Würdigungen Christa Wolf "Eine Frau mit einem hochanständigen Charakter"
Politiker und Kulturschaffende haben Christa Wolf gewürdigt. Eine der wichtigsten deutschen Nachkriegsautorinnen starb im Alter von 82 Jahren in Berlin.
Mehrere Persönlichkeiten haben die Autorin Christa Wolf gewürdigt. Bundespräsident Christian Wulff sagte, Wolfs Literatur habe die Menschen in Deutschland bewegt, begeistert und zum Nachdenken gebracht. "In ihrer Literatur fanden sich die großen Hoffnungen und Irrtümer, die Ängste und Sehnsüchte ganzer Generationen." Für sehr viele Leser sei Wolf mehr als eine Schriftstellerin gewesen. "Sie hat auf fast altmodische und doch immer aktuelle Weise an das Gute geglaubt und an die Verbesserungsfähigkeit des Menschen."
Wolf ist im Alter von 82 Jahren nach langer Krankheit in einer Berliner Klinik gestorben. Sie war eine der wichtigsten deutschen Autorinnen der Nachkriegszeit und wurde bis ins hohe Alter als Kandidatin für den Nobelpreis gehandelt.
Linke-Fraktionschef Gregor Gysi sagte, dass es sehr wehtue, dass eine Frau mit einem "hochanständigen Charakter" gestorben sei. "Aber ihre Literatur wird bleiben, da bin ich ganz sicher." Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) würdigte Wolf als eine der "bedeutendsten gesamtdeutschen Autorinnen der Gegenwart". Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte, dass "ihr außergewöhnliches schriftstellerisches Schaffen auch nach ihrem Tod weiter wirken wird". Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz erinnerte an Wolfs Worte auf der historischen Demonstration am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz.
"Eine mutige Schriftstellerin"
Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der sich früher distanziert über Wolf geäußert hatte, zeigte sich versöhnlich. "Sie war eine mutige Schriftstellerin, die die zentralen Fragen ihrer Zeit und ihrer Problematik ausdrücklich behandelt hat." Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse sagte MDR-Info, er sei seit 50 Jahre einer ihrer vielen Leser gewesen. "Es ist ein wirklicher Verlust!"
Der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, sagte, dass kaum eine andere Autorin der letzten Jahrzehnte für sich in Anspruch nehmen konnte, als moralische Instanz der DDR-Leserschaft und zugleich als Identifikationsfigur einer großen Zahl westdeutscher Leserinnen und Leser zu gelten.
2010 veröffentlichte Wolf mit dem Buch Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud (Los Angeles) eine Art Fortsetzung ihres Buchs Kindheitsmuster (1976) als Aufarbeitung der Zeit nach dem Mauerfall und dem Bekanntwerden ihrer früheren Tätigkeit für die Stasi. Darüber legte sie einen Dokumentationsband (Akteneinsicht Christa Wolf) an, benannte aber auch ihre eigene Bespitzelung durch die Stasi. Sie sprach von einem "dunklen Punkt" in ihrem Leben.
Wolf hatte sich immer wieder geweigert, die DDR zu verlassen. Für sie gab es keine Alternative zum sozialistischen Staat. Auf die Bedeutung dieser Geste wies der Autor Ingo Schule hin. Zu DDR-Zeiten sei es für ihn wichtig gewesen, "dass jemand wie sie eben nicht weggeht" und Wolfs Bücher weiter in der DDR erscheinen konnten.
Der Präsident der Schriftstellervereinigung PEN, Johano Strasser, sagte: "Sie war eine große Schriftstellerin, eine ganz wichtige Stimme. Wahrscheinlich eine, die es so bald in dieser Form nicht mehr geben wird." Er habe sie schon zu Beginn ihrer schriftstellerischen Arbeit kennengelernt. Ihre Art zu schreiben, sei sperrig gewesen. Immer wieder habe sie den Leser gezwungen, genau zu lesen. "So eine typische Stimme wie Christa Wolf, die wird es wohl nicht wieder geben."
- Datum 01.12.2011 - 18:33 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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Ach, was habe ich gestern am Esstisch geschimpft, dass Christa Wolf den Literaturnobelpreis nun nicht mehr bekommen wird. Ihre Poesie, der Mut, mit dem sie zeitlosen Sujets eine zeitliche Sprache verliehen hat, hätten es verdient gehabt. Und ja, ich habe mich maßlos geärgert, dass stattdessen die Rumpelprosa eines G.Grass schon längst in den internationalen Kanon aufgerückt ist, und diese Werke nicht. Aber ich werde sie weiter lesen, weiterreichen und sagen: Hier, seht, was in deutscher Sprache (heute noch) möglich (gewesen) ist.
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