Sachbücher: Wen lieb ich und wenn ja, wie viele?
Die romantische Liebe ist am Ende. Hier kommt die Polyamorie! Neue Sachbücher erklären, warum die offene Beziehung uns glücklich macht.
Sie sind polyamor. Sie lieben mehrere Menschen gleichzeitig. Sie werden immer mehr. Und sie schreiben Bücher darüber. Im Moment ganz schön viele.
Nur zwei Dinge stören an den Polyamourösen. Das erste ist ihr Name, der nach Krankheit klingt. Das zweite ist das große Theorie-Gehuber, mit dem sie ihren Lebens- und Liebesweg als den einzig richtigen proklamieren. Was unnötig ist. Denn eigentlich haben sie ja Recht.
"Poly-was?" ist die erste, von Gekicher begleitete Nachfrage, wenn man wider besseres Wissen in die Debatte einsteigt. Das sind Menschen, die "mehrere Liebesbeziehungen verantwortungsvoll, ehrlich, offen und verbindlich gleichzeitig führen", zitiert man dann etwa aus dem Klappentext von Polyamorie – Eine Erinnerung , jüngst im Schmetterlings-Verlag erschienen.
Der nächste Einwand kommt bestimmt: "Ach, das ist ja wie die 68er, Kommunen und so ...!" Womit für die meisten das Thema auch schon wieder erledigt ist. "Funktioniert ja eh nicht" soll das nämlich heißen, "haben andere probiert, sind gescheitert". Als würde im Modell der romantischen Liebesbeziehung irgendetwas funktionieren. Wie Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim schon 1990 in Das ganz normale Chaos der Liebe (Suhrkamp) schrieben: "Die Romantik hat gesiegt, die Therapeuten kassieren."
Vielleicht also doch ganz gut, dass Polyamouröse erklären, was bei ihnen anders ist als in Kommunen, Swinger Clubs oder bei Rainer Langhans. Woher die Bewegung kommt, aus den USA nämlich, ist sehr gut nachzulesen in dem kürzlich erschienen Band gleichen Namens aus dem Schmetterlings-Verlag, der allerdings sehr sozialwissenschaftlich-gendertheoretisch gehalten ist. Das beste, höchstens etwas schnell geschriebene Buch zum Thema hat wohl der Philosoph und Jungle-World -Autor Oliver Schott mit Lob der offene Beziehungen verfasst. Oder wer es lieber anekdotisch und populärwissenschaftlich mag, der kann sich etwa durch Cornelia Jönssons und Simone Mareschs 111 Gründe, offen zu lieben blättern.
Die Argumente ähneln einander. In der Polyamorie geht es um den Abschied von der Amour fou, der einzig, wahren Liebe, die der Mensch angeblich braucht, um sich und seinen Kampf um das beste Lebens- und Freizeitmodell als erfolgreich zu empfinden. Dieser romantische Glaube ist noch gar nicht alt, er lag der Erfindung der Liebesheirat zugrunde, hat immerhin den rein ökonomisch begründeten Versorgerhaushalt abgelöst und wandelt sich seitdem beständig weiter.





ein schwierig-komplexes Thema mit leichter Hand und doch gründlich und mit einer ganzen Menge Weisheit abgehandelt. Und was mir am besten gefällt, die Frage bleibt offen, ohne Antwort. Die kleine Kapitulation am Schluss beschreibt ja nur den status quo der meisten von uns.
denn hinter diesem Essay steckt eine Menge Wahrheit, verpackt in einer amüsant-erweckenden Prise Zynismus, die alles uns Menschen scheinbar Determinierendes infrage stellt. Ich wünsche mehr davon!
denn hinter diesem Essay steckt eine Menge Wahrheit, verpackt in einer amüsant-erweckenden Prise Zynismus, die alles uns Menschen scheinbar Determinierendes infrage stellt. Ich wünsche mehr davon!
die ihre Charakterschwäche hinter großen Worten verstecken, nichts weiter...
Was soll am durchhalten der Monogamie denn bitte Charakterstärke sein? Was daran soll erstrebenswert oder erhaltenswert sein, was davon ein Wert?
Die Überhöhung der "einzig wahren" Liebe ist eine Modeerscheinung, die es jahrtausende nicht gab und erst im 18Jhd. kultiviert wurde. Sie jetzt als alleinseligmachende Wahrheit zu verkaufen ist - höflich ausgdedrückt - ein schlecht durchdachtes und fragliches Unterfangen.
2 Eltern, 4 Großeltern, zahlreiche Geschwister, Kinder und Enkelkinder, sowie eine Horde weiterer Verwanschaft zu lieben ist völlig in Ordnung - aber WEHE man liebt mehr als eine Person die nicht verwandt ist. (Und ich rede hier nicht von Sex, sondern nur von Liebe).
Wie bigott kann man sein?
Aber das Thema kehrt ja immer mal wieder.
Natürlich gibt es immer noch einige, die wirklich der einen "großen Liebe" nachträumen, aber ich behaupte, Zweierbeziehungen sind schon kompliziert genug und der Großteil der Menschen dürfte sich mit dem Konzept der seriellen Monogamie ganz wohlfühlen.
Was soll am durchhalten der Monogamie denn bitte Charakterstärke sein? Was daran soll erstrebenswert oder erhaltenswert sein, was davon ein Wert?
Die Überhöhung der "einzig wahren" Liebe ist eine Modeerscheinung, die es jahrtausende nicht gab und erst im 18Jhd. kultiviert wurde. Sie jetzt als alleinseligmachende Wahrheit zu verkaufen ist - höflich ausgdedrückt - ein schlecht durchdachtes und fragliches Unterfangen.
2 Eltern, 4 Großeltern, zahlreiche Geschwister, Kinder und Enkelkinder, sowie eine Horde weiterer Verwanschaft zu lieben ist völlig in Ordnung - aber WEHE man liebt mehr als eine Person die nicht verwandt ist. (Und ich rede hier nicht von Sex, sondern nur von Liebe).
Wie bigott kann man sein?
Aber das Thema kehrt ja immer mal wieder.
Natürlich gibt es immer noch einige, die wirklich der einen "großen Liebe" nachträumen, aber ich behaupte, Zweierbeziehungen sind schon kompliziert genug und der Großteil der Menschen dürfte sich mit dem Konzept der seriellen Monogamie ganz wohlfühlen.
Hmm. Ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass es die Männer sind, die auf Gruppensex scharf sind, die meisten Frauen aber gar nichts davon halten. Nach "Sex, lies and videotape" (einem Film aus den 80ern) lieben Männer doch die Frau(en), die sie begehren. Frauen aber begehren den Mann (die Männer??), die sie lieben...
Sind die meisten Frauen nicht eher an Monogamie interessiert? Evolutionsgeschichtlich war es doch sicherlich vorteilhaft, bei der Kindererziehung nicht allein dazustehen. Vielleicht habe ich da was falsch verstanden.
Wie auch immer. Ich frage mich, ob diese neue Bewegung aus den USA nicht ein weiteres Symptom der allgegenwärtigen Unverbindlichkeitsepedemie ist. Man lässt jede nur mögliche Entscheidung so lange wie möglich offen, legt sich nie fest und bindet sich nicht. Nur so, so das zu Grunde liegende Credo, sei man jung und frei.
Eifersucht ist sicherlich ein schwieriger Charakterzug. Aber bin ich eifersüchtig, weil ich meine Beziehung monogam führen möchte? Natürlich gibt es in der Mystik legendäre Schicksalsgemeinschaften (wie der Artus'schen Tafelrunde), die tiefes spirituelles Erleben möglich erscheinen ließen. Aber ich kenne keine solche Gemeinschaft, die heute existiert.
Das Leben mit meiner Frau, unsere gemeinsame Tochter, das gemeinsame Erfahren, Streiten und Wachsen, das alles hat schon einige Komponenten, die sehr erfahrungsvermittelnd und sinnstiftend sind.
Aber wie die Autorin richtig sagt: Jedem das seine!
Sie denken viel zu sexuell. Polyamorös bedeutet, dass man tatsächlich zwei oder mehr Beziehungen gleichzeitig führt. Das ein Partner seine beiden (oder wieviele auch immer) Beziehungen in Orgien sexuell zusammen führt ist nicht das Ziel. Polyamorös hat nichts mit Promiskuität zu tun.
Polyamoröse haben auch Beziehungen über Jahre, möglicherweise ein ganzen Leben lang, mit dem Unterschied, dass es kein Recht auf Exkusivität gibt. Man kann Kinder gemeinsam aufziehen, Vertrauen, Erfahrungen teilen etc., die Dinge die Sie an Ihrer Beziehung auch schätzen.
Sie denken viel zu sexuell. Polyamorös bedeutet, dass man tatsächlich zwei oder mehr Beziehungen gleichzeitig führt. Das ein Partner seine beiden (oder wieviele auch immer) Beziehungen in Orgien sexuell zusammen führt ist nicht das Ziel. Polyamorös hat nichts mit Promiskuität zu tun.
Polyamoröse haben auch Beziehungen über Jahre, möglicherweise ein ganzen Leben lang, mit dem Unterschied, dass es kein Recht auf Exkusivität gibt. Man kann Kinder gemeinsam aufziehen, Vertrauen, Erfahrungen teilen etc., die Dinge die Sie an Ihrer Beziehung auch schätzen.
denn hinter diesem Essay steckt eine Menge Wahrheit, verpackt in einer amüsant-erweckenden Prise Zynismus, die alles uns Menschen scheinbar Determinierendes infrage stellt. Ich wünsche mehr davon!
Was soll am durchhalten der Monogamie denn bitte Charakterstärke sein? Was daran soll erstrebenswert oder erhaltenswert sein, was davon ein Wert?
Die Überhöhung der "einzig wahren" Liebe ist eine Modeerscheinung, die es jahrtausende nicht gab und erst im 18Jhd. kultiviert wurde. Sie jetzt als alleinseligmachende Wahrheit zu verkaufen ist - höflich ausgdedrückt - ein schlecht durchdachtes und fragliches Unterfangen.
2 Eltern, 4 Großeltern, zahlreiche Geschwister, Kinder und Enkelkinder, sowie eine Horde weiterer Verwanschaft zu lieben ist völlig in Ordnung - aber WEHE man liebt mehr als eine Person die nicht verwandt ist. (Und ich rede hier nicht von Sex, sondern nur von Liebe).
Wie bigott kann man sein?
Sie denken viel zu sexuell. Polyamorös bedeutet, dass man tatsächlich zwei oder mehr Beziehungen gleichzeitig führt. Das ein Partner seine beiden (oder wieviele auch immer) Beziehungen in Orgien sexuell zusammen führt ist nicht das Ziel. Polyamorös hat nichts mit Promiskuität zu tun.
Polyamoröse haben auch Beziehungen über Jahre, möglicherweise ein ganzen Leben lang, mit dem Unterschied, dass es kein Recht auf Exkusivität gibt. Man kann Kinder gemeinsam aufziehen, Vertrauen, Erfahrungen teilen etc., die Dinge die Sie an Ihrer Beziehung auch schätzen.
... ich halte die Entgegensetzung von romatischer amor fou und Polyamorie jedoch für einen Kunstgriff. Gegen gleichzeitige tiefere Liebesbindungen zu unterschiedlichen Partnern spricht für mich alleine schon, dass ich gar nicht die Zeit hätte, beiden oder sogar mehreren Menschen zugleich gerecht zu werden. Es ist schon schwierig genug, mit einem (!) Partner immer wieder einen Ausgleich zwischen seinen und meinen eigenen Bedürfnissen zu finden, und daneben sowohl die Arbeit als auch das Familienleben zu organisieren. Die Zeit für einen weiteren intensiven Kontakt hätte ich gar nicht.
Das ist also entweder nur eine Lebensform für Privatiers und Hausfrauen/-männer oder aber für Menschen, die ohnehin keine intensiven Bindungen möchten (intensiv nicht im Sinne einer amour fou sondern im Sinne eines großen Interesses an der Innenwelt des anderen).
... ich halte die Entgegensetzung von romatischer amor fou und Polyamorie jedoch für einen Kunstgriff. Gegen gleichzeitige tiefere Liebesbindungen zu unterschiedlichen Partnern spricht für mich alleine schon, dass ich gar nicht die Zeit hätte, beiden oder sogar mehreren Menschen zugleich gerecht zu werden. Es ist schon schwierig genug, mit einem (!) Partner immer wieder einen Ausgleich zwischen seinen und meinen eigenen Bedürfnissen zu finden, und daneben sowohl die Arbeit als auch das Familienleben zu organisieren. Die Zeit für einen weiteren intensiven Kontakt hätte ich gar nicht.
Das ist also entweder nur eine Lebensform für Privatiers und Hausfrauen/-männer oder aber für Menschen, die ohnehin keine intensiven Bindungen möchten (intensiv nicht im Sinne einer amour fou sondern im Sinne eines großen Interesses an der Innenwelt des anderen).
wer kennt die Situation nicht:
"Ich habe mehr liebe zu verschenken, als ein einziger Mensch ertragen kann, und ich brauche mehr Liebe, als ein einziger Mensch geben kann..."
Das ganze klingt zwar sehr basisdemokratisch, aber in wie vielen Fällen lässt sich ein Partner zu etwas überreden, was ihm eigentlich nicht gefällt, nur weil er liebt und den Partner nicht verlieren will?
Warum sollte es, je mehr Menschen an einer engen sozialen Beziehung beteiligt sind, weniger Konflikte geben - die Erfahrung zeigt doch das Gegenteil.
Gefühle wie Eifersucht lassen sich nicht mit rationaler Argumentation ausschalten.
Und Gefühle ändern sich im Laufe einer Beziehung: Wie oft geschieht es, dass man sich "ganz vernünftig" nur auf eine Affaire oder offene Beziehung geeinigt hat, und dann wird es für einen der beiden doch ernster...
Entspricht es nicht auch grundlegender menschlicher Erfahrung:
Wo Verantwortung breit verteilt wird, ist es leichter, sich Verantwortung zu entziehen statt sich ihr zu stellen?
Wenn man von dem einen nicht bekommt, was man braucht, wechselt man zum anderen... Wenn man sich nicht einem Konflikt stellen will, weicht man auf eine Alternative aus, und versucht den Konflikt auszusitzen...
Können nicht allzuleicht andere in einen Konflikt hineingezogen werden, droht dann durch Lagerbildung eine Eskalation auf das ganze filigrane Gebilde?
Und vor allem: Wie kommen die Kinder damit klar?
Gibt es entsprechende Studien über den Polyamorismus?
MfG, Ijon Tichy
Klar, wenn Erfolg im Beruf immer schwieriger und seltener wird, dann kann ich mein Ertragspotential wenigstens im Privatbereich verbessern, indem ich auf ein im Vergleich zur monogamen Lösung risikodiversifiziertes Portfolio setze.
Wenigstens kann ich das dort freiwillig tun, denn im Job wird es den Leuten ja zunehmend aufgezwungen (Minijobs, mehrere Jobs, "Freelancer", freie Mitarbeiter etc. pp.).
Sollen sie weitermachen.
"Wenigstens kann ich das dort freiwillig tun, denn im Job wird es den Leuten ja zunehmend aufgezwungen (Minijobs, mehrere Jobs, "Freelancer", freie Mitarbeiter etc. pp.)."
Irgendwie finde ich es ja schon sehr spannend, wie manche Menschen immer wieder die Kurve Richting Minijobs und Co. kriegen....
"Wenigstens kann ich das dort freiwillig tun, denn im Job wird es den Leuten ja zunehmend aufgezwungen (Minijobs, mehrere Jobs, "Freelancer", freie Mitarbeiter etc. pp.)."
Irgendwie finde ich es ja schon sehr spannend, wie manche Menschen immer wieder die Kurve Richting Minijobs und Co. kriegen....
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