Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa erhält den Literaturnobelpreis 2010 © Pierre-Philippe Marcou/AFP/Getty Images

Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an den peruanischen Schriftsteller Mario Vargas Llosa. Die Schwedische Akademie in Stockholm würdigte Vargas Llosas "Kartographie von Machtstrukturen und seine scharf gezeichneten Bilder individuellen Widerstands" gegen diese Strukturen.

Vargas Llosa wurde am 28. März 1936 in Arequipa (Süd-Peru) geboren. Dass er aus einer großbürgerlichen Familie stammt, ist ihm bis heute anzumerken, und er versucht es auch nicht zu verbergen. Vom linken Rebellen entwickelte sich Vargas Llosa unter dem Eindruck zwei linker Diktaturen in seiner Heimat und der Entwicklung von Castros Kuba zu einem Vertreter der bürgerlichen, liberalen Mitte. Von 1958 bis 1974 lebte er in Madrid, wo er auch seinen Doktor machte.

Gleich mit seinem ersten, 1962 erschienenen Roman La ciudad y los perros (Die Stadt und die Hunde), einer Darstellung autoritärer Systeme, erlangte er Weltruhm. Sein jüngstes Werk, Die Welt des Juan Carlos Onetti, stellte er im Juli 2009 in Frankfurt vor. In Deutschland wurde Vargas Llosa außerdem durch seine Romane Tante Julia und der Kunstschreiber und Lob der Stiefmutter bekannt.

Da der 74-Jährige mehr als die Hälfte seines Lebens in Europa und Nordamerika gelebt hat, wird er oft als europäisch denkender Schriftsteller bezeichnet. Die meisten seiner Romane handeln jedoch von seiner peruanischen Heimat. Er sei mit ganzer Seele Lateinamerikaner, der sich in Europa lediglich ebenso zu Hause fühle, sagte Vargas Llosa einmal. 1990 bewarb er sich in seiner Heimat um das Präsidentenamt, unterlag jedoch in einer Stichwahl Alberto Fujimori.

Vargas Llosa bezeichnet sich selbst als liberal. Die Demokratie sei in ganz Lateinamerika gefährdet, warnte er. Linksgerichteten populistischen Staatschefs wie Venezuelas Präsidenten Hugo Chávez wirft er vor, einen "Kommunismus wie in Kuba" anzustreben. Kubas Fidel Castro bezeichnete ihn daraufhin als "Vertreter der Oligarchie".

Entschieden tritt er auch für die Menschenrechte ein. Als die peruanische Regierung kürzlich ein von Kritikern als "faktische Amnestie" für Menschenrechtsverbrechen bezeichnetes Gesetz betrieb, legte Vargas Llosa im September aus Protest sein Amt als Leiter eines Beirats der Erinnerungsstätte für die Opfer der Gewalt zwischen 1980 und 2000 nieder. Dieser spektakuläre Rückzug von dem Projekt in Lima, das von Deutschland finanziell unterstützt wird, soll Präsident Alan García dazu bewogen haben, das Gesetz zurückzuziehen.