Leif Randt "Mein Buch ist aus Versehen politisch"

Mit Bodybuilder und Sonnenliege in der Lesung: Der Autor Leif Randt erzählt im Interview, was für ihn junge Literatur ausmacht – und welche Kategorie danach kommt.

Der Schriftsteller Leif Randt

Der Schriftsteller Leif Randt

ZEIT ONLINE: Herr Randt, Ihr zweites Buch erscheint bald. Kommt irgendwann der Punkt, an dem Sie nicht mehr zur jungen Literatur gezählt werden wollen?

Leif Randt: Das frage ich mich auch. Aber meine Identifikation ist noch recht groß. Ich habe in Hildesheim Kreatives Schreiben studiert, bei Wettbewerben mitgemacht und so weiter. Das fällt ja alles unter dieses Label. Aber ich glaube, jetzt nach dem zweiten Buch könnte ich aus dieser Kategorie auch ein Stück rausrutschen.

ZEIT ONLINE: Zu welcher Kategorie zählen Sie dann?

Randt: Wichtiger deutschsprachiger Schriftsteller der Gegenwart. Das wäre das Wunschlabel.

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ZEIT ONLINE: Solange Sie noch dazugehören: was ist denn junge deutsche Literatur?

Randt: Oft Beziehungsgeschichten, die in jungen, akademischen Milieus stattfinden, in Großstädten, in WG-Küchen, in denen die Morgensonne in einem bestimmten Winkel hereinfällt, während der Kaffee gekocht wird. Und es gibt ziemlich abgründige Emotionen, die oft mit der Familie zu tun haben. Man ist sehr medienerfahren, die Figuren haben viele Serien und Filme gesehen, es herrscht eine Grundabgeklärtheit. Die Konflikte sind unausgesprochen und schweben. Die Dinge werden nicht beim Namen genannt, sondern durch die genaue Beschreibung der Sonne auf dem Küchentisch ausgedrückt. Das kann oft ganz schlimm sein, manchmal aber auch gut.

ZEIT ONLINE: Muss man in Berlin leben, um diese Großstadtgeschichten zu schreiben?

Leif Randt
Leif Randt

Jahrgang 1983, hat Kreatives Schreiben in Hildesheim studiert. Er wurde ausgezeichnet mit dem Nicolas-Born-Debütpreis, dem MDR-Literaturpreis, einem Preis des KulturSpiegel und dem Ernst-Willner-Preis. 2009 veröffentlichte er seinen Debütroman Leuchtspielhaus, im August 2011 erscheint sein zweiter Roman Schimmernder Dunst über CobyCounty.

Randt: Nein, das glaube ich nicht. Die grellste und popaffinste Literatur habe ich eigentlich gemacht, als ich anfing, in Hildesheim zu studieren. Auch aus so einem Trotz heraus. Man sehnt sich nach einer Ästhetik, die nicht provinziell ist. Diesen Großstadtgestus kann man dann wieder aufgeben, sobald man nicht mehr in der Provinz ist.

ZEIT ONLINE: Es geht um Gefühle und Familie, heißt das, junge Literatur ist per se unpolitisch?

Randt: Wenn man über Beziehungen schreibt, tut man das ja immer in einem Kontext. Die Figuren wurden sozialisiert, leben in einer bestimmten Zeit, in einem bestimmten Umfeld, das ist alles fast automatisch nicht unpolitisch.

ZEIT ONLINE: Ihre Texte sind also auch politisch?

Randt: Ja, aus Versehen sozusagen. In meinem neuen Buch gibt es sogar realpolitische Ereignisse: eine Bürgermeisterwahl zum Beispiel!

Leser-Kommentare
  1. manchmal frage ich mich, ob diese jungen kreativen wirklich alle diese frisuren haben oder ob das die neue top aktuelle trendperücke von irgend einer hippen modemarke ist...

    Eine Leser-Empfehlung
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    Redaktion

    wie fanden Sie denn das Interview, liebe_r Anthaeus?

    Herzlich,
    Frida Thurm

    Redaktion

    wie fanden Sie denn das Interview, liebe_r Anthaeus?

    Herzlich,
    Frida Thurm

  2. Redaktion

    wie fanden Sie denn das Interview, liebe_r Anthaeus?

    Herzlich,
    Frida Thurm

    Antwort auf "frisuren"
  3. habe das interview -natürlich- sofort aufgehört zu lesen, als ich im linkseitigen kästchen "Jahrgang 1983, hat Kreatives Schreiben in Hildesheim studiert." gelesen habe.

    das ist mir -selbstredend- zu kleinbürgerlich!

    ich will autoren, die durch massives leid und benachteiligung zum schreiben gekommen sind. homosexuell müssen sie sein, vieleicht HIV positiv oder zumindest jude-am besten natürlich das gesamtpacket!

    alternativ ginge ein weiblicher bürgerkriegsflüchtling aus dem eh. jugoslawien dem unermessliches leid angetan wurde und der ganze generationen an die leukämie verloren hat aufgrund des quecksilberbergbaus in der mine hinter seinem dorf.

    aber am besten ist natürlich immer noch "afrika" -afrika -schon der name reicht, um in mir bildgewaltige assoziationen hervorzurufen. ich sehe herbert grönemeyer mit einem spaten in der hand über die "wiege der menschheit" schwadronieren, ich sehe bono und bob geldorf für den weltfrieden streiten....

    afrika wäre super -hildesheim sucks (um mal im jungliteratenduktus zu schreiben)

    sie sehen , liebste frida, ich lese nur um meine erwartungen bestätigt zu wissen. neuland interessiert mich natürlich überhaupt nicht.

    schreibt der anthaeus

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    • eklipz
    • 30.05.2011 um 21:09 Uhr

    reagieren Sie denn so aggressiv auf diese Frage?

    Haben Sie denn ein Buch des Autors gelesen (ich rechne mit "ja"), dass sie so urteilen können?

    Glauben Sie mir, ich werde von diesem Autor sicher kein Buch lesen, es interessiert mich nicht wirklich. Dennoch ist es doch begrüßenswert, dass sich junge Leute Gedanken machen, egal wie abwegig, belanglos, elitär sie einem erscheinen

    Einerseits wird geheult, wie sehr Bildung auseinanderdriftet, andererseits wird gemeckert, wenn junge Autoren, Künstler etwas vermeintlich Intellektuelles an sich haben.

    Hätten Sie um 1910 auf den jungen Kafka ebenso reagiert?

    Das sind ernst gemeinte Fragen, die nicht der Provokation dienen, um das vorweg zu klären.

    • eklipz
    • 30.05.2011 um 21:09 Uhr

    reagieren Sie denn so aggressiv auf diese Frage?

    Haben Sie denn ein Buch des Autors gelesen (ich rechne mit "ja"), dass sie so urteilen können?

    Glauben Sie mir, ich werde von diesem Autor sicher kein Buch lesen, es interessiert mich nicht wirklich. Dennoch ist es doch begrüßenswert, dass sich junge Leute Gedanken machen, egal wie abwegig, belanglos, elitär sie einem erscheinen

    Einerseits wird geheult, wie sehr Bildung auseinanderdriftet, andererseits wird gemeckert, wenn junge Autoren, Künstler etwas vermeintlich Intellektuelles an sich haben.

    Hätten Sie um 1910 auf den jungen Kafka ebenso reagiert?

    Das sind ernst gemeinte Fragen, die nicht der Provokation dienen, um das vorweg zu klären.

    • eklipz
    • 30.05.2011 um 21:09 Uhr
    4. Warum

    reagieren Sie denn so aggressiv auf diese Frage?

    Haben Sie denn ein Buch des Autors gelesen (ich rechne mit "ja"), dass sie so urteilen können?

    Glauben Sie mir, ich werde von diesem Autor sicher kein Buch lesen, es interessiert mich nicht wirklich. Dennoch ist es doch begrüßenswert, dass sich junge Leute Gedanken machen, egal wie abwegig, belanglos, elitär sie einem erscheinen

    Einerseits wird geheult, wie sehr Bildung auseinanderdriftet, andererseits wird gemeckert, wenn junge Autoren, Künstler etwas vermeintlich Intellektuelles an sich haben.

    Hätten Sie um 1910 auf den jungen Kafka ebenso reagiert?

    Das sind ernst gemeinte Fragen, die nicht der Provokation dienen, um das vorweg zu klären.

    Antwort auf "das interview"
  4. Zu kleinbürgerlich?
    Sagte der Mann, der sich in einer Frisur verliert.
    Um mal im Jungliteratenduktus zu schreiben: SELFOWNED!

  5. In den Kommentaren schimmert durch: warum soll ich mir diesen Stoff zumuten ? War doch alles schon da, abgelutscht, ausgepresst, breitgetreten. Man sollte ihn in Ruhe lassen. Irgendwann wird auch nicht mehr schreiben " wie das Morgenlicht beim Kaffemachen schraeg durch das Kuechenfenster fiel". Um bei der heutgen Konkurrenz weiter zukommen ( heute fuehlt sich ja jede Hausfrau berufen, Buecher zu schreiben )wird ihm schon was einfallen.

  6. Was mich in der zeitgenössischen Literatur schon lange reizt (negativ), ist dieses abgestandene "Twens klüngeln um Beziehung, Reise, erster Job, Studium", versetzt mit ein, zwei schrägen Ereignissen und dann bitte noch "hippe" Sprache. Warum ist es von Belang, die Alltäglichkeiten zu schildern, die dann formal nicht auf der Höhe der "Buddenbrooks" sind? Wieso sind die schrägen Ereignisse oftmals altbackene Witzeleien? Und zuletzt: Warum sind die Texte von schlichter Schreibweise, die Realismus vortäuscht? Sprachliche Gestaltung=Fehlanzeige.

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    wie man kritieren kann, ohne den Inhalt eines Themas zu kennen. Ich muss demzufolge ja davon ausgehen, dass hier alle schon mindestens ein Buch des Schriftstellers gelesen haben. Denn um die geht es ja in dem Artikel. Zudem besteht zeitgenössische Literatur nicht nur aus "hippen Twens" die ihren ersten Orgasmus schildern. Wenn Sie alles über einen Kamm scheren, dann haben Sie noch nicht wirklich viel gelesen.

    wie man kritieren kann, ohne den Inhalt eines Themas zu kennen. Ich muss demzufolge ja davon ausgehen, dass hier alle schon mindestens ein Buch des Schriftstellers gelesen haben. Denn um die geht es ja in dem Artikel. Zudem besteht zeitgenössische Literatur nicht nur aus "hippen Twens" die ihren ersten Orgasmus schildern. Wenn Sie alles über einen Kamm scheren, dann haben Sie noch nicht wirklich viel gelesen.

  7. wie man kritieren kann, ohne den Inhalt eines Themas zu kennen. Ich muss demzufolge ja davon ausgehen, dass hier alle schon mindestens ein Buch des Schriftstellers gelesen haben. Denn um die geht es ja in dem Artikel. Zudem besteht zeitgenössische Literatur nicht nur aus "hippen Twens" die ihren ersten Orgasmus schildern. Wenn Sie alles über einen Kamm scheren, dann haben Sie noch nicht wirklich viel gelesen.

    Antwort auf "Yeah..."
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    Im Schnitt müßte ich mir 1000 Bücher am Tag einverleiben, um alles zu lesen - wäre nett, wird aber anstrengend. Ich sage es mal so: Ich habe einiges gelesen, und ich markiere nur Tendenzen. Ich schere auch nicht alles über einen Kamm - aber vergleichen Sie bitte "Live-Album" mit "Faserland" (letzteres kann ich empfehlen). Oder die "Feuchtgebiete", deren Thematik weit über das geht, was Frau Roche schriftstellerisch zu leisten imstande ist. Oder Juli Zehs "Spieltrieb" am Anfang und der Mitte mit dem (m.E. gehudeltem) Ende. Aber auch Altmeister wie Genazino bringen manchmal eher laues aufs Blatt. Zum Schluß: "Im Krebsgang" von Grass, was (wiederum m.E.) nur ein eher blasser Abklatsch seiner früheren Werke ist.

    Im Schnitt müßte ich mir 1000 Bücher am Tag einverleiben, um alles zu lesen - wäre nett, wird aber anstrengend. Ich sage es mal so: Ich habe einiges gelesen, und ich markiere nur Tendenzen. Ich schere auch nicht alles über einen Kamm - aber vergleichen Sie bitte "Live-Album" mit "Faserland" (letzteres kann ich empfehlen). Oder die "Feuchtgebiete", deren Thematik weit über das geht, was Frau Roche schriftstellerisch zu leisten imstande ist. Oder Juli Zehs "Spieltrieb" am Anfang und der Mitte mit dem (m.E. gehudeltem) Ende. Aber auch Altmeister wie Genazino bringen manchmal eher laues aufs Blatt. Zum Schluß: "Im Krebsgang" von Grass, was (wiederum m.E.) nur ein eher blasser Abklatsch seiner früheren Werke ist.

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