Literatur Die Schriftstellerin Christa Wolf ist tot
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Reaktionen von Hermann Kant und Marcel Reich-Ranicki

Der ZEIT hatte sie im März ein großes Interview anlässlich des Unglücks in Fukushima gegeben. Kurz zuvor war ihr Buch Der Störfall neu aufgelegt worden, in dem sie 1987 die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl bearbeitet hatte. In dem Gespräch zeigte sie sich als unermüdliche Kapitalismuskritikerin: "Schon in den achtziger Jahren war das Ziel der Industriestaaten Wachstum, Wachstum, Wachstum. Jetzt haben wir uns endgültig in dem Widerspruch verfangen: Je bequemer wir leben, auch durch die massenhafte Herstellung zum Teil überflüssiger Industriewaren, desto näher kommen wir einer Zerstörung unserer Welt", sagte sie.

Wolf war aber nicht nur Diagnostikerin, sondern wollte zur Veränderung beitragen: "Das ist vielleicht der Grund, warum ich noch öffentlich spreche: Wir müssen das Dilemma unserer Gesellschaft endlich diskutieren. Vielleicht bestärke ich andere Menschen."

Christa Wolf wurde mit den wichtigsten Auszeichnungen geehrt. Sie bekam bereits 1963 den Heinrich-Mann-Preis, später folgten unter anderem der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur, der Georg-Büchner-Preis und der Thomas-Mann-Preis. 2002 erhielt sie den Deutschen Bücherpreis für ihr Lebenswerk. Die Jury lobte damals, Christa Wolf habe sich "mutig in die großen Debatten der DDR und des wiedervereinigten Deutschland eingemischt". Von mehreren Universitäten wurden ihr Ehrendoktorwürden verliehen. Sie galt bis zuletzt als Anwärterin auf den Literaturnobelpreis.

Der Schriftsteller Hermann Kant (85, Die Aula) hat sich erschüttert über die Nachricht vom Tod seiner Kollegin Christa Wolf gezeigt. "Es ist ein trauriger Tag für die deutsche Literatur, die Literatur überhaupt und für alle, die an dieser deutschen Literatur mitgewirkt haben", sagte er. "Mich erfüllt auch eine große Traurigkeit darüber, dass wir in einem Gespräch nicht mehr manches klären konnten. Ich hätte mich gerne mit ihr nochmal verständigt."

Kant galt gewissermaßen als der Gegenpol Wolfs in der DDR-Literatur, vor allem, als er einflussreicher Präsident des DDR-Schriftstellerverbandes war. Er erinnerte auch an die Zeiten "unserer frühen schriftstellerischen Jugend, als wir eigentlich befreundet waren – und wir sind später dann nicht fertig geworden mit den Konflikten, die aus den Großkonflikten auch für uns entstanden".

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der Christa Wolf früher eine "weit überbewertete Autorin" genannt hatte, äußerte sich nach ihrem Tod versöhnlich. "Sie war eine mutige Schriftstellerin, die die zentralen Fragen ihrer Zeit und ihrer Problematik ausdrücklich behandelt hat."

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Danke

    "Kein Ort.Nirgends" ist ein wichtiges Buch für mich. Es hat meine eigene Arbeit sehr geprägt. Danke.

  2. Ich habe von ihr nur "Medea" als Schullektüre gelesen, aber es war eines der wenigen Bücher, die mir aus dieser Zeit sehr positiv in Erinnerung sind.

  3. Mit Christa Wolf ist ein Idol verstorben. Kassandra, Kein Ort Nirgends, Nachdenken über Christa T. sind absolute Weltklasse, Relikte aus einer Zeit in der Bücher noch etwas galten.

    Alles Gute an die Hinterbliebenden, Frau Wolf hat Großes geleistet.

  4. Ich habe kürzlich wieder ihre Cassandra gelesen und war wieder beeindruckt wie beim ersten Mal.

    Danke, Christa Wolf.

  5. Ihr Roman "Kindheitsmuster" war für mich ihr wichtigstes Buch. Die Haltung, die sie dort vertrat - einerseits Trauer über die verlorene Heimat, aber auch Selbstkritik angesichts revanchistischer Gefühle - hat mich berührt.

  6. gerade jetzt in Zeiten der Krise hätte ich gerne noch einige Interviews mit ihr gelesen.

    Möge sie in Frieden ruhen.

  7. Ich halte den Wert ihres literarischen Werkes für maßlos überschätzt und unangemessen. Ihre Spitzeltätigkeit und ihre prinzipielle Treue zur sozialistischen Utopie diskreditieren ihr gesamtes Werk.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Harzer
    • 01.12.2011 um 14:38 Uhr

    ... Haben Sie sich die Mühe gemacht, etwas von ihr zu lesen ?
    Kennen Sie wirklich ihren Lebenslauf ?
    Wissen Sie mehr Stereotypen über die ehemalige DDR ?

    Mit dieser Einstellung können Sie mal mit Ulrich Greiner frühstücken gehen. Bis heute lassen sämtliche Anschuldigungen in dieser Sache Beweise vermissen. Wie Anfang der 90er auf Christa Wolf rumgehackt wurde, lässt jeden Anstand und jede Integrität vermissen. Hauptsache es gibt eine Schlagzeile.

    Wie peinlich:
    Mit einem Nicknamen zu schreiben: "Ich halte den Wert ihres literarischen Werkes für maßlos überschätzt und unangemessen".Und dann noch die Besserwisserei anzufügen, Christa Wolf sei Spitzel gewesen, was ihr Werk diskreditiere. Wie gesagt: anonym und "mutig". Anonym und "mutig", wie es eben Spitzel handhaben. Im Gegensatz zu dieser Ihrer Haltung hat Frau Wolf sich mit ihrer Biografie in der DDR in allen ihren Werken sowohl literarisch als auch sprachwahrhaftig beschäftigt.Ich habe kürzlich "Kindeheitsmuster" wieder gelesen und "Stadt der Engel...", ihr letztes Buch, als Zeugnis ihrer Eigenauseinandersetzung aufgenommen.

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf provozierende Äußerungen. Danke, die Redaktion/mk

    • Otto2
    • 14.12.2011 um 12:48 Uhr
    • Harzer
    • 01.12.2011 um 14:38 Uhr

    ... Haben Sie sich die Mühe gemacht, etwas von ihr zu lesen ?
    Kennen Sie wirklich ihren Lebenslauf ?
    Wissen Sie mehr Stereotypen über die ehemalige DDR ?

    Mit dieser Einstellung können Sie mal mit Ulrich Greiner frühstücken gehen. Bis heute lassen sämtliche Anschuldigungen in dieser Sache Beweise vermissen. Wie Anfang der 90er auf Christa Wolf rumgehackt wurde, lässt jeden Anstand und jede Integrität vermissen. Hauptsache es gibt eine Schlagzeile.

    Wie peinlich:
    Mit einem Nicknamen zu schreiben: "Ich halte den Wert ihres literarischen Werkes für maßlos überschätzt und unangemessen".Und dann noch die Besserwisserei anzufügen, Christa Wolf sei Spitzel gewesen, was ihr Werk diskreditiere. Wie gesagt: anonym und "mutig". Anonym und "mutig", wie es eben Spitzel handhaben. Im Gegensatz zu dieser Ihrer Haltung hat Frau Wolf sich mit ihrer Biografie in der DDR in allen ihren Werken sowohl literarisch als auch sprachwahrhaftig beschäftigt.Ich habe kürzlich "Kindeheitsmuster" wieder gelesen und "Stadt der Engel...", ihr letztes Buch, als Zeugnis ihrer Eigenauseinandersetzung aufgenommen.

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf provozierende Äußerungen. Danke, die Redaktion/mk

    • Otto2
    • 14.12.2011 um 12:48 Uhr
    • Harzer
    • 01.12.2011 um 14:31 Uhr

    ... ein Schwergewicht. Während eines langen Lebens immer wieder "gewogen" und nie als zu leicht befunden !

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