Türkische SchriftstellerinFall Selek wird neu aufgerollt

Die Schriftstellerin Pinar Selek ist doch nicht zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Verfahren gegen die in Deutschland lebende Autorin wird bloß neu verhandelt. von dpa

Die Schriftstellerin Pinar Selek

Die Schriftstellerin Pinar Selek  |  © Maik Hamburger/ P.E.N.-Zentrum Deutschland

Das Verfahren gegen die in Deutschland lebende türkische Schriftstellerin Pinar Selek muss, anders als zunächst berichtet, doch in der Türkei neu aufgerollt werden. Das Oberste Gericht in Ankara habe den Fall zurück an ein Gericht in Istanbul verwiesen, nachdem ein Freispruch aufgehoben worden sei, teilte Selek auf ihrer Internetseite mit. Das Oberste Gericht fordere eine lebenslange Haftstrafe, ohne dass diese bereits rechtskräftig verhängt worden sei.

Türkische Medien und Unterstützer Seleks hatten – genau wie mehrere Nachrichtenagenturen – am Dienstag berichtet, Selek sei für schuldig befunden und verurteilt worden. Auch ZEIT ONLINE hatte die Falschmeldung übernommen . Die neue Verhandlung soll nun am 9. Februar 2011 in Istanbul beginnen.

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Bei einer Explosion in einem historischen Gewürzbasar in Istanbul waren im Juli 1998 sieben Menschen tödlich verletzt worden, darunter drei Kinder. Es blieb danach strittig, ob eine Bombe gezündet oder eine Gasflasche explodiert war. Selek war festgenommen, als Bombenlegerin angeklagt und zweieinhalb Jahre inhaftiert worden. Nach eigenen Angaben wurde sie schwer misshandelt.

Pinar Selek hatte Nachrichtenagentur dpa am Dienstag gesagt, sie werde ihren Fall nun vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg bringen. "Ich fühle mich müde, sehr müde", sagte sie. "Aber ich bin eine starke Frau, weil ich nicht allein bin." Sie werde jetzt in Deutschland bleiben.

Dorte Huneke, die Geschäftsführerin des Kulturforums TürkeiDeutschland, sagte, das Gericht in Ankara habe entschieden, dass die Forderung nach einer lebenslangen Haftstrafe nicht fallen gelassen werde. Ein Urteil gebe es aber nicht. "Das ist leider missverständlich ausgedrückt worden", sagte sie. "Wir hatten das so bekommen und haben es so weitergegeben, das tut mir leid."

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    • Quelle dpa
    • Schlagworte Medien | Gericht | Nachrichtenagentur | Geschäftsführer | Schriftsteller | Türkei
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