AuszeichnungAlgerischer Autor Sansal erhält Friedenspreis

Er gilt als unermüdlicher Verfechter der Demokratie und leidenschaftlicher Erzähler: Der Schriftsteller Boualem Sansal erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. von dpa

Der algerische Autor Boualem Sansal

Der algerische Autor Boualem Sansal  |  © Gabriel Bouys/AFP/Getty Images

Der Friedenspreis 2011 des Deutschen Buchhandels geht an den algerischen Schriftsteller Boualem Sansal. Das teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit. Damit solle ein Zeichen für die Demokratiebewegung in Nordafrika gesetzt werden, erklärte Vorsteher Gottfried Honnefelder.

Mit Sansal werde ein Autor geehrt, "der als leidenschaftlicher Erzähler, geistreich und mitfühlend, die Begegnung der Kulturen in Respekt und wechselseitigem Verstehen befördert", heißt es in der Begründung des Stiftungsrats. Der 61-Jährige, dessen Bücher in Algerien auf den Index gesetzt wurden, gehöre zu den wenigen im Land verbliebenen Intellektuellen, die offen Kritik an den politischen und sozialen Verhältnissen übten. "Mit seinem hartnäckigen Plädoyer für das freie Wort und den öffentlichen Dialog in einer demokratischen Gesellschaft tritt er gegen jede Form von doktrinärer Verblendung, Terror und politischer Willkür auf. Dabei richtet sich sein Blick nicht nur auf die Heimat, sondern auf die ganze heutige Welt."

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Vom Ökonom zu einer der kritischsten arabischen Stimmen

Der in einem Bergdorf aufgewachsene Sansal war als Ökonom in leitender Stellung in der algerischen Regierung tätig. Erst 1999 veröffentlichte er in Frankreich unter dem Eindruck des Bürgerkriegs in seinem Land seinen ersten Roman Der Schwur der Barbaren, der 2003 auf Deutsch in dem kleinen Verlag Merlin erschien. In der Folge wurde Sansal im Ministerium beurlaubt und später entlassen. Seine Bücher sind verboten, er selbst wird überwacht. Trotz des wachsenden politischen Drucks lebt der Schriftsteller weiter in seinem Heimatland.

Die Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels

2000: Assia Djebar, algerische Schriftstellerin und Historikerin
2001: Jürgen Habermas, deutscher Soziologe und Philosoph
2002: Chinua Achebe, nigerianischer Schriftsteller
2003: Susan Sontag, amerikanische Schriftstellerin
2004: Peter Esterhazy, ungarischer Schriftsteller
2005: Orhan Pamuk, türkischer Schriftsteller
2006: Wolf Lepenies, deutscher Soziologe
2007: Saul Friedländer, israelischer Historiker und Publizist
2008: Anselm Kiefer, deutscher Maler und Bildhauer
2009: Claudio Magris, italienischer Schriftsteller
2010: David Grossman, israelischer Schriftsteller
2011: Boualem Sansal, algerischer Schriftsteller

Er gilt als eine der kritischsten Stimmen der arabischen Welt. Als der arabische Frühling begann, warf er Europa Doppelmoral und Verrat an den eigenen Idealen vor. "Die europäischen Staaten haben lange die Diktaturen unterstützt und tun es immer noch", sagte Sansal in der Sendung Kulturzeit. "Dabei haben sie die arabischen Völker völlig ignoriert, verachtet, wie Wilde behandelt, obwohl sie wussten, dass dort Zivilgesellschaften existieren, die sehnsüchtig auf Freiheit und Demokratie warten. Europa hat diese Länder belogen, es hat sich belogen und es hat seine Öffentlichkeit belogen."

Die Zukunft Libyens sieht Sansal pessimistisch: "Die Leute von Bengasi werden die Menschen aus Tripolis hassen, weil sie Gaddafi unterstützt haben. Die Gesellschaft wird im Hass leben. Und diejenigen, die heute von einer Demokratie in Libyen reden, schön und gut, das muss sein. Aber sie verkennen die Realität."

Der Friedenspreis 2011 des Deutschen Buchhandels ist mit 25.000 Euro dotiert und wird seit 1950 vergeben. Die renommierte Auszeichnung wird zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am 16. Oktober überreicht.

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Leserkommentare
  1. Im Gegensatz zur franrösischen Debatte hielt sich das dt. Feuilleton auffallend zurück in der Libyendebatte. Insofern setzt der Preis ein Zeichen, dass eine Diskussion bei uns überfällig ist: http://t.co/0M0eLTP

    • Kometa
    • 09. Juni 2011 13:45 Uhr

    Wie heißt ein Verlag, der dan Sansal verlegen kann: Merlin? Prima - dass nicht wieder die größten Verlage ein Geschäft machen können.

  2. JURY-Demokratie-Bewegung gefordert für den Deutscher Buch- und FRIEDENS-Preis (Buchhandel): ÜBERARBEITUNG der Juroren-Preise sollte geschehen!

    Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels erklärt, mit dem Friedenspreis an Autor Boualem Sansal solle ein Zeichen für die Demokratiebewegung in Nordafrika gesetzt werden; so Vorsteher Gottfried Honnefelder. Der algerische Autor hofft, dass die Welt vor einer „Wende zur universellen Demokratie“ steht:

    "Die Menschen lehnen Diktatoren ab, sie lehnen Extremisten ab, sie lehnen das Diktat des Marktes ab, sie lehnen den erstickenden Zugriff der Religion ab", sagte er in seiner Dankesrede.

    Der FRIEDENSPREIS 2011 erinnert mich an Anselm KIEFER, den KÜNSTLER-Marktstar: Er erhielt den Friedenspreis 2009. Der Regimekritiker Boualem Sansal hat den mit 25 000 Euro dotierten Friedenspreis am Sonntag in der Paulskirche entgegennehmen können; das ist GUT so. Anders der „Fall KIEFER & Werner SPIES als Juror“! Mal googeln …

    BUCHMESSE-2011-Rückblick: FRIEDENSPREIS 2011 - Wende zur universellen Demokratie?

    Eine FORDERUNG mit der SZ: Deutscher Buch- und FRIEDENS-Preis (Buchhandel): ÜBERARBEITUNG der Preise sollte geschehen!

    An der Vergabe des Preise an Eugen RUGE wurde KRITIK geübt: siehe mehr begründet in der GZ:
    http://www.giessener-zeit...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Autor | Auszeichnung | Demokratie | Frankfurter Buchmesse | Nordafrika | Algerien
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