sieht so die Zukunft aus? Gibt es nicht auch bei den kleinen Literaturverlagen Visionen für einen intelligenten Umgang mit der Digitalisierung?

Zum Glück sind da ja noch McSweeney's. Der Schriftsteller Dave Eggers gründete es 1998 als Literaturmagazin. Inzwischen hat sich McSweeney's zu einem der spannendsten, innovativsten Verlage der USA entwickelt. Mit Projekten wie dem Magazin The Believer, der DVD-Reihe Wolphin, den Schreibschulen 826 Valencia für Kinder und Jugendliche sowie natürlich dem eigenen Verlagsprogramm setzt dieser Independent-Verlag seit Jahren Maßstäbe. Aber nicht nur Leser und Presse sind begeistert, sondern auch die für kleine Verlage sonst so problematischen Großhändler und Buchhandelsketten konnten überzeugt werden.

Zuletzt erschien San Francisco Panorama, eine der wohl aufwendigsten Zeitungen, die je produziert wurden: aktuelle Themen, gründlich recherchiert, von Gastautoren wie Michael Chabon, Stephen King, Miranda July und Art Spiegelman geschrieben, liebevoll entworfen, ergänzt durch mehrere beigelegte Magazine, insgesamt mehr als 380 Seiten dick. Typisch für das Selbstbewusstsein von McSweeney's, dass dem Ganzen noch eine detaillierte Auflistung der Kosten und Einnahmen des Projekts mitgegeben war, die bewies, dass eine Wochenzeitung dieser Qualität durchaus finanzierbar ist.

Viel Liebe zum gedruckten Wort ist also auch hier vorhanden – aber ebenso eine durchdachte Idee für die neuen Medien: Neben regelmäßigen Veröffentlichungen über die eigene Webseite, die über Facebook und Twitter an Zehntausende kommuniziert werden, bastelt McSweeney’s zur Zeit auch an speziellen Veröffentlichungen nur für E-Reader und iPad. "Es ist uns wichtig, dass jede Veröffentlichung die Form findet, für die sie am besten geeignet ist", sagen die Herausgeber Laura Howard und Chris Ying. "So sollte man es auch mit den E-Books handhaben: Nicht einfach nur Texte ins digitale Format transferieren, sondern eine neue mediale Form erfinden, die die Möglichkeiten etwa des iPads wirklich ausnutzt, mit Video, Audio und Links kombinierte Texte etwa. Nur so kann das Ergebnis dann zu einer guten Erfahrung für den Leser werden."

Unser Autor Daniel Beskos ist Verleger des Mairisch-Verlags in Hamburg

 
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