Verlagswesen Autoren ab zu Amazon?

Amazon will den klassischen Verlagen den Rang ablaufen. Das könnte den Autoren größere Wertschätzung einbringen, sagt Olaf Trunschke vom Verband deutscher Schriftsteller.

Olaf Trunschke, Vorstandsmitglied des Verbands deutscher Schriftsteller.

Olaf Trunschke, Vorstandsmitglied des Verbands deutscher Schriftsteller.

ZEIT ONLINE: Herr Trunschke, was halten Sie als Sprecher des Verbands deutscher Schriftsteller davon, dass Amazon jetzt nicht mehr nur Bücher verkaufen will, sondern auch Bücher verlegt?

Olaf Trunschke: Aus Autorensicht ist jeder neue Verlag begrüßenswert. Aber besser wäre es, wenn die auf dem herkömmlichen Buchmarkt vom Aussterben bedrohten Genres wie Drama, Lyrik oder Essay mehr Möglichkeiten zur Veröffentlichung fänden. Autoren brauchen Lesungen und jemanden, der die Lesungen organisiert. Es ist auch wichtig, auf dem Buchmarkt auf Vermittler wie Feuilletons, Buchhändler oder Agenturen zurückgreifen zu können, damit man als Autor im allgemeinen Getöse des Literaturbetriebs nicht untergeht. Ob Amazon das bieten kann und will, darauf sind wir alle sehr gespannt.

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ZEIT ONLINE: Wäre Amazon eine interessante Variante für junge Autoren, die vielleicht eher bereit sind, sich selbst zu vermarkten?

Olaf Trunschke

Olaf Trunschke ist Autor und Vorstandsmitglied des Verbands deutscher Schriftsteller. Er stammt aus Radebeul und war einer der ersten, die unmittelbar nach der Wende einen Privatverlag gegründet haben. Der octOpus-Verlag veröffentlichte Klassiker der Moderne und zeitgenössische Autoren. Olaf Trunschke arbeitet freiberuflich als Designer für digitale Medien, hat Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen und schreibt Kurzprosa

Trunschke: Viele junge Autoren gehen diesen Weg bereits, weil sie keinen Verlag finden. Das betrifft vor allem die randständigen Genres. Lyrik wird so gut wie nur noch von kleinen, mutigen Verlagen veröffentlicht. Hier ist natürlich großes Engagement der Dichter selbst gefragt.

Es ist schwer, einen Verlag zu finden, weil die großen Häuser sehr auf den Umsatz schauen. Die klassische Mischkalkulation, die heute nur noch bei den etablierten Literaturverlagen üblich ist – ein paar Bestseller-Autoren finanzieren die Auflagen der Texte, die der Verleger aus persönlicher Vorliebe herausgibt – gibt es nur noch selten. Wenn jetzt Amazon kommt, und vielleicht einige dieser Bestseller-Autoren abwirbt, dann wird die Situation für so einen Verlag schwierig.

ZEIT ONLINE: Könnte die Verhandlungsmacht von Autoren gegenüber den herkömmlichen Verlagen durch die Konkurrenz von Amazon wachsen?

Trunschke: Das ist schwer zu sagen. Zumindest scheint man sich bei den Verlagen wieder Gedanken über den Wert der Autoren zu machen. Jeder Verlag lebt von seinen guten Autoren. Diese etwas mehr wertzuschätzen, könnte ein positives Ergebnis der Amazon-Initiative sein. Dann wäre der Autor nicht mehr Störfaktor, sondern der wichtigste Partner des Verlags.

ZEIT ONLINE: Der direkte Kontakt zwischen Autoren und ihren Lesern ist etwas, womit Amazon als Verlag wirbt. Wird es den Buchmarkt verändern, wenn so ein Angebot Schule macht?

Trunschke: Ich bin davon überzeugt, dass das etwas verändern wird. Wie diese Veränderung vonstatten geht, hängt auch davon ab, wie sich die klassischen Verlage verhalten. Zu deren bisherigem Gebaren lässt sich eigentlich nur sagen: "Sie verhalten sich sehr verhalten." Es ist eine Tatsache, dass die Vorreiter auf dem digitalen Markt wie Google oder Amazon in einem immensen Tempo arbeiten. Die Reaktionen darauf sind meist recht hilflos. Ehe man sich auf der einen Seite eine Meinung gebildet hat, hat die andere Seite längst Fakten geschaffen. Das halte ich für eines der zentralen Probleme der klassischen Verlage.

Leser-Kommentare
  1. 1. Amazon

    Liebe Autoren.

    Wenn ihr euch in die Zwänge dieses Marktes einpressen
    lasst, werdet ihr weniger haben als zuvor.

    Warum denn eigentlich Amazon?
    Dann gründet doch einfach selbst einen Verlag,schließt
    euch zusammen um eure edlen Werke zu veröffentlichen.

    Allerdings bedeutet dies immense Arbeit.

  2. Als Autor bin ich zwar froh, einen tollen Verlag gefunden zu haben, andererseits verdanke ich aber auch Amazon sehr viel. Ich kann von einem traditionellen Buchladen nämlich nicht erwarten, dass er z.B. meine Ratgeber (zum Thema Alltagsleben in den USA) im Angebot hat, denn dazu ist die Nachfrage viel zu begrenzt. Dank Amazon können derartige Bücher jedoch von interessierten Lesern leicht gefunden werden. Man muss als Autor aber auch bereit sein, beim Marketing ein wenig mitzuhelfen (per Blog, Facebook, etc.).

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Konkurrenz belebt das Geschäft. das gilt auch in diesem bereich. Die Verlagswelt ist viele Jahre in einem Dornröschenschlaf versunken. Jetzt wird, auch bedingt durch Facebook,..., das Internet entdeckt und versucht, mit Schnellschüssen zu erobern.
    Wie es oben schon richtig steht, für Nischenthemen und -autoren, ist woanders ein besserer Platz, als die Zeit mit dem Suchen nach einem "richtigen" Verlag zu vergeuden. Die Einnahmequellen sind vielsieitig, wer es weiß, sich zu vermarkten und die Margen größer als bei etablierten Verlagen. Also, macht euch auf die Reise, etwas Neues zu entdecken.

    • Kometa
    • 29.10.2011 um 14:29 Uhr

    Ich stelle mir vor: Handke und amazon.
    Ach, das ist nicht gemeint?
    Da würde die erste Bestellung verhindern, dass der Dichter sich den zerfurchten Hals umdrehen müsste.

    Sondern die tausend Kleinschreiber, die ihre Manuskrikte in Dateien vrrwandeln sollen und hübsch aufdesignen (von Designern, die nicht lesen)... und auf BestBestellungen warten, so dass zu den 600 Exemplaren, die dort schon zu Hauase herumliegen, noch einmal zwei Exemplärchen gedruckt und versandt werden sollen.
    Es gibt Tausende von Autörchen, die das Geld haben .. aus Beamten-Renten oder, ja, ich weiß: -pensionen.

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