Noch ein Buch zur Krise

Das Buch wartet seit 2005 im Regal, eine Empfehlung noch aus Studi-Tagen. Nun, zur Krise, durfte es raus. Schließlich geht es in den Redaktionskonferenzen täglich um Rezession, Inflation und Deflation. Und dieses Buch schafft es, die sperrigen Fachbegriffe lebendig zu machen. Eingängig und lustig werden die wirtschaftlichen Grundprinzipien erklärt. Man erfährt, dass John Keynes ein Dandy war, Karl Marx nicht mit Geld umgehen konnte und Adam Smith vor lauter Zerstreutheit in Gruben zu plumpsen pflegte. Man liest von der verheerenden Schenkökonomie vieler Indianerstämme, vom Trauma der Großen Depression und von den Tücken des Ochsenpflugs im Mittelalter. Als das Buch verfasst wurde, gab es Lehmann Brothers und das autonome Griechenland noch. Die Krise war fern. Dennoch versteht man sie nach der Lektüre etwas besser. (Michael Schlieben)

Robert Heilbroner, Lester Thurow: Wirtschaft – Das sollte man wissen. Aus dem Englischen von Jan W. Haas. Campus 2004, 331 S., 24,90 Euro.


Mehr Herz als Salinger

Drei Außenseiter, ein toter Mitschüler, ein Jahr auf einer High School im tristen Pittsburgh, 1991: Stephen Chboskys Jugendroman The Perks of Being a Wallflower erzählt entspannt und ohne falsche Dramatik vom Erwachsenwerden der Grunge- und Mixtape-Generation. Veröffentlicht im Jahr 2000 als vielleicht lieber morgen, doch schon seit Jahren vergriffen. So entschied sich Heyne in diesem Jahr für eine neue Übersetzung: Das also ist mein Leben folgt einer Gruppe hungriger, verletzter Teenager, auf Kollisionskurs mit der Welt. Mehr Herz als Der Fänger im Roggen, mehr Hirn als Virgin Suicides und 2012 im Kino. Ein Kultroman – ohne schmachtende Vampire. (Stefan Mesch)

Stephen Chbosky: Das also ist mein Leben. Aus dem Englischen von Oliver Plaschka. Heyne 2011, 288 S., 12,99 Euro. 


Fundiert zum Gründungsmythos

Viel ist vom Sozialismus in Vietnam nicht mehr übrig, der Geist des Staatsgründers und Revolutionärs Ho Chi Minh lebt trotzdem weiter. Reisenden erklärt sich dies und das Land mit der Biografie des deutschen Historikers Martin Großheim etwas leichter. Aus Hos Kindheit unter französischer Kolonialherrschaft, der Ausbildung zum kommunistischen Kader in Paris und Moskau, dem Freiheitskampf und später dem Krieg gegen Amerika fügt Großheim unterhaltsam, fundiert und analytisch den Gründungsmythos einer Nation zusammen. Die knapp 200 Seiten lange Lektüre ersetzt nicht den Reiseführer, lässt aber besser verstehen, warum die Vietnamesen ihren Onkel Ho immer noch als Volkshelden verehren. (Zacharias Zacharakis)

Martin Großheim: Ho Chi Minh. Der geheimnisvolle Revolutionär. CH. Beck, München 2011, 190 S., 12,95 Euro