Dem äußeren Beobachter von Iran fällt es schwer, die dortigen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen einzuschätzen. Was denken die Menschen dort, was fühlen sie? Warum hassen viele zum Beispiel den Westen und vor allem die USA? Der in Teheran lebende Schriftsteller Amir Hasan Cheheltan, der im vergangenen Jahr mit seiner tragischen Liebesgeschichte Teheran Revolutionsstraße in Deutschland bekannt geworden ist, geht in seinem neuen Roman diesen Fragen nach. In Amerikaner töten in Teheran versucht er, den Gründen dieses Hasses nachzugehen – in sechs Episoden, die wie in Robert Altmanns Film Short Cuts locker über die Protagonisten miteinander verbunden sind.

Das Buch beginnt mit einem Vorfall aus dem Jahr 1924, als in Teheran das Gerücht entstand: Ein Anhänger der Bahá'i-Religion habe versucht, in einem Vorort der Stadt einen Brunnen zu vergiften, sei aber kurz vor der Tat erblindet. Die Schiiten halten die Bahá'i, die nach ihrem im 19. Jahrhundert lebenden Gründer Bahá'u'lláh benannt sind, für Ungläubige, und interpretierten das Gerücht als Wunder. Tausende begannen, an den Ort des vermeintlichen Ereignisses zu pilgern und zu beten. Der gerade erst im Iran eingetroffene damalige amerikanische Vizekonsul Major Robert Imbrie versucht, für die Zeitschrift National Geographic Fotos von diesem Ereignis zu machen. Nachdem er jedoch seine Kamera aufgebaut hat, wird er mit dem Argument, es befänden sich auch Frauen unter den Pilgern, dazu aufgefordert, das Fotografieren einzustellen.

Doch er ignoriert die Warnungen. Als jemand behauptet, er und seine Begleiter seien Bahá'i und hätten versucht, den Brunnen zu vergiften, kommt es zu einer Hetzjagd. Imbrie wird getötet. Bis heute ist nicht klar, ob es sich um ein Komplott gehandelt hat, das die religiös aufgeheizte Stimmung dazu nutzte, mit Imbries Ermordung die Amerikaner aus dem Iran zu vertreiben, oder nur um einen Zufall und die Ignoranz des Majors.

Es ist die "Irrationalität", sagt der Schriftsteller Homâyun Schakibâ, die die "Grundlage für die den Aberglauben nährenden Schichten unserer Mentalität [ist] als auch die Basis unserer für den Despotismus so empfänglichen Denkungsart". Sein Gesprächspartner ist George, der Großneffe Major Imbries, der in der vierten Episode kurz vor der Revolution 1978 in den Iran reist, um herauszufinden, weshalb die Iraner die Amerikaner so hassen. Beide treffen sich zufällig an der Bar eines Hotels. "Diese Nation", fährt Schakibâ fort, "hält die Vernunft eigentlich für einen überflüssigen Luxus."

Das entscheidende Ereignis für den schlechten Ruf der USA im Iran war jedoch der 1953 von der CIA inszenierte Putsch gegen den gewählten Präsidenten Mossadegh, den Chehaltan in der zweiten Episode seines Buches erzählt. Drei Anläufe waren nötig, um Mossadegh zu stürzen. Drei Anläufe, bei denen die CIA nicht nur bei allen großen Tageszeitungen im Iran Artikel kaufte, die die kommunistische Gefahr durch die Regierung Mossadegh beschworen, sondern sogar Karikaturen in den USA anfertigen ließ, um die allgemeine Stimmung gegen ihn anzuheizen.