Dirndlblütenwanderung, das klingt leicht angestaubt. Selbst vergilbte Dudenseiten wissen dazu keinen Rat: Das Dirndl, ja, das kennen sie und sogleich auch noch den Dirndlstrauch. Doch ob nun ein botanisches Ritual gemeint ist oder ein Tross schlecht gekleideter Oktoberfesttouristen, darüber erfahren wir nichts. Ein Wort wie dieses steht herum, bestenfalls als Rätsel, zuweilen als ärgerliches Hindernis.

Ein kleines Buch erzählt nun von diesen babylonischen Zumutungen aus 13 Sprachen. Im Lexikon der sperrigen Wörter versammeln 140 Autoren 193 Begriffe, über die man stolpern kann, ohne sich dabei die Knie aufzuschlagen. Eine Enzyklopädie im spröden Raster, aber mit munterem Urteilsschwung. Jedem Begriff folgt eine kleine Abhandlung, meist über Nutzwert, Vorkommen und Geschichte. Oder etwas ganz anderes. Gleichermaßen ein Vergnügen für sprachpäpstliche Gemüter wie für Schwurbelschrate. Denn viele dieser Wörter, das lernt man rasch auf jenen Seiten, sind nicht nur sperrig, sondern eine wahre Zungenfreude. Zum Gebrauch ausdrücklich empfohlen!

Die Schriftstellerin Ilma Rakusa etwa ermutigt uns zum Wörtchen "auswintern". Ein deutsches Wort, das es wirklich gibt, obwohl es niemand zu kennen scheint. Bedeuten tut es schaudrigkalt "unter Frosteinwirkung absterben" oder "unter Eis ersticken". Hingegen auch: "aus der winterlichen Umhüllung befreien." Und wer denkt da nicht gleich an poetische Anmut, an des Frühlings holden, belebenden Blick, unter dem selbst eine Außentoilette (ebenfalls im Buch!) ihren drohenden Klang verliert.

Der Akademie Schloss Solitude und Stuttgarts Literaturhaus sind diese bereichernden Anregungen zu verdanken. Verwilderte Wörter, deren Bedeutung fast vergessen ist ("Hausgreul"), oder welche, die jeder Eindeutschmühe standhielten. In dieser Fundgrube stößt man auf gängige Verwahrlosungen der Sprache ("Geschlechtsverkehr"), frivoles Bürokratengeröll ("Bürgerbegehren") und Deutsch in Fraktur und Stehkragen ("Kampfbahn"), bis eine französische Buchstabenschlange wie Anticonstitutionellement den kurzatmigen Leser endgültig ins Sauerstoffzelt würgt.

Überboten wird dieses Ungetüm nur von den Schweizern, bei denen bekanntlich alles etwas länger dauert, auch das Schimpfen: "Huere-gopferteli-gopfertami-nomoll", ein 34 Zeichen langer Bannspruch von unklarer Bedeutung. Aber man sollte sich, rät der Schriftsteller Michael Stauffer , zum Ausprobieren einfach "ins Bett legen, die Arme und Beine in die Höhe strecken" und es dann laut und deutlich sagen.

Fertig? Dann bleibt nur noch die Frage, was es mit dieser verdammten Dirndlblütenwanderung auf sich hat.