LiteraturSchriftstellerin Eva Strittmatter gestorben

In der DDR erreichten ihre Bücher hohe Auflagen, anerkannt war sie auch im Westen: Im Alter von 80 Jahren ist die Lyrikerin Eva Strittmatter in Berlin gestorben.

Neben Gedichten schrieb die Ehefrau des Schriftstellers Erwin Strittmatter auch Prosa für Erwachsene und Kinder. Im Osten Deutschlands erreichten Strittmatters Gedichtbände Auflagen von mehr als zwei Millionen Exemplaren. Im Alter von 80 Jahren ist die Lyrikerin in der Nacht in Berlin gestorben. Das teilte ihr Verlag Das Neue Berlin mit. "Die Ausnahmepoetin vermochte den Reigen des Lebens in Verse zu kleiden, in denen die Menschen Halt finden", heißt es im Nachruf des Verlags.

Eva Strittmatter wurde am 8. Februar 1930 in Neuruppin geboren. Die studierte Germanistin und Lektorin begann Mitte der sechziger Jahre mit dem Schreiben. Ihre Gedichtbände tragen poetische Namen wie Ich mach ein Lied aus Stille (1973) oder Mondschnee liegt auf den Wiesen (1975). Naturbeschreibungen, Gefühle und menschliche Haltungen waren ihre Themen. Die fast klassische Einfachheit ihrer Sprache wurde auch im Westen gelobt. Sie stehe in der Tradition etwa des frühen Heine oder einer Droste-Hülshoff, hieß es.

Seit dem Tod ihres Mannes, der 81-jährig 1994 starb, war die Mutter von vier Söhnen auch die Verwalterin seines Werks und ordnete den Nachlass. Einblicke in die Schreibwerkstatt und die persönlichen Beziehungen des Schriftstellerehepaares geben die von ihr veröffentlichten Briefe aus Schulzenhof in drei Bänden. Schulzenhof in Dollgow im Land Brandenburg, wohin sich die Strittmatters Anfang der fünfziger Jahre aus Berlin auf ihr bäuerliches Grundstück zurückzogen, blieb nach dem Tod des Lebensgefährten ihr Zuhause.

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Ihr letzter Gedichtband Wildbirnenbaum erschien 2009 im Aufbau Verlag. Strittmatter sei seit längerer Zeit krank gewesen. Schon an der Feier zum ihrem 80. Geburtstag im vergangenen Jahr habe sie aus diesem Grund nicht teilnehmen können, teilte der Verlag mit.

 
Leserkommentare
  1. Ich falle nicht aus Gottes Hand.
    Ich halte mich. Ich bleibe fest.
    Wann immer mich das Leben fand
    Und würgte mich. Ein Rest
    In mir blieb ungerührt.
    Verführt
    Vom Leben lebe ich
    Und wirft‘s mich:
    Ich erhebe mich.

    Eva Strittmatter

  2. Das Absolute: die Birke.
    (Besser weiß ich es eben nicht
    In meinem begrenzten Bezirke:
    Die Birke und das Gedicht.)

    Die Schönheit des Unbewussten.
    (Das Freisein von Wissen und Schuld.)
    Weiße Seide unter den Krusten
    Und der Silberglanz großer Geduld.

    Und immer und immer: die Bäume.
    Wie mein ewiges Leben im Licht
    Und meine vergänglichen Träume
    Gehoben hinauf ins Gedicht.

    Das halte ich manchmal daneben
    Und messt‘ es mit Birkenmaß.
    Weil ich wissen will: wird es noch leben,
    Wenn ich meine Träume vergaß.

  3. Entfernt, bitte achten Sie das Urheberrecht. Die Redaktion/ft

  4. Eva Strittmatter hat mich durch mein Leben begleitet. Wenn ein deutscher Dichter aus Gefühlen Lyrik machen konnte, dann Eva. Eine hochgebildete, ehrliche Frau, die immer auf dem Boden blieb. Ein Mensch der immer bereit war, Leben, Gefühl und Denken über alle Ideologien zu stellen. Texte, die alle Momente des Empfindens einfangen. Sie und ihr Mann gehören zu den deutschen Literaten des 20.Jahrhunderts welche alle ideologischen Mauern überstehen werden.

    • kantig
    • 04.01.2011 um 18:37 Uhr

    Noch nehme ich mir Zeit
    Zu sehen und zu schreiben,
    Zu gehen und zu bleiben,
    Zu leben lang und breit.
    (Eva Strittmatter, "Noch")

    heute ist sie gestorben ...

    Zum 80. Geburtstag resümierte ein Schriftsteller-Kollege: "Gerade als ,Nicht-Dissidentin' hat Eva Strittmatter damals mit ihren Gedichten – nicht zu vergessen die vielen handgeschriebenen Briefe, die vom Schulzenhof quer durch das Land gingen – vielen Lesern Mut gemacht, will sagen: In einem Staat der institutionalisierten Hässlichkeit und Niedertracht hatte sie die höhere Naivität bewahrt, der Schönheit und der Poesie einen Raum zu verteidigen." (aus Weltonline)

    Langsam bleibt nicht mehr viel da aus diesem gewesenen Land. Eva Strittmatter war wichtig – vor allem für ganz normale Leute. So, wie sie es selber war - authentisch - einfach: normal.

    Eine Leserempfehlung
    • kantig
    • 04.01.2011 um 18:40 Uhr

    [...]

    Entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/er

    • kantig
    • 04.01.2011 um 18:41 Uhr

    Langsam bleibt nicht mehr viel da aus diesem gewesenen Land. Eva Strittmatter war wichtig – vor allem für ganz normale Leute. So, wie sie es selber war - einfach: NORMAL.

    Noch nehme ich mir Zeit
    Zu sehen und zu schreiben,
    Zu gehen und zu bleiben,
    Zu leben lang und breit.
    Eva Strittmatter, aus "Noch"

    Zum 80. Geburtstag resümierte ein Schriftsteller-Kollege: "Gerade als ,Nicht-Dissidentin' hat Eva Strittmatter damals mit ihren Gedichten – nicht zu vergessen die vielen handgeschriebenen Briefe, die vom Schulzenhof quer durch das Land gingen – vielen Lesern Mut gemacht, will sagen: In einem Staat der institutionalisierten Hässlichkeit und Niedertracht hatte sie die höhere Naivität bewahrt, der Schönheit und der Poesie einen Raum zu verteidigen." (Weltonline)

  5. Ach wie nett die Lyrik hier - so friedlich.....?
    NEIN - Eva Strittmatter gehörte zu den meist verlegtesten GedichteschreiberInnen in der DDR.
    Und das hat sie ihrem Staat mit ausführlichen Berichten gedankt, keine andere hat wie Eva ihre Kollegen ausspioniert und ungefragt akribische Beobachtungsprotokolle der StasiKrake eingereicht.
    Warum, das bleibt ihr Geheimnis! Ich hoffe Sie fällt nicht aus Gottes Hand -
    Jetzt wird sie erstmal von der ZEIT gefeiert...

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/cs

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  • Quelle dpa
  • Kommentare 8
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