NS-Zeit Hitler ist nicht totzukriegen
In Magazinen, Unterhaltungsfilmen und politischen Vergleichen: Jedem fällt zu Hitler etwas ein. Das Spiel mit dem Diktator ist eine Banalisierung des Bösen.
© Hulton Archive

Adolf Hitler, 1936
Jedem fällt zu Hitler etwas ein. Wirklich jedem. Den Glossenschreibern in den Zeitungen, den Redenschwingern am Tresen ebenso wie denen in den Talkshows, desgleichen den Historikern, den Zeitungsmachern und Politikern, den bezahlten Komikern im Fernsehen und den Scherzkeksen im Internet. Und alle, alle haben sie etwas zu Hitler zu sagen. Hitler macht weiter, Hitler ist überall – und scheinbar nicht totzukriegen.
Ob wir es also wollen oder nicht, ob wir es mögen oder nicht: Das "Dritte Reich" bleibt präsent – in der Politik als Erinnerung an das Versagen der Demokratie und als Mahnung für die Zukunft. In den Medien als beliebter Gegenstand von Dokumentationen und Lehrstücken, in den wieder aufgebauten Städten in Form von Mahnmalen und Gedenkstätten. Und im Alltag in Gestalt von Graffiti, Liedern und Gedichten sowie fragwürdigen Schmierereien auf Bahnhofstoiletten. Auch in unseren Wortschatz, in unsere Witze, in unsere Träume und Ängste hat Hitler, der "Führer" und Verführer (gerne mit rollendem R als "der Föhrer"), Eingang gefunden – fast immer dargestellt als das Böse, der Teufel in Person, als erbärmliche Witzfigur, als verrückter, wirrer Mann. In welcher Inkarnation auch immer: Hitler lebt.
Hitler als Abziehbild
In uns, in unserer Gesellschaft, auf hohem kulturellem und wissenschaftlichem Niveau ebenso wie in den Niederungen von Werbung und Massenunterhaltung. Mit Distanz und einer gewissen Bitterkeit, aber mit noch mehr Erstaunen muss man heute feststellen: So viel Hitler war selten. Dabei, und das mag für viele erst einmal überraschend klingen, ist durchaus nicht immer der Adolf Hitler aus dem Geschichtsbuch gemeint. Dieser Hitler, der heute durch die Gazetten und Fernsehkommentare geistert, ist vielmehr ein Abziehbild und Schatten – ein Hitler-Gespenst, das in Europa und der Welt umgeht. Ein medialer Wiedergänger, dem jede Widersprüchlichkeit genommen wurde.

ist Jahrgang 1980, hat Public Policy, Politikwissenschaft sowie Medien- und Kommunikationswissenschaft in Göttingen und Berlin studiert und ist Journalist. Er war Kolumnist für Neon; für die taz betreibt er seit 2006 den Hitlerblog, der 2010 als "bestes Weblog des Jahres" mit einem Lead Award in Bronze ausgezeichnet wurde. Bis September 2011 war er Redakteur von ZEIT ONLINE. Texte von ihm sind unter anderem in der Süddeutschen Zeitung, in der Frankfurter Rundschau, im Bildblog und der Riesenmaschine der Zentralen Intelligenz Agentur (Z.I.A.) erschienen. Sein Buch Soviel Hitler war selten erscheint am 9. Januar 2012 im Heyne Verlag. Daniel Erk wohnt in Berlin.
Dieser Hitler gilt als Alleinschuldiger für Krieg und Völkermord, denn nicht die Deutschen, Hitler allein ist in der Vorstellung vieler schuld an Holocaust und Angriffskrieg. Diese Banalisierung des Bösen ist nicht bloß ein Nebeneffekt, der zwangsläufig passiert, wenn man so komplexe Geschehnisse wie Nationalsozialismus und Holocaust auf 90 Kinominuten, eine Zeitungsseite, eine Pointe oder eine Stunde Fernsehen zusammenstreichen muss. Sie ist oft auch deshalb willkommen, weil sie für die Deutschen eine gute Gelegenheit darstellt, sich von jedem Verdacht freizusprechen, alle Schuld und jede Mitverantwortung für die Verbrechen von sich zu weisen und stattdessen alles auf ihn zu schieben – auf Hitler, die Personifikation des Bösen schlechthin.
Bisweilen erinnern die Aufarbeitung des Geschehenen und der Umgang mit der Frage nach Schuld und Verantwortung an die leichtfertigen Kommentare von Jugendlichen, die im Suff etwas Dummes angestellt haben: Tut mir leid, war ja gar nicht ich, das war dieser Hitler, an dem ich mich besoffen habe. Kommt nicht wieder vor. Und jetzt Schwamm drüber, bitte. So konnte es geschehen, dass dieses Hitler-Bild zur rhetorischen Mehrzweckwaffe wurde. Es eignete sich gleichermaßen als Müllhalde für kollektive Schuld und Verantwortung wie als Schreckgespenst. Mit ihm kann man alles, wirklich alles machen. Und so wird er mittlerweile sogar als Vergleichsgröße herangezogen, wenn es darum geht, die vermeintliche Abscheulichkeit heutiger Politiker zu bemessen – als handle es sich bei Hitler um eine Maßeinheit.
Wie viel Hitler steckte etwa in Kim Jong-il, dem nordkoreanischen Despoten? Wie war das mit George W. Bush? Und was ist mit Barack Obama? Ist er vielleicht auch ein bisschen Hitler? Und sei’s nur ein klitzekleines bisschen? Alles verfügbare Wissen, aller Anstand hält selten jemanden davon ab, eine der unsäglichen Hitler-Analogien zur Anwendung zu bringen. Und so haben Obamas radikale Gegner im eigenen Land ihren Präsidenten wegen eben der Einführung einer gesetzlichen Krankenversicherung mit Hitler verglichen.
Doch die Hitler-Figur ist längst aus dem politischen Bereich herausgetreten und durchlebt eine zweite Karriere als Werbefigur – und zwar keineswegs von einer Seite, von der man es erwarten würde. Nicht Neonazis und Faschisten, sondern die ganz gewöhnliche Produktwerbung versucht immer wieder mit Hitler auf einfache und billige Weise zu zeigen, dass etwas unaussprechlich abscheulich ist und somit als verbrecherisch zu gelten hat: Rauchen etwa, das Abholzen von Wäldern, die Verarbeitung von Pelzen, Käfighaltung von Tieren. Aber selbst für die Erzeugung von Glücksgefühlen muss bisweilen Hitler herhalten. Da wird dann in Anzeigen suggeriert, eine asiatische Nudelsuppe oder ein rumänisches Radio seien so umwerfend, dass sie selbst einen Menschen wie Hitler handzahm und friedlich gemacht hätten. Wie weit solche Assoziationen gehen, hat das Satiremagazin Titanic mehrfach kritisch hinterfragt und ad absurdum geführt.
Das Spiel mit dem Hitler ist, zumindest in Deutschland, auch rechtlich eine Gratwanderung. Der Paragraf 86a des deutschen Strafgesetzbuchs regelt nämlich, dass die Symbole verfassungsfeindlicher und verbotener Organisationen nicht in der Öffentlichkeit gezeigt werden dürfen. Und zu diesen Symbolen gehören nicht allein das Hakenkreuz, die Siegrune und der Totenkopf der entsprechenden SS-Division, sondern auch die Phrasen "Sieg Heil", "Heil Hitler" und "Meine Ehre heißt Treue" sowie Bilder vom Kopf Adolf Hitlers. Das Verbot gilt tatsächlich vollkommen unabhängig von der zugrunde liegenden Absicht oder Gesinnung – mit einer Ausnahme. Nämlich dann,wenn mit solchen Symbolen und Sätzen offenkundig die Gegnerschaft zum NS-Regime ausgedrückt werden soll.

Diese juristischen Feinheiten haben natürlich kaum jemanden davon abgehalten, sich am Phänomen Hitler abzuarbeiten. Hitler ist längst zu einer beliebten Witz- und Comicfigur mutiert – mäßig begabte Komödianten bedienen sich bei ihm ebenso unqualifiziert wie Cartoonisten, Texter, Theatermacher und Musiker. Wo die deutsch-jüdische Philosophin Hannah Arendt in ihren Reportagen über den Prozess gegen Adolf Eichmann, der 1961 in Jerusalem stattfand, über den Organisator der Deportationen und des Holocaust noch von der "Banalität des Bösen" sprach, bleibt angesichts dieser neuen Allgegenwärtigkeit Hitlers bloß noch eine Banalisierung des Bösen festzustellen.
Man lebt ganz gut davon
Dazu hat auch die Verarbeitung des ""Dritten Reich"es" durch die Unterhaltungsindustrie beigetragen. In dem Moment, da sich Hollywood dem Holocaust zuwandte – wie mit Anne Frank – Die wahre Geschichte und vor allem mit Schindlers Liste –, blieb das nicht ohne Konsequenzen für den alltäglichen Umgang mit Personen, Symbolen und Inhalten des Nationalsozialismus.
Und natürlich lebt man zudem gut davon: Oliver Hirschbiegels Film Der Untergang von 2004 haben mehr als 4,5 Millionen Deutsche im Kino gesehen – das weltweite Einspielergebnis soll 92 Millionen US-Dollar betragen haben. Das Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel hatte bis 2010 insgesamt 46-mal Adolf Hitler oder einen anderen Nazi auf dem Cover. Und allein zwischen 1995 und 2009 wurden ganze 13 Dokumentationen von Guido Knopp zu Hitler und zum Zweiten Weltkrieg ausgestrahlt. "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland", schrieb Paul Celan in seiner Todesfuge, dem vielleicht eindringlichsten Gedicht über den Holocaust. Heute klingt das wie ein Fluch: Immer, immer wenn es um Tod und Verderben geht, ist Hitler als Meister aus Deutschland nicht fern.
Henryk M. Broder hat 1989 im Spiegel beinahe prophetisch geschrieben: "Was macht die Menschen so kirre? Es sind ja nicht nur die sogenannten Ewiggestrigen und die paar Neo-Nazis, die glasige Augen und feuchte Hände kriegen, wenn ER aus der Gruft der Geschichte aufsteigt. Eine mögliche Erklärung wäre: Die Beschäftigung mit dem "Dritten Reich", egal ob kritisch, apologetisch oder affirmativ, hat einen überaus hohen Unterhaltungswert."
Unklar ist allerdings, worüber und warum man eigentlich lacht, wenn der Name Hitler fällt. Lacht man aus Unsicherheit? Über den oft so heuchlerischen, verlogenen, verkrampften und dümmlichen Umgang der Deutschen mit ihrer Geschichte? Über die alberne Wortwahl und die falsche Betroffenheit und die gleichzeitige, oft gar nicht so klammheimliche Faszination? Und lacht man, ob man nun will oder nicht, dabei nicht zugleich immer über die Opfer?
Interessanterweise sind gerade die Deutschen sehr penibel und ängstlich, was solch bittere Pointen über dieses sogenannte "dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte" betrifft. Deutlich penibler jedenfalls als Amerikaner, Engländer und Israelis. Beinahe so, als wollten sie ihre aufrechte, antifaschistische Gesinnung auf diese Weise unter Beweis stellen – blöderweise einige Jahre zu spät. Wie groß dieser Spielraum für böse Scherze zum "Dritten Reich" ist, hängt sehr stark vom Land ab – und vom Jahrgang. Tendenziell scheinen die betroffenen Generationen und Länder verständlicherweise sensibler im Umgang mit der ja selbst erlebten Geschichte zu sein, während die Nachgeborenen ebenso wie Bewohner aus entfernten Weltregionen, beide ausgestattet mit einer größeren Distanz, deutlich respekt- und rücksichtsloser zu Werke gehen.
Man sollte also meinen, es sei Konsens, dass Hitler-Deutschland und seine Verbrechen in den Fängen der Unterhaltungsindustrie nicht unbedingt gut aufgehoben sind. Vor allem nicht angesichts der Tatsache, dass in den kommenden Jahren mehr und mehr Zeitzeugen, Opfer wie Täter, sterben und Erinnerung und Gedenken an "Drittes Reich", Weltkrieg und Holocaust somit immer abstrakter werden. Sobald das geschieht, tut sich fast zwangsläufig ein noch größerer Spielraum für Interpretationen, Banalisierungen und Schindluder auf, und die Gefahr, dass der geschichtliche Kern zunehmend ins Hintertreffen gerät, wächst weiter.
Wer weiß: Wahrscheinlich sitzt die erste Generation, die auf YouTube mehr über das "Dritte Reich" und Hitler erfährt als aus dem Geschichtsunterricht, bereits vor den Monitoren. Anders gesagt: Vielleicht sollte man die Vermittlung von Geschichte lieber nicht Boulevardblättern, Hobbykomikern und Hollywood überlassen, sondern diese Entwicklung eindämmen, soweit das überhaupt noch möglich ist. Denn die Banalisierung des Bösen geht unverdrossen weiter, und ein Ende ist nicht in Sicht. Es mag ja begrüßenswert sein, dass 70 Jahre nach "Drittem Reich", Hitler und Holocaust den meisten noch etwas zu diesem Thema einfällt – aber müssen es fast ausschließlich Klischees und schlechte Scherze sein?
Dieser Text ist ein Auszug aus:
Daniel Erk: Soviel Hitler war selten. Die Banalisierung des Bösen oder warum der Mann mit dem kleinen Bart nicht totzukriegen ist.
Heyne Verlag, München 2012. 240 S. 9,99 Euro.
Das Buch erscheint am 9. Januar 2012.
- Datum 06.01.2012 - 11:20 Uhr
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Weil z.B. so mancher sich an diesem Gegenstand durch entsprechenden Gesinnungsexhibitionismus für höhere publizistische Aufgaben empfehlen kann.
q.e.d.
(Ich schlage Herrn Erk für die Nachwuchs-Godwin-Medaille vor.)
Ist das nicht eine herrliche Ironie, da schreibt einer ein weiteres Buch im Hitlerkontext und beklagt darin, dass Hitler nicht in der Gesellschaft tot zu kriegen ist und andere mit Hitlerbüchern und Ähnlichem Geld verdienen.
Ich glaube ich schreibe jetzt ein Buch über Menschen die Hitlerbücher schreiben...
Schon verwunderlich...
Schon verwunderlich…
Und: das Böse IST banal. Da bin ich mit Hannah Arendt.
Deswegen hat sich Helge Schneider auch von seinem Hitler-Film distanziert: er hätte dem Gröfaz gerne noch etwas heftiger durch den Kakao gezogen.
Kürzlich hörte ich im TV jemand sagen: »Hitler war ein blödes Arschloch.« Ha! Genau, das war er und nichts anderes. Das, was an Hitler leider tatsächlich nicht totzukriegen ist, ist die Tendenz der Schuldabwälzung auf DEN GROSSEN ANDEREN, ob er nun Hitler, Stalin oder Gott genannt wird. Das ist eine Sache für die Couch.
ich glaube ich schreibe jetzt ein Buch über Menschen die Jesusbücher schreiben und daran Geld verdienen. :-D
eine ist Aufklärung und Information zu leisten, damit sich für die Zukunft weitestgehend vermeiden lässt, dass rassistische Mörderbanden und verbrecherische Organisationen die Demokratie aushebeln,
eine andere ist, den "Führer" Adolf Hitler auf für die Gesellschaft peinliche Weise weiter zu verherrlichen und im braunen Milieu entsprechende Devotionalien zu verkaufen.
Schon verwunderlich...
Schon verwunderlich…
Und: das Böse IST banal. Da bin ich mit Hannah Arendt.
Deswegen hat sich Helge Schneider auch von seinem Hitler-Film distanziert: er hätte dem Gröfaz gerne noch etwas heftiger durch den Kakao gezogen.
Kürzlich hörte ich im TV jemand sagen: »Hitler war ein blödes Arschloch.« Ha! Genau, das war er und nichts anderes. Das, was an Hitler leider tatsächlich nicht totzukriegen ist, ist die Tendenz der Schuldabwälzung auf DEN GROSSEN ANDEREN, ob er nun Hitler, Stalin oder Gott genannt wird. Das ist eine Sache für die Couch.
ich glaube ich schreibe jetzt ein Buch über Menschen die Jesusbücher schreiben und daran Geld verdienen. :-D
eine ist Aufklärung und Information zu leisten, damit sich für die Zukunft weitestgehend vermeiden lässt, dass rassistische Mörderbanden und verbrecherische Organisationen die Demokratie aushebeln,
eine andere ist, den "Führer" Adolf Hitler auf für die Gesellschaft peinliche Weise weiter zu verherrlichen und im braunen Milieu entsprechende Devotionalien zu verkaufen.
es war nur einer Böse.
Das so ziemlich alles, was Macht und Sagen hatte, HINTER dem Herrn mit dem Bart standen und an ihm gut verdienten, fällt dann mal schnell unter den Tisch. ( Und das ein Grossteil der damaligen "Helfer/Profteuere" in Form ihrer Enkel heute immer noch aktiv sind auch )
Ausserdem bietet die mediale Darbietung der damaligen Zeit genug Anschauungsmaterial, um im hier und jetzt zu erkenne, dass die Methoden verfeinert wurden und genauso gut wirken wie vor 70 Jahren.
Und das nicht nur in Schland.
Glauben Sie tatsächlich an Reinkarnation?
Zitat:
"Und das ein Grossteil der damaligen "Helfer/Profteuere" in Form ihrer Enkel heute immer noch aktiv sind"
Glauben Sie tatsächlich an Reinkarnation?
Zitat:
"Und das ein Grossteil der damaligen "Helfer/Profteuere" in Form ihrer Enkel heute immer noch aktiv sind"
So unklar finde ich das gar nicht. Hitler wurde zum absoluten Tabu erklärt von allen Gutmenschen nach dem Krieg und von allen BöseMenschen, die froh sind, nichts mehr mit ihrer Vergangenheit zu tun haben zu müssen. Teilweise ist dieses Tabu sehr lächerlich, wenn z.B. Filme zensiert werden bei Youtube, wenn Hitlers Mein Kampf in Deutschland nicht gelesen werden darf etc.. Klar gibt es Dumpfköpfe, die eventuell dieses als ihre neue Bibel verherrlichen würden, aber die gibt es so und so.
Je stärker ein Tabu, desto größer ist der Reiz, es auf den Tisch zu legen. In Cabarett-Sendungen sieht man sehr oft, dass gerade an solchen Stellen am meisten gelacht wird, wenn man z.B. über Merkel herzieht, dass die Schwarte kracht, Geschlechtsteile öffentlich verbal in Bewegung gesetzt werden, wenn man sozusagen die Sau rauslässt, was man im normalen Leben so nie machen würde.
Lachen wird gedeutet als Abwehr, einen Gedanken in sich aufzunehmen, der passt nicht in die übliche vertretbare Gedankenwelt. Vielleicht ist es hier auch die klammheimliche Freude, diese ganzen Zensoren und Gutmenschen unterlaufen zu haben, ihre Machtmauern zum Teil einstürzen zu lassen. Ein kleiner persönlicher Sieg über von oben verordnete Meinungen.
Will man nicht mehr lachen über Hitler, sollte man alles dafür tun, ihn zu enttabuisieren. Es wäre höllisch interessant zu wissen die dieser Mann (psychologisch) so viele Lemminge anziehen und ins Meer führen konnte. Wie durchbricht man die Macht der Mächtigen?!
Es ist mal wieder bezeichnend, dass ein Kommentar die Redaktionsempfehlung erhält, in dem das Gutmensch-Wort gleich zweimal benutzt wird.
Ferner werden unsinnige Behauptungen aufgestellt, wie bspw. dass das Lesen von mein Kampf verboten wäre. Das ist natürlich Unfug. Jeder darf dieses Buch lesen.
Ausserdem wird von einem Tabu Hitler fabuliert, was ebenfalls Unsinn ist. Es gibt zahlreiche Dokumentationen, die aufzeigen (oder es zumindest versuchen), wie Hitler die Masse verführte. Ebenfalls wird Hitler mit samt seiner Familie psychologisch auseinandergenommen und analysiert.
Es ist mal wieder bezeichnend, dass ein Kommentar die Redaktionsempfehlung erhält, in dem das Gutmensch-Wort gleich zweimal benutzt wird.
Ferner werden unsinnige Behauptungen aufgestellt, wie bspw. dass das Lesen von mein Kampf verboten wäre. Das ist natürlich Unfug. Jeder darf dieses Buch lesen.
Ausserdem wird von einem Tabu Hitler fabuliert, was ebenfalls Unsinn ist. Es gibt zahlreiche Dokumentationen, die aufzeigen (oder es zumindest versuchen), wie Hitler die Masse verführte. Ebenfalls wird Hitler mit samt seiner Familie psychologisch auseinandergenommen und analysiert.
Die meisten Deutschen heutzutage sind Jahrzehnte nach der Nazizeit geboren - und können schon deshalb nicht für Hitler verantwortlich sein. Wie könnte man für etwas verantwortlich sein, das man überhaupt nicht ändern kann - für einen Abschnitt der Geschichte Deutschlands vor der eigenen Geburt?
Schreibt der Autor von der Gegenwart - 1980 geboren, braucht er sich z.B. nicht "von jedem Verdacht freisprechen, alle Schuld und jede Mitverantwortung ... von sich zu weisen -
oder schreibt er von der Nachkriegsvergangenheit, als viele Verbrecher und Mitläufer - das waren ja nicht alle, aber eine viel zu große Anzahl - auf mehr oder weniger wichtigen Positionen sassen, und ihre eigene Mittäterschaft herunterspielten oder verschwiegen.
Diese Zeit liegt mittlerweile weit länger als eine Generation zurück.
Offenbar befindet sich der Journalismus aber in einer Zeitschleife, und muß ohne Rücksicht auf die gegenwärtige Situation dasselbe Mantra ad infinitum wiederholen - oder gab es denn in den letzten 10 Jahren eine einzige Woche, in welcher man nicht in den Medien mit der Wiederholung immer derselben Informationen über die NS-Verbrechen versorgt wurde?
Vielleicht ist die Trivialisierung von H. als Witzfigur nichts als eine Abwehrreaktion gegen die negative Ikonofizierung durch die Medien?
Vielleicht stumpfen die Menschen einfach ab, wenn man ihnen wieder und wieder dasselbe predigt?
Glauben Sie tatsächlich an Reinkarnation?
Zitat:
"Und das ein Grossteil der damaligen "Helfer/Profteuere" in Form ihrer Enkel heute immer noch aktiv sind"
"Glauben Sie tatsächlich an Reinkarnation?"
zu
"Und das ein Grossteil der damaligen Helfer/Prof[i]teu[e]re" in Form ihrer Enkel heute immer noch aktiv sind [Emma das Turbohuhn]"
In abgeschwächter Form: "... in Form ihrer Enkel heute immer noch PASSIV sind" hat Emma wohl einen relevanten Punkt getroffen. Ob es schlimmer ist, wird lieber nicht wissenschaftlich untersucht, aber ich will mich nicht wiederholen (http://www.zeit.de/politi...). Leider hat die Generation "Schulbildung vor der Wende" und auch heute kaum eine Chance, wenn sie nicht weiß, wonach sie genau im großen medialen Kaugummihaufen suchen muss (z.B. Dok-Filme nach 24 Uhr in Alibi-Fernsehkanälen usw.). Und ich kann aus eigener Beboachtung sagen, es ist ein menschlicher Zug, durch generationenübergreifendes Unter-den-Teppich-Kehren und Behindern der Öffentlichmachung feige den Salat den Urenkeln in alten Koffern auf dem Dachboden zu überlassen. Es gehört ungemein viel Kopf und Selbstbewusstsein dazu, den Bauch auszuschalten und reinen Tisch zu machen. Ja, und die Verquickungen nebst Denunziantentum reichen bis sehr weit nach 1945. Es sitzen noch die KINDER an wichtigen Orten. Wenn politische Leichenfledderei der Parteien ausbliebe, könnte ein Bundespräsident..., aber auch das hatte ich schon irgendwo hier erwähnt.
"Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen. Wir trennen es von uns ab und stellen uns fremd." - C.Wolf (W.Faulkner)
"Glauben Sie tatsächlich an Reinkarnation?"
zu
"Und das ein Grossteil der damaligen Helfer/Prof[i]teu[e]re" in Form ihrer Enkel heute immer noch aktiv sind [Emma das Turbohuhn]"
In abgeschwächter Form: "... in Form ihrer Enkel heute immer noch PASSIV sind" hat Emma wohl einen relevanten Punkt getroffen. Ob es schlimmer ist, wird lieber nicht wissenschaftlich untersucht, aber ich will mich nicht wiederholen (http://www.zeit.de/politi...). Leider hat die Generation "Schulbildung vor der Wende" und auch heute kaum eine Chance, wenn sie nicht weiß, wonach sie genau im großen medialen Kaugummihaufen suchen muss (z.B. Dok-Filme nach 24 Uhr in Alibi-Fernsehkanälen usw.). Und ich kann aus eigener Beboachtung sagen, es ist ein menschlicher Zug, durch generationenübergreifendes Unter-den-Teppich-Kehren und Behindern der Öffentlichmachung feige den Salat den Urenkeln in alten Koffern auf dem Dachboden zu überlassen. Es gehört ungemein viel Kopf und Selbstbewusstsein dazu, den Bauch auszuschalten und reinen Tisch zu machen. Ja, und die Verquickungen nebst Denunziantentum reichen bis sehr weit nach 1945. Es sitzen noch die KINDER an wichtigen Orten. Wenn politische Leichenfledderei der Parteien ausbliebe, könnte ein Bundespräsident..., aber auch das hatte ich schon irgendwo hier erwähnt.
"Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen. Wir trennen es von uns ab und stellen uns fremd." - C.Wolf (W.Faulkner)
Exklusiv für die Damen und Herren "kalüpso" bzw. "mr head" ein weiterer Auszug aus dem Vorwort:
»Wenn man nun, wie ich, ein Blog betreibt (seit 2006), das den recht eindeutigen Namen Hitlerblog trägt, und die daraus erwachsenen Erkenntnisse zudem zu einem Buch zusammenfasst, dann ist dies wohl der Moment für Selbstkritik: Natürlich leben Buch wie Blog ebenfalls von dem Faszinosum Hitler. Natürlich sitzt man als Autor im Glashaus, wenn man einerseits dieses seltsame Bedürfnis nach morbidem Skandal und grenzwertiger Unterhaltung bedient – und all das andererseits aus guten Gründen ablehnt. Aber wie soll man einen Gegenstand ergründen, ohne sich ihm zu nähern?«
Im Übrigen, kalüpso, würde mich interessieren, was Sie unter "Gesinnungsexhibitionismus" verstehen und wo Sie denn im vorliegenden Ausschnitt denn finden. Derartige Anschuldigungen sind ja immer billig und schnell bei der Hand.
Beste Grüße
Daniel Erk
"...seit 2006"(!)
Da fühlt sich jemand aber auf den Schlips getreten...
" ...denn nicht die Deutschen, Hitler allein ist in der Vorstellung vieler schuld an Holocaust und Angriffskrieg. Diese Banalisierung des Bösen ... "
Herr Erk, Sie meinen, die Deutschen als Ethnie oder sonstiges Kollektiv trügen die Schuld. Alles andere sei eine "Banalisierung des Bösen".
Sie kennen selbstverständlich den Katechismus politischen Rechtglaubens in- und auswendig. Und gerieren sich hier "katholischer als der Papst". Darob ruht selbstverständlich das Wohlgefallen so manch Sie interessierenden Herausgebers auf Ihrem Haupt.
Und weil in der Sache Ihre oben zitierte These sogar bei Fried- und Liebermans Kopfschütteln auslösen würde, bezeichne ich Ihre vorauseilende Gesinnung als exhibitionistisch.
Aus Ihnen wird noch mal was! Wenn alles so bleibt ...
"...seit 2006"(!)
Da fühlt sich jemand aber auf den Schlips getreten...
" ...denn nicht die Deutschen, Hitler allein ist in der Vorstellung vieler schuld an Holocaust und Angriffskrieg. Diese Banalisierung des Bösen ... "
Herr Erk, Sie meinen, die Deutschen als Ethnie oder sonstiges Kollektiv trügen die Schuld. Alles andere sei eine "Banalisierung des Bösen".
Sie kennen selbstverständlich den Katechismus politischen Rechtglaubens in- und auswendig. Und gerieren sich hier "katholischer als der Papst". Darob ruht selbstverständlich das Wohlgefallen so manch Sie interessierenden Herausgebers auf Ihrem Haupt.
Und weil in der Sache Ihre oben zitierte These sogar bei Fried- und Liebermans Kopfschütteln auslösen würde, bezeichne ich Ihre vorauseilende Gesinnung als exhibitionistisch.
Aus Ihnen wird noch mal was! Wenn alles so bleibt ...
...immerhin ist das Kriegsende mehr als 60 Jahre her und die Deutschen winden sich aus dem Schattenwurf dieser unglücklichen Figur heraus, ebenso wie aus den ständigen Schuldvorwürfen. Die heute lebenden Generationen können damit nichts mehr anfangen, im besten Fall kennen die das dritte Reich noch aus Erzählungen von (Ur)Opa/Oma und aus dem Geschichtsbuch.
Mit dieser Enttabusisierung und Distanzierung passiert das, was in anderen Ländern schon viel früher eingesetzt hat, man verwurstet die Figur Hitler als die Personifizierung des Bösen und wie alles abstrakt Böse, welches einem einen angenehmen Schauder den Rücken runterjagt, spinnt sich ein eigener Kult aus Dokuserien usw. darum.
An sich eine begrüßenswerte Entwicklung, die Nazizeit ist langsam aber sicher endgültig in der Geschichte angelangt, und die Deutschen finden scheinbar wieder in einen Art Zustand zurück, wie er auch in anderen Ländern normal ist. Aber nur weil die Narben nicht mehr schmerzen, wird man sie deshalb trotzdem immer sehen...
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