In der Jugend Hesse und die Bibel
Das Dorf Jericho jedenfalls sei die Grundlage seines weiteren Schreibens. Der nächste Roman, mit dem er bereits vor Gegen die Welt begonnen hat, erzählt von ostfriesischen Auswanderern nach Amerika. Dort war Brandt kürzlich, um zu recherchieren. Das kostet Geld. Das wiederum will er am liebsten selbst verdienen. Stipendien machen ihn misstrauisch: "Ich will mich eigentlich nicht von den Plutoniern kaufen lassen." Wer seinen Roman gelesen hat, versteht den Satz sofort.
Mittlerweile sind wir am Pavillon des Buchmessenehrengastes Island angekommen. In den Tagen zuvor war das der schönste Ort der Messe, eine Oase der Stille, eine abgedunkelte Halle, in der auf überdimensionalen Leinwänden Naturfilme gezeigt werden. Doch es ist Besuchersamstag. Stille gibt es nirgendwo. Im isländischen Café erzählt Jan Brandt von seinen Lektüren: Hesse, in der Jugend. Und die Bibel, versteht sich, als einflussreichster literarischer Text der Menschheitsgeschichte. Zum Schluss habe er nur noch Bücher gelesen, die für ihn irgendetwas mit seinem Roman zu tun gehabt hätten: Stephen King, Houellebecqs Lovecraft-Essay, aber auch Alice Munroe. Seinem Schreiben liege ein "manischer Realismus" zugrunde: "Mich interessiert, inwieweit die Fiktion in unsere Wirklichkeit eindringt und sie verändert."
Der Zufall will es, dass in diesem Moment Buchpreisträger Eugen Ruge vorbeikommt. Man gibt sich die Hand und wechselt ein paar freundliche Worte. "Mit dem Geld, das ich dafür bekommen hätte", sagt Brandt, "hätte ich eine Zeitlang sehr gut arbeiten können." Andererseits: "Vielleicht ist es ganz gut so. Wie hätte es nach einem solchen Preis weitergehen sollen? Woher hätte ich die Wut zum Schreiben genommen?"
- Datum 16.10.2011 - 15:04 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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