Der Friedenspreis 2011 des Deutschen Buchhandels geht an den algerischen Schriftsteller Boualem Sansal. Das teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit. Damit solle ein Zeichen für die Demokratiebewegung in Nordafrika gesetzt werden, erklärte Vorsteher Gottfried Honnefelder.

Mit Sansal werde ein Autor geehrt, "der als leidenschaftlicher Erzähler, geistreich und mitfühlend, die Begegnung der Kulturen in Respekt und wechselseitigem Verstehen befördert", heißt es in der Begründung des Stiftungsrats. Der 61-Jährige, dessen Bücher in Algerien auf den Index gesetzt wurden, gehöre zu den wenigen im Land verbliebenen Intellektuellen, die offen Kritik an den politischen und sozialen Verhältnissen übten. "Mit seinem hartnäckigen Plädoyer für das freie Wort und den öffentlichen Dialog in einer demokratischen Gesellschaft tritt er gegen jede Form von doktrinärer Verblendung, Terror und politischer Willkür auf. Dabei richtet sich sein Blick nicht nur auf die Heimat, sondern auf die ganze heutige Welt."

Vom Ökonom zu einer der kritischsten arabischen Stimmen

Der in einem Bergdorf aufgewachsene Sansal war als Ökonom in leitender Stellung in der algerischen Regierung tätig. Erst 1999 veröffentlichte er in Frankreich unter dem Eindruck des Bürgerkriegs in seinem Land seinen ersten Roman Der Schwur der Barbaren, der 2003 auf Deutsch in dem kleinen Verlag Merlin erschien. In der Folge wurde Sansal im Ministerium beurlaubt und später entlassen. Seine Bücher sind verboten, er selbst wird überwacht. Trotz des wachsenden politischen Drucks lebt der Schriftsteller weiter in seinem Heimatland.

Er gilt als eine der kritischsten Stimmen der arabischen Welt. Als der arabische Frühling begann, warf er Europa Doppelmoral und Verrat an den eigenen Idealen vor. "Die europäischen Staaten haben lange die Diktaturen unterstützt und tun es immer noch", sagte Sansal in der Sendung Kulturzeit. "Dabei haben sie die arabischen Völker völlig ignoriert, verachtet, wie Wilde behandelt, obwohl sie wussten, dass dort Zivilgesellschaften existieren, die sehnsüchtig auf Freiheit und Demokratie warten. Europa hat diese Länder belogen, es hat sich belogen und es hat seine Öffentlichkeit belogen."

Die Zukunft Libyens sieht Sansal pessimistisch: "Die Leute von Bengasi werden die Menschen aus Tripolis hassen, weil sie Gaddafi unterstützt haben. Die Gesellschaft wird im Hass leben. Und diejenigen, die heute von einer Demokratie in Libyen reden, schön und gut, das muss sein. Aber sie verkennen die Realität."

Der Friedenspreis 2011 des Deutschen Buchhandels ist mit 25.000 Euro dotiert und wird seit 1950 vergeben. Die renommierte Auszeichnung wird zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am 16. Oktober überreicht.