NS-Zeit Hitler ist nicht totzukriegen
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Die Banalisierung des Bösen geht unverdrossen weiter

Interessanterweise sind gerade die Deutschen sehr penibel und ängstlich, was solch bittere Pointen über dieses sogenannte "dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte" betrifft. Deutlich penibler jedenfalls als Amerikaner, Engländer und Israelis. Beinahe so, als wollten sie ihre aufrechte, antifaschistische Gesinnung auf diese Weise unter Beweis stellen – blöderweise einige Jahre zu spät. Wie groß dieser Spielraum für böse Scherze zum "Dritten Reich" ist, hängt sehr stark vom Land ab – und vom Jahrgang. Tendenziell scheinen die betroffenen Generationen und Länder verständlicherweise sensibler im Umgang mit der ja selbst erlebten Geschichte zu sein, während die Nachgeborenen ebenso wie Bewohner aus entfernten Weltregionen, beide ausgestattet mit einer größeren Distanz, deutlich respekt- und rücksichtsloser zu Werke gehen.

Man sollte also meinen, es sei Konsens, dass Hitler-Deutschland und seine Verbrechen in den Fängen der Unterhaltungsindustrie nicht unbedingt gut aufgehoben sind. Vor allem nicht angesichts der Tatsache, dass in den kommenden Jahren mehr und mehr Zeitzeugen, Opfer wie Täter, sterben und Erinnerung und Gedenken an "Drittes Reich", Weltkrieg und Holocaust somit immer abstrakter werden. Sobald das geschieht, tut sich fast zwangsläufig ein noch größerer Spielraum für Interpretationen, Banalisierungen und Schindluder auf, und die Gefahr, dass der geschichtliche Kern zunehmend ins Hintertreffen gerät, wächst weiter.

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Wer weiß: Wahrscheinlich sitzt die erste Generation, die auf YouTube mehr über das "Dritte Reich" und Hitler erfährt als aus dem Geschichtsunterricht, bereits vor den Monitoren. Anders gesagt: Vielleicht sollte man die Vermittlung von Geschichte lieber nicht Boulevardblättern, Hobbykomikern und Hollywood überlassen, sondern diese Entwicklung eindämmen, soweit das überhaupt noch möglich ist. Denn die Banalisierung des Bösen geht unverdrossen weiter, und ein Ende ist nicht in Sicht. Es mag ja begrüßenswert sein, dass 70 Jahre nach "Drittem Reich", Hitler und Holocaust den meisten noch etwas zu diesem Thema einfällt – aber müssen es fast ausschließlich Klischees und schlechte Scherze sein?

Dieser Text ist ein Auszug aus:

Daniel Erk: Soviel Hitler war selten. Die Banalisierung des Bösen oder warum der Mann mit dem kleinen Bart nicht totzukriegen ist.
Heyne Verlag, München 2012. 240 S. 9,99 Euro.
Das Buch erscheint am 9. Januar 2012.

 
Leser-Kommentare
  1. Weil z.B. so mancher sich an diesem Gegenstand durch entsprechenden Gesinnungsexhibitionismus für höhere publizistische Aufgaben empfehlen kann.

    q.e.d.

    (Ich schlage Herrn Erk für die Nachwuchs-Godwin-Medaille vor.)

    19 Leser-Empfehlungen
  2. Ist das nicht eine herrliche Ironie, da schreibt einer ein weiteres Buch im Hitlerkontext und beklagt darin, dass Hitler nicht in der Gesellschaft tot zu kriegen ist und andere mit Hitlerbüchern und Ähnlichem Geld verdienen.

    Ich glaube ich schreibe jetzt ein Buch über Menschen die Hitlerbücher schreiben...

    28 Leser-Empfehlungen
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    Schon verwunderlich...

    Schon verwunderlich…

    Und: das Böse IST banal. Da bin ich mit Hannah Arendt.
    Deswegen hat sich Helge Schneider auch von seinem Hitler-Film distanziert: er hätte dem Gröfaz gerne noch etwas heftiger durch den Kakao gezogen.
    Kürzlich hörte ich im TV jemand sagen: »Hitler war ein blödes Arschloch.« Ha! Genau, das war er und nichts anderes. Das, was an Hitler leider tatsächlich nicht totzukriegen ist, ist die Tendenz der Schuldabwälzung auf DEN GROSSEN ANDEREN, ob er nun Hitler, Stalin oder Gott genannt wird. Das ist eine Sache für die Couch.

    ich glaube ich schreibe jetzt ein Buch über Menschen die Jesusbücher schreiben und daran Geld verdienen. :-D

    • xpeten
    • 06.01.2012 um 17:16 Uhr

    eine ist Aufklärung und Information zu leisten, damit sich für die Zukunft weitestgehend vermeiden lässt, dass rassistische Mörderbanden und verbrecherische Organisationen die Demokratie aushebeln,

    eine andere ist, den "Führer" Adolf Hitler auf für die Gesellschaft peinliche Weise weiter zu verherrlichen und im braunen Milieu entsprechende Devotionalien zu verkaufen.

    Schon verwunderlich...

    Schon verwunderlich…

    Und: das Böse IST banal. Da bin ich mit Hannah Arendt.
    Deswegen hat sich Helge Schneider auch von seinem Hitler-Film distanziert: er hätte dem Gröfaz gerne noch etwas heftiger durch den Kakao gezogen.
    Kürzlich hörte ich im TV jemand sagen: »Hitler war ein blödes Arschloch.« Ha! Genau, das war er und nichts anderes. Das, was an Hitler leider tatsächlich nicht totzukriegen ist, ist die Tendenz der Schuldabwälzung auf DEN GROSSEN ANDEREN, ob er nun Hitler, Stalin oder Gott genannt wird. Das ist eine Sache für die Couch.

    ich glaube ich schreibe jetzt ein Buch über Menschen die Jesusbücher schreiben und daran Geld verdienen. :-D

    • xpeten
    • 06.01.2012 um 17:16 Uhr

    eine ist Aufklärung und Information zu leisten, damit sich für die Zukunft weitestgehend vermeiden lässt, dass rassistische Mörderbanden und verbrecherische Organisationen die Demokratie aushebeln,

    eine andere ist, den "Führer" Adolf Hitler auf für die Gesellschaft peinliche Weise weiter zu verherrlichen und im braunen Milieu entsprechende Devotionalien zu verkaufen.

  3. es war nur einer Böse.

    Das so ziemlich alles, was Macht und Sagen hatte, HINTER dem Herrn mit dem Bart standen und an ihm gut verdienten, fällt dann mal schnell unter den Tisch. ( Und das ein Grossteil der damaligen "Helfer/Profteuere" in Form ihrer Enkel heute immer noch aktiv sind auch )

    Ausserdem bietet die mediale Darbietung der damaligen Zeit genug Anschauungsmaterial, um im hier und jetzt zu erkenne, dass die Methoden verfeinert wurden und genauso gut wirken wie vor 70 Jahren.

    Und das nicht nur in Schland.

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    • th
    • 06.01.2012 um 12:01 Uhr

    Glauben Sie tatsächlich an Reinkarnation?

    Zitat:
    "Und das ein Grossteil der damaligen "Helfer/Profteuere" in Form ihrer Enkel heute immer noch aktiv sind"

    • th
    • 06.01.2012 um 12:01 Uhr

    Glauben Sie tatsächlich an Reinkarnation?

    Zitat:
    "Und das ein Grossteil der damaligen "Helfer/Profteuere" in Form ihrer Enkel heute immer noch aktiv sind"

    • th
    • 06.01.2012 um 11:59 Uhr

    Die meisten Deutschen heutzutage sind Jahrzehnte nach der Nazizeit geboren - und können schon deshalb nicht für Hitler verantwortlich sein. Wie könnte man für etwas verantwortlich sein, das man überhaupt nicht ändern kann - für einen Abschnitt der Geschichte Deutschlands vor der eigenen Geburt?

    Schreibt der Autor von der Gegenwart - 1980 geboren, braucht er sich z.B. nicht "von jedem Verdacht freisprechen, alle Schuld und jede Mitverantwortung ... von sich zu weisen -
    oder schreibt er von der Nachkriegsvergangenheit, als viele Verbrecher und Mitläufer - das waren ja nicht alle, aber eine viel zu große Anzahl - auf mehr oder weniger wichtigen Positionen sassen, und ihre eigene Mittäterschaft herunterspielten oder verschwiegen.

    Diese Zeit liegt mittlerweile weit länger als eine Generation zurück.

    Offenbar befindet sich der Journalismus aber in einer Zeitschleife, und muß ohne Rücksicht auf die gegenwärtige Situation dasselbe Mantra ad infinitum wiederholen - oder gab es denn in den letzten 10 Jahren eine einzige Woche, in welcher man nicht in den Medien mit der Wiederholung immer derselben Informationen über die NS-Verbrechen versorgt wurde?

    Vielleicht ist die Trivialisierung von H. als Witzfigur nichts als eine Abwehrreaktion gegen die negative Ikonofizierung durch die Medien?

    Vielleicht stumpfen die Menschen einfach ab, wenn man ihnen wieder und wieder dasselbe predigt?

    10 Leser-Empfehlungen
    • th
    • 06.01.2012 um 12:01 Uhr

    Glauben Sie tatsächlich an Reinkarnation?

    Zitat:
    "Und das ein Grossteil der damaligen "Helfer/Profteuere" in Form ihrer Enkel heute immer noch aktiv sind"

    Antwort auf "Na klar, "
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    "Glauben Sie tatsächlich an Reinkarnation?"
    zu
    "Und das ein Grossteil der damaligen Helfer/Prof[i]teu[e]re" in Form ihrer Enkel heute immer noch aktiv sind [Emma das Turbohuhn]"

    In abgeschwächter Form: "... in Form ihrer Enkel heute immer noch PASSIV sind" hat Emma wohl einen relevanten Punkt getroffen. Ob es schlimmer ist, wird lieber nicht wissenschaftlich untersucht, aber ich will mich nicht wiederholen (http://www.zeit.de/politi...). Leider hat die Generation "Schulbildung vor der Wende" und auch heute kaum eine Chance, wenn sie nicht weiß, wonach sie genau im großen medialen Kaugummihaufen suchen muss (z.B. Dok-Filme nach 24 Uhr in Alibi-Fernsehkanälen usw.). Und ich kann aus eigener Beboachtung sagen, es ist ein menschlicher Zug, durch generationenübergreifendes Unter-den-Teppich-Kehren und Behindern der Öffentlichmachung feige den Salat den Urenkeln in alten Koffern auf dem Dachboden zu überlassen. Es gehört ungemein viel Kopf und Selbstbewusstsein dazu, den Bauch auszuschalten und reinen Tisch zu machen. Ja, und die Verquickungen nebst Denunziantentum reichen bis sehr weit nach 1945. Es sitzen noch die KINDER an wichtigen Orten. Wenn politische Leichenfledderei der Parteien ausbliebe, könnte ein Bundespräsident..., aber auch das hatte ich schon irgendwo hier erwähnt.

    "Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen. Wir trennen es von uns ab und stellen uns fremd." - C.Wolf (W.Faulkner)

    "Glauben Sie tatsächlich an Reinkarnation?"
    zu
    "Und das ein Grossteil der damaligen Helfer/Prof[i]teu[e]re" in Form ihrer Enkel heute immer noch aktiv sind [Emma das Turbohuhn]"

    In abgeschwächter Form: "... in Form ihrer Enkel heute immer noch PASSIV sind" hat Emma wohl einen relevanten Punkt getroffen. Ob es schlimmer ist, wird lieber nicht wissenschaftlich untersucht, aber ich will mich nicht wiederholen (http://www.zeit.de/politi...). Leider hat die Generation "Schulbildung vor der Wende" und auch heute kaum eine Chance, wenn sie nicht weiß, wonach sie genau im großen medialen Kaugummihaufen suchen muss (z.B. Dok-Filme nach 24 Uhr in Alibi-Fernsehkanälen usw.). Und ich kann aus eigener Beboachtung sagen, es ist ein menschlicher Zug, durch generationenübergreifendes Unter-den-Teppich-Kehren und Behindern der Öffentlichmachung feige den Salat den Urenkeln in alten Koffern auf dem Dachboden zu überlassen. Es gehört ungemein viel Kopf und Selbstbewusstsein dazu, den Bauch auszuschalten und reinen Tisch zu machen. Ja, und die Verquickungen nebst Denunziantentum reichen bis sehr weit nach 1945. Es sitzen noch die KINDER an wichtigen Orten. Wenn politische Leichenfledderei der Parteien ausbliebe, könnte ein Bundespräsident..., aber auch das hatte ich schon irgendwo hier erwähnt.

    "Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen. Wir trennen es von uns ab und stellen uns fremd." - C.Wolf (W.Faulkner)

  4. Freier Autor

    Exklusiv für die Damen und Herren "kalüpso" bzw. "mr head" ein weiterer Auszug aus dem Vorwort:

    »Wenn man nun, wie ich, ein Blog betreibt (seit 2006), das den recht eindeutigen Namen Hitlerblog trägt, und die daraus erwachsenen Erkenntnisse zudem zu einem Buch zusammenfasst, dann ist dies wohl der Moment für Selbstkritik: Natürlich leben Buch wie Blog ebenfalls von dem Faszinosum Hitler. Natürlich sitzt man als Autor im Glashaus, wenn man einerseits dieses seltsame Bedürfnis nach morbidem Skandal und grenzwertiger Unterhaltung bedient – und all das andererseits aus guten Gründen ablehnt. Aber wie soll man einen Gegenstand ergründen, ohne sich ihm zu nähern?«

    Im Übrigen, kalüpso, würde mich interessieren, was Sie unter "Gesinnungsexhibitionismus" verstehen und wo Sie denn im vorliegenden Ausschnitt denn finden. Derartige Anschuldigungen sind ja immer billig und schnell bei der Hand.

    Beste Grüße
    Daniel Erk

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    "...seit 2006"(!)

    Da fühlt sich jemand aber auf den Schlips getreten...

    " ...denn nicht die Deutschen, Hitler allein ist in der Vorstellung vieler schuld an Holocaust und Angriffskrieg. Diese Banalisierung des Bösen ... "

    Herr Erk, Sie meinen, die Deutschen als Ethnie oder sonstiges Kollektiv trügen die Schuld. Alles andere sei eine "Banalisierung des Bösen".

    Sie kennen selbstverständlich den Katechismus politischen Rechtglaubens in- und auswendig. Und gerieren sich hier "katholischer als der Papst". Darob ruht selbstverständlich das Wohlgefallen so manch Sie interessierenden Herausgebers auf Ihrem Haupt.

    Und weil in der Sache Ihre oben zitierte These sogar bei Fried- und Liebermans Kopfschütteln auslösen würde, bezeichne ich Ihre vorauseilende Gesinnung als exhibitionistisch.

    Aus Ihnen wird noch mal was! Wenn alles so bleibt ...

    "...seit 2006"(!)

    Da fühlt sich jemand aber auf den Schlips getreten...

    " ...denn nicht die Deutschen, Hitler allein ist in der Vorstellung vieler schuld an Holocaust und Angriffskrieg. Diese Banalisierung des Bösen ... "

    Herr Erk, Sie meinen, die Deutschen als Ethnie oder sonstiges Kollektiv trügen die Schuld. Alles andere sei eine "Banalisierung des Bösen".

    Sie kennen selbstverständlich den Katechismus politischen Rechtglaubens in- und auswendig. Und gerieren sich hier "katholischer als der Papst". Darob ruht selbstverständlich das Wohlgefallen so manch Sie interessierenden Herausgebers auf Ihrem Haupt.

    Und weil in der Sache Ihre oben zitierte These sogar bei Fried- und Liebermans Kopfschütteln auslösen würde, bezeichne ich Ihre vorauseilende Gesinnung als exhibitionistisch.

    Aus Ihnen wird noch mal was! Wenn alles so bleibt ...

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