Literatur Tschechischer Schriftsteller Grusa gestorben

Jiri Grusa ist tot. Der Poet wirkte als Präsident des Schriftstellerverbandes PEN. Als Prags Botschafter machte er sich um die deutsch-tschechischen Beziehungen verdient.

Jiri Grusa auf einer Pressekonferenz in Hong Kong (Archiv)

Jiri Grusa auf einer Pressekonferenz in Hong Kong (Archiv)

Der Schriftsteller und frühere Vorsitzende des PEN-Clubs Jiri Grusa ist im Alter von 72 Jahren verstorben. Das bestätigte eine Mitarbeiterin des tschechischen PEN-Zentrums in Prag. Der ehemalige Dissident und enge Vertraute von Ex-Präsident Václav Havel lebte zuletzt in der Nähe von Bonn. Nach Angaben von Medien soll Grusa bei einer Herzoperation gestorben sein.

Nach der demokratischen Wende in der Tschechoslowakei wurde Grusa 1990 zum Botschafter in Deutschland ernannt. "Zuerst habe ich Angst gehabt, daß ich meine Sprache verliere und daß sie sich in diplomatischen Floskeln und Phrasen auflöst", sagte er im Jahr 1994 derZEIT. "Heute kann ich aber sagen: Ich habe meine Sprache und Denkweise erhalten."

Von 1993 bis 1997 wirkte er als Botschafter der neu gegründeten Tschechischen Republik. Nach einer kurzen Amtszeit als Schulminister wurde Grusa 1998 Botschafter in Österreich. Von 2004 bis 2009 war der in Pardubice geborene Poet Präsident des internationalen Schriftstellerverbands PEN. Eines seiner bekannten Werke ist das auf deutsch geschriebene Gedichtband Wandersteine

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"Jiri Grusa hat sich um die deutsch-tschechischen Beziehungen sehr verdient gemacht", sagte Jiri Sitler vom Außenministerium in Prag. Grusa sei Prags Botschafter mit der längsten Dienstzeit in Bonn und Berlin gewesen. Grusa habe vor allem beim bilateralen Nachbarschaftsabkommen von 1992 eine wichtige Rolle gespielt.

Als Havel im Jahr 1992 auf sein Amt als Präsident der Republik verzichtet hatte und in Prag ein Zustand der allgemeinen politischen Verunsicherung auch in der Außenpolitik herrschte, nahm Jiri Grusa den schon ausgehandelten tschechisch-deutschen Vertrag aus Prag mit nach Bonn. Er übergab Außenminister Klaus Kinkel das Dokument und unterschrieb die notwendigen Urkunden, ungeachtet des Zähneknirschens vieler Nationalisten auf beiden Seiten der Grenze.

 
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