BuchmarktDie Sorgen der digitalen Bibliotheken

Obwohl die Digitalisierung des weltweiten Buchmarkts voranschreitet, haben Bibliotheken noch ihre Probleme damit. Es gibt rechtliche und politische Grenzen. von 

Ein Besucher im digitalen Lesesaal der Public Library in New York

Ein Besucher im digitalen Lesesaal der Public Library in New York  |  © Spencer Platt/Getty Images

Der Siegeszug des digitalen Lesens hat begonnen. Amazon vermeldet astronomische Zahlen bei Kindle-Verkäufen . Ebenso floriert der illegale Buchdownload auf Seiten wie Buecherkiste.org und Avaxhome.ws . Eher im Schatten des medialen Interesses sind auch die öffentlichen Bibliotheken weit mit der Digitalisierung und Vernetzung ihrer Bestände fortgeschritten. Das Angebot reicht von zeitgenössischen Bestsellern bis hin zu Archivalien und historischen Drucken. Der Utopie einer überall abrufbaren Universalbibliothek steht technisch nichts mehr im Wege. Allerdings gibt es politische und juristische Grenzen.

Normalerweise, wie im Fall von Google Books, sind Verlage und Autoren die neuen Maschinenstürmer. Was die öffentlichen Bibliotheken in Deutschland anbelangt, verhindern aber vor allem die Kommunen die möglichst effiziente Digitalisierung. Es gibt zwar das bundesweite Portal Onleihe.de , das für alle öffentlichen Bibliotheken die Software zur Digitalisierung bereitstellt – aber dem entspricht keine zentrale Online-Bibliothek. Auch im World Wide Web können nur die E-Books der örtlichen öffentlichen Bibliothek ausgeliehen werden. Sollte ein Titel aus den lokalen Beständen verliehen sein, hilft es nichts, dass er anderswo vorrätig ist. Nicht zuletzt bedeutet das unnötige Anschaffungskosten für immer dieselben E-Books.

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Dem Geschäftsführer von Onleihe.de zufolge ist der Hauptgrund für diese absurde Situation die Uneinigkeit der Kommunen in der Frage der Finanzierung einer zentralen digitalen Bibliothek. Auf eine baldige Änderung der Situation macht er keine Hoffnungen. Auch von Seiten der deutschen Nationalbibliothek gibt es keine entsprechenden Pläne. Ein Sprecher dieses Hauses sieht das Problem allerdings auch bei den Verlagen. Er macht darauf aufmerksam, dass es nicht üblich sei, dass diese Lizenzen zum bundesweiten Verleih von E-Books erteilten. Ein weiteres Hindernis mag die Tatsache sein, dass die bei der Buchausleihe im Internet zur Verwendung kommende DRM-Software Schwächen hat und leicht überlistet werden kann. So landen dann legal ausgeliehene E-Books schnell ohne Sperren auf Download-Seiten.

Aber heißt das, die Idee einer zentralen Online-Bibliothek aufzugeben, obwohl sie technisch möglich ist? Das Zögern der öffentlichen Hand wird schließlich nur dazu führen, dass illegale Angebote wichtiger werden, die perfiderweise sogar gelegentlich Gebühren verlangen.

Vorbild für eine Zentralisierung der öffentlichen Bibliotheken könnte etwa der Bereich historische Drucke sein, der in vielen Dingen schneller, da urheberrechtsfrei ist. Zwar bieten auch hier die Landes- und Staatsbibliotheken ihre Digitalisate noch einzeln an, aber schon Ende des Jahres soll eine zentrale deutsche Bibliothek ans Netz gehen.

Im zentralistischen Frankreich haben sich vergleichbare Probleme der regionalen Unterschiede beim Digitalisieren nie gestellt. Unangefochtenes Zentrum ist auch im Bibliothekswesen Paris. Auf das 14. Jahrhundert soll die Sammlung der dortigen Nationalbibliothek zurückgehen, selbstverständlich ist sie auch einer der weltweiten Vorreiter in der Digitalisierung. Unter der Seite Gallica.fr bietet die Bibliothek ihre Schätze auch für Außenstehende an, alte, seltene Literatur im Wert von mehreren Tausend Euro sind dabei sowie Zeitungsarchive.

Wer allerdings zeitgenössische E-Books sucht, ist hier fehl am Platz. Wie die deutsche hat auch die französische Nationalbibliothek keine Internet-Ausleihe. Man hütet sich davor, rechtliche Grauzonen zu betreten. Selbst das Fotokopieren ist in dem Haus strengstens reglementiert.

Leserkommentare
    • eeee
    • 08. August 2011 11:11 Uhr

    dass eine "Technologie" nicht voll ausgenützt wird, siehe Glühlampenkartell etc.
    Das ist eben der Unterschied zwischen Ausnutzen und Ausbeuten,
    zu welchem das sog. "Urheberrecht" ja geschaffen wurde.

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    wäre ich ja beruhigt.
    Denn dort wurde ein Standard festgelegt, der eine optimale Ausgewogenheit zwischen Stromverbrauch und Haltbarkeit darstellt.

  1. Wenn man all das täte und ermöglichen wollte, was im Artikel vermisst bzw. als vermisst angedeutet wird, hätten die Autoren keine Rechte mehr. Dann wäre alles für jeden überall frei zu bekommen und das Urheberrecht wäre in der Tonne.

    Unsere Regierung hat sich aber gerade beim Urheberrecht dafür entschieden, vor nicht allzu langer Zeit andere Wege zu gehen und denen tragen die Bibliotheken nun Rechnung, da alles andere sehr teuer würde.

  2. ist: Wie sollen die Interessen der Autoren und Verlage geschützt werden. Niemand kann verlangen, dass die Urheber des Schrifttums umsonst arbeiten! Die Frage kann an Herrn Thumfart weitergereicht werden: Ich nehme an, dass er schon Wert darauf legt, für seine Artikel entlohnt zu werden, von welcher Seite auch immer. Andererseits, die antike Literatur oder die Bücher verstorbener Autoren sollten allerdings schon irgendwann ins Allgemeineigentum übergehen. Genau das wird in Frankreich praktiziert.

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    Urheberrecht zu:

    "Der Schutz des Urheberrechts wird nicht ewig gewährt (wie etwa das Eigentum). Der Schutz des Werkes beginnt, sobald die Voraussetzungen des § 2 Abs. 2 UrhG erfüllt sind. Es endet 70 Jahre nach dem Tode des Urhebers (§ 64 UrhG). Ist der Urheber anonym oder veröffentlicht er unter einem Pseudonym, erlischt das Urheberrecht 70 Jahre nach Veröffentlichung. Mit Ende der Schutzfrist ist das Werk gemeinfrei. Stets gemeinfrei sind nach § 5 UrhG amtliche Werke."

  3. Urheberrecht zu:

    "Der Schutz des Urheberrechts wird nicht ewig gewährt (wie etwa das Eigentum). Der Schutz des Werkes beginnt, sobald die Voraussetzungen des § 2 Abs. 2 UrhG erfüllt sind. Es endet 70 Jahre nach dem Tode des Urhebers (§ 64 UrhG). Ist der Urheber anonym oder veröffentlicht er unter einem Pseudonym, erlischt das Urheberrecht 70 Jahre nach Veröffentlichung. Mit Ende der Schutzfrist ist das Werk gemeinfrei. Stets gemeinfrei sind nach § 5 UrhG amtliche Werke."

    Antwort auf "Die berechtigte Frage"
    • maxizwo
    • 08. August 2011 12:01 Uhr

    "Amazon vermeldet astronomische Zahlen bei Kindle-Verkäufen."
    Wieso glaub' ich Amazon (und den anderen Hype-isten) nicht?

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    • GDH
    • 08. August 2011 12:27 Uhr

    Da behält sich Amazon ganz offen vor, auf Anweisung von Regierungen im Nachhinein verkaufte Inhalte zu verändern [1].

    Das sollte sich mal ein Buchhändler leisten: "Wenn sich im Nachhinein herausstellen sollte, dass mit dem Buch, das ich Ihnen heute verkauf, etwas nicht stimmt, breche ich unangekündigt bei Ihnen ein und stelle Ihnen ein geändertes Ersatzexemplar da rein." Natürlich nur "Auf Anordnung von Behörden" oder "zum Schutz des Nutzers oder seines Geräts"

    @Kommentar Nr.2:
    Es gibt schon einen Mittelweg zwischen der völligen Entrechtung des Autors und der Öffentlichkeit. Z.B. dem Autor das Recht der kommerziellen Erstverwertung und/oder ein zeitlich begrenztes Verwertungsrecht einzuräumen. Der Anreiz zur Schaffung eines Werks ist ja i.d.R. schon, im ersten Jahrzehnt nach Veröffentlichung Einnahmen zu generieren (zumindest wird so kalkuliert).

    Ist ein Werk erstmal veröffentlicht, lässt es sich halt nicht wieder einfangen. So ein Recht hat ein Autor heute auch nicht. Auch den Weiterverkauf darf er ja nicht verbieten.

    [1] http://www.heise.de/newst... weitere Quellen dort verlinkt

    Wer's nicht glaubt, muss nur in den USA mal mit der Metro fahren oder durch einen Flughafen laufen: überall iPads, Kindles, etc. Die Deutschen brauchen für alles halt immer ein bischen länger...

    • GDH
    • 08. August 2011 12:27 Uhr

    Da behält sich Amazon ganz offen vor, auf Anweisung von Regierungen im Nachhinein verkaufte Inhalte zu verändern [1].

    Das sollte sich mal ein Buchhändler leisten: "Wenn sich im Nachhinein herausstellen sollte, dass mit dem Buch, das ich Ihnen heute verkauf, etwas nicht stimmt, breche ich unangekündigt bei Ihnen ein und stelle Ihnen ein geändertes Ersatzexemplar da rein." Natürlich nur "Auf Anordnung von Behörden" oder "zum Schutz des Nutzers oder seines Geräts"

    @Kommentar Nr.2:
    Es gibt schon einen Mittelweg zwischen der völligen Entrechtung des Autors und der Öffentlichkeit. Z.B. dem Autor das Recht der kommerziellen Erstverwertung und/oder ein zeitlich begrenztes Verwertungsrecht einzuräumen. Der Anreiz zur Schaffung eines Werks ist ja i.d.R. schon, im ersten Jahrzehnt nach Veröffentlichung Einnahmen zu generieren (zumindest wird so kalkuliert).

    Ist ein Werk erstmal veröffentlicht, lässt es sich halt nicht wieder einfangen. So ein Recht hat ein Autor heute auch nicht. Auch den Weiterverkauf darf er ja nicht verbieten.

    [1] http://www.heise.de/newst... weitere Quellen dort verlinkt

    Antwort auf "... ... ... "
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    • FranL.
    • 10. August 2011 19:50 Uhr

    Da behält sich Amazon ganz offen vor, auf Anweisung von Regierungen im Nachhinein verkaufte Inhalte zu verändern [1]

    Bedeutet es also, das man damit rechnen müßte, daß die Originalversionen von "Tom Sawyer" und Huckleberry Finn so gegen die neue politisch korrekte Version ausgetauscht werden?

    Es kann sogar vorkommen, daß Amazon ein Buch wieder löschen läßt, wenn sich z.B. herausstellt, daß es Probleme mit den Urheberrechten gibt. Ist vor einiger Zeit tatsächlich geschehen, der Roman um den es ging war ironischerweise "1984". Das wäre nicht passiert, wenn die Käufer (die ja schon bezahlt hatten) ein klassisches Buch aus Pappe und Papier gekauft hätten.

    • 2b
    • 08. August 2011 13:29 Uhr

    "Es ist ein bisschen so, als hätte man den Buchdruck verboten, weil der Berufsstand der Schreiber um seine Existenzgrundlage fürchtete."

    Sollte man dann nicht nach einer Lösung sehen, welche diesen Ängsten vorbeugt und trotzdem die Entwicklungsgrundlage durch den Zugang zu festgehaltenen Erfahrungen und daraus geformtem Wissen auf "heutige" Arbeitsmittel erweitert?
    Inwieweit liegt es im Selbstverständnis der (Schrift-)Schaffenden an der Entwicklung einer Gesellschaft mitzuwirken und wie findet die Gesellschaft dafür den honorierenden Ausgleich für diese Gemeinschaftsarbeit?
    Das Netzwerk der Bildungsressourcen, wie beispielsweise Google Books, Medienbibliotheken der öffentlich rechtlichen Sender oder von Universitäten ..., erscheinen mir eher als "Dienst auch für die Nächsten"?
    Vielleicht ist auch der Begriff Urheber anmassend und Miturheber/Entdecker wäre angesichts der Vielartigkeit (der Schöpfung _ wer es so sehen will), und die Vorleistungen der Vorfahren beachtend, öfter angebrachter? - sei Ihnen Allen das Wohlwollen gedankt.

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    Universitäten sind wie Schulen Einrichtungen öffentlicher Bildung und arbeiten nun schon einige Jahre mit wissenschaftlichen E-Books. In diesem Bereich gibt es Sonermittel und Konsortialverträge mit den Verlagen.

    Google books ist ein Teil einer privatwirtschaftlichen Firma, die ihre Marktmacht ausbauen will. Dieser nun auch noch Vorteile verschaffen zu wollen, verstieße für mich nicht nur gegen das Kartellrecht sondern auch reichlich gegen alle Marktregeln, um die man sich auch mal Gedanken machen könnte, wenn man schon das (geistige) Eigentum anderer freigeben möchte.

    Ein weiteres Problem sehe ich hier im Vermischen von wissenschaftlichen Texten und Bedürfnissn und denen, die wie im Artikel angesprochenen im belletristischen und populärwissenschaftlichen Bereich anzusiedeln sind, wie es im Bereich der Öffentlichen Bibliotheken der Fall ist.

    Das beeindruckendste ist aber für mich die Frage, mit welchem Recht wir jemandem seine Idee und deren Umsetzung "verstaatlichen" wollen und wie Menschen darauf kommen, dass wir dies dürfen, nur weil wir technisch dazu derzeit leichter als noch vor einigen Jahren in der Lage sind, denn das wäre das Pferd falsch herum aufgezäumt.

  4. Ich glaube es geht bei der Urheberrechtsdebatte selten wirklich um die "Urheber", sprich die Autoren. Es geht doch immer um die armen Verlage ... Ein Autor tritt seine Rechte doch ab, noch bevor er sein erstes Buch veröffentlicht.
    Ein ähnliches Schicksal haben übrigens Softwareentwickler, die sich für Ihre Arbeit bezahlen lassen. Alle stehen auf kostenlose oder extrem billige Software (am besten OpenSource), was die Wertschätzung dieser qualifizierten Arbeit nicht gerade erhöht. Das aber scheint weit weniger zu interessieren.

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    denn die Verfasser von Texten verdienen daran. Dass auch der Verleger verdient, der für die Veröffentlichung in Vorleistung geht und für ein Buch seine Infrastruktur und Kontakte zur Verfügung stellt, halte ich nicht für falsch.

    Allerdings sind die Verlage nicht die Hauptprofiteure.

    Und zum Thema Software: diese wird auch nicht von den Firmen und Programmierern kostenlos ins Netz gestellt. Es gibt diese kostenlos, meist wird allerdings vermarktet und muss bezahlt werden, wenn nicht gerade raubkopiert wird, was allerdings weiterhin verboten ist und mitnichten alles frei und gratis zu haben ist.

    Wie bereits von einem anderen Forumteilnehmer erläutert, stimmt Ihre Aussage so nicht.

    Ein Softwareentwickler ist in der Regel ein Angestellter, der ein Gehalt bekommt. In der Regel ist es daher einsehbar, dass ein Arbeitgeber für während der Arbeitszeit entwickelte Programme das Urheberrecht oder Patentrecht bekommt, soweit dies arbeitsvertraglich geregelt ist. Übrigens kann auch hier in bestimmten Fällen der Angestellte eine zusätzliche finanzielle Beteiligung durchsetzen, wie aus der Rechtsprechung bekannt ist.

    Die Analogie mit dem in der Regel freiberuflich arbeitenden Autor passt so daher nicht. Der Autor hat immerhin die Wahl, ob er sein Buch selbst publizieren und vermarkten möchte, oder ob er sein Buch etablierten Verlagen anbietet.

    Was er dann mit den Verlagen aushandelt in Bezug auf Urheberrechtsüberlassung bzw. Honorierung hängt natürlich von verschiedenen Faktoren ab. Es versteht sich von selbst, dass ein bekannter oder berühmter Autor (oder sein Agent) oder jemand, der ein Buch zu einem hochaktuellen Thema veröffentlicht in einer stärkeren Verhandlungsposition gegenüber Verlagen ist, als ein unbekannter Anfänger, der ein Buch zu einem 'esoterischen' Thema veröffentlicht, welches voraussichtlich nur wenige Leser interessieren wird.

    Durch eine wie auch immer geartete Reform des Urheberrechts wird sich dieses Grundproblem aber nicht aus der Welt schaffen lassen, weshalb mir die Diskussion zu diesem Thema teilweise etwas müssig erscheint.

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  • Schlagworte Google | Amazon | Bestseller | Digitalisierung | Download | E-Book
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