LiteraturChinesischer Dissident Liao erhält Geschwister-Scholl-Preis

Der Schriftsteller Liao Yiwu ist für seine Berichte aus chinesischen Gefängnissen ausgezeichnet worden. Die Jury würdigte ihn als "großen Künstler und mutigen Chronisten".

Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu hat den Geschwister-Scholl-Preis erhalten. Die Auszeichnung bekam er für sein Buch Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen. "Liao Yiwus Buch ist auch ein Buch über Beziehungen. Die Beziehung zu seinem Land, das man Heimat nennen möchte und nicht kann", sagte Laudatorin und Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller. Liao Yiwu sei "ein großer Künstler und ein mutiger Chronist zugleich", hieß es in der Jury-Begründung.

In seinem Buch beschreibt Liao Yiwu seine Zeit im Gefängnis zwischen 1990 und 1994. "Offizielle Folter durchs Gefängnispersonal und privater Sadismus in der Zelle zwischen den Gefangenen waren Alltag", sagte Müller. Nach der Zeit im Gefängnis beschlagnahmten chinesische Behörden mehrfach seine Manuskripte, sodass Liao Yiwu sein Buch neu schreiben musste. Im Juni dieses Jahres konnte er sich nach Deutschland absetzen und Für ein Lied und hundert Lieder veröffentlichen.

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"Das ist eine große Ermutigung für mich", sagte der Dissident und Preisträger. Dabei lobte er den deutschen Umgang mit der Geschichte und kritisierte die Haltung der USA gegenüber China. "Sie sehen China nur als Wirtschaftspartner", so Liao Yiwu.

Der Geschwister-Scholl-Preis soll "moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut" fördern. Er wird vom bayerischen Landesverband im Börsenverein des Deutschen Buchhandels und dem Kulturreferat der Stadt München verliehen und erinnert an die beiden Geschwister Hans und Sophie Scholl, die wegen ihres Widerstands gegen die Nazis am 22. Februar 1943 hingerichtet wurden.

 
Leserkommentare
    • kyon
    • 14.11.2011 um 20:50 Uhr

    Das nach dem chinesischen Geld schielende Europa soll ruhig mal nach München schauen und sich schämen, wenigstens für einen Augenblick.

  1. Ein Gespräch zwischen Helmut Schmidt und Liao YiWu über Demokratie, Menschenrechte und Einmischung in innere Angelegenheiten wäre sicher interessant.

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    • kyon
    • 14.11.2011 um 21:03 Uhr

    Dafür sollte sich Liao Yiwu eigentlich zu schade sein!

    • kyon
    • 14.11.2011 um 21:03 Uhr

    Dafür sollte sich Liao Yiwu eigentlich zu schade sein!

    • kyon
    • 14.11.2011 um 21:03 Uhr

    Dafür sollte sich Liao Yiwu eigentlich zu schade sein!

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Knüller"
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    • LaoLu
    • 17.11.2011 um 2:16 Uhr

    Er sollte sich zu schade sein für ein Gespräch mit Helmut Schmidt?

    Nun ja...

    • LaoLu
    • 17.11.2011 um 2:16 Uhr

    Er sollte sich zu schade sein für ein Gespräch mit Helmut Schmidt?

    Nun ja...

  2. ...aber zu diesem Buch wird man wohl schon vorher seine Meinung haben müssen. Wichtig ist der Inhalt, bzw. die Bestätigung die man sich erhofft - und dafür gibt es den Preis.

    Eine Leserempfehlung
  3. von Liao Yiwu habe ich dadurch erfahren, dass die Zeit davon berichtete, er sei aus einem Flugzeug nach Frankfurt herausgeholt worden, obwohl alle seine Papiere in bester Ordnung waren und er zu einer Buchmesse eingeladen war. Darauf habe ich mir dann auf der Stelle sein Buch "The Corpse Walker" gekauft. Vielen Dank also für den Lesegenuss!

    Herzlichen Glückwunsch zu dem Preis, Herr Liao!

  4. Hans und Sophie Scholl sich im Grabe herumdrehen.
    Und mir von Leuten, die weder einen Mo Yan, noch die genüßlich zu lesende "wahre Geschichte des AhQ" von Lu Xun, noch die höchst kunstvoll geschriebene Beschreibung des "Gourmet" von Lu Wenfu, noch irgend einen chinesischen Klssiker gelesen haben, irgend ein Buch aus dem Land empfehlen zu lassen, dafür kann ich mich grad noch *bedanken*!

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    • kyon
    • 14.11.2011 um 23:47 Uhr

    Das Verbindende ist der Widerstand gegen eine Diktatur.

    Die Geschwister werden ruhig ruhen und brauchen sich nicht umzudrehen, da es offensichtlich noch Dissidenten gibt, wie sie selbst welche waren.

    Sie müssen etwas anderes als Umwendgeräusche der beiden gehört haben.

    wissen Sie, Richard, ich kenne diese Schriftsteller in der Tat nicht. Wenn ich nun in Ihren Augen ein Banause bin, meinetwegen! "The Corpse Walker" ist trotzdem ein fantastisches Buch. Eines Tages wird es sicher auch in China gelesen werden...

    • kyon
    • 14.11.2011 um 23:47 Uhr

    Das Verbindende ist der Widerstand gegen eine Diktatur.

    Die Geschwister werden ruhig ruhen und brauchen sich nicht umzudrehen, da es offensichtlich noch Dissidenten gibt, wie sie selbst welche waren.

    Sie müssen etwas anderes als Umwendgeräusche der beiden gehört haben.

    wissen Sie, Richard, ich kenne diese Schriftsteller in der Tat nicht. Wenn ich nun in Ihren Augen ein Banause bin, meinetwegen! "The Corpse Walker" ist trotzdem ein fantastisches Buch. Eines Tages wird es sicher auch in China gelesen werden...

    • kyon
    • 14.11.2011 um 23:47 Uhr

    Das Verbindende ist der Widerstand gegen eine Diktatur.

    Die Geschwister werden ruhig ruhen und brauchen sich nicht umzudrehen, da es offensichtlich noch Dissidenten gibt, wie sie selbst welche waren.

    Sie müssen etwas anderes als Umwendgeräusche der beiden gehört haben.

    Antwort auf "Da hörte ich gerade"
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    keine Diktatur. Wer nitte schön ist denn ihrer Meinung nach der Diktator? Hu Jintao oder Wen Jiabao? Suchen Sie sich einen aus, aber sagen Sie es klar. Oder kann ein Land von zwei Diktatoren regiert werden?

    keine Diktatur. Wer nitte schön ist denn ihrer Meinung nach der Diktator? Hu Jintao oder Wen Jiabao? Suchen Sie sich einen aus, aber sagen Sie es klar. Oder kann ein Land von zwei Diktatoren regiert werden?

  5. wissen Sie, Richard, ich kenne diese Schriftsteller in der Tat nicht. Wenn ich nun in Ihren Augen ein Banause bin, meinetwegen! "The Corpse Walker" ist trotzdem ein fantastisches Buch. Eines Tages wird es sicher auch in China gelesen werden...

    Antwort auf "Da hörte ich gerade"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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