Stephen King: Eine Treppe zurück in die Vergangenheit
Der Schriftsteller Stephen King spielt in "Der Anschlag" noch einmal das Attentat auf John F. Kennedy durch. Zur Hälfte ist das großartig, danach problematisch.
© Gulp Studio Inc.

Der Schriftsteller Stephen King
Die Hamburger in Al Templetons Diner sind eindeutig zu billig. Gerüchte machen die Runde – das könne doch kein Rindfleisch sein, was Al dort verarbeite, nicht für 1,19 Dollar pro Stück. Verhäckselt Al in seiner Küche möglicherweise Ratten und Katzen? Nein, die Antwort ist ganz einfach: Al kauft sein Fleisch im Jahr 1958 ein, zu den seinerzeit üblichen Preisen. Denn eine unsichtbare Stufe im Vorratsraum seines Imbisslokals führt an exakt den selben Ort, nur 54 Jahre zurück. Damit lässt sich etwas anfangen. Zum Beispiel Gott oder mindestens Schicksal spielen und die Geschichte umschreiben.
Das ist der Kosmos des Stephen King, in dem das Unheimliche auf so unerklärliche wie selbstverständliche Weise den amerikanischen Alltag durchdringt und die bürgerlichen Welten seiner Protagonisten auf den Kopf stellt. Hier also die Treppe, für deren Ursprung erst gar nicht nach rationalen Argumenten gesucht wird. Sie ist eben einfach da, so wie der Friedhof in Friedhof der Kuscheltiere einfach da ist, von dem die Verstorbenen als Untote zurückkehren. Ein Paradoxon an sich wäre es schließlich, den Versuch zu wagen, über das Unsagbare mit Worten zu verfügen.
Die Treppe also, später in Anspielung an Lewis Carrolls Alice in Wonderland nur noch "der Kaninchenbau" genannt, funktioniert folgendermaßen: Man tritt in die Vergangenheit hinein, hält sich dort auf und erlebt den realen Alterungsprozess; wenn man allerdings zurückkehrt, sind in der Echtzeit exakt zwei Minuten vergangen. Und: Wann immer man erneut in das Jahr 1958 hinein steigt, ist alles, was man bei seinem vorherigen Besuch verändert hat, sozusagen zurück auf Null, also auf Normalverlauf, gestellt.
Bei King schwinden die Grenzen zwischen U und E
So erklärt es sich, dass sich Al Templeton von einem Tag auf den nächsten von einem kerngesunden Mann zu einem Krebspatienten im Endstadium entwickelt hat. Al bittet einen seiner Stammkunden, den Lehrer Jack Epping, in die Vergangenheit zurückzukehren und dort zu Ende zu bringen, was er selbst begonnen hat: Den Mord an John F. Kennedy zu verhindern und damit, wie Al glaubt, dem Land eine bessere Zukunft zu bescheren. 11.22.63 heißt der neue Roman im amerikanischen Original, und um es gleich zu verraten: Nein, der Roman selbst verfällt nicht der historisch naiven Hoffnung, dass Leben oder Tod eines einzelnen, wenn auch vermeintlich noch so edel gesinnten Menschen über Wohl und Wehe der Weltgeschichte entscheiden könnten.
Seine Figuren allerdings hegen diese Hoffnung; das treibt sie an und den Roman voran. Es ist möglicherweise eines der größten Missverständnisse, in Stephen King, jenem Mann, der in diesem Jahr 65 Jahre alt wird und seit 1976 mit ungebrochener Produktivität einen Roman nach dem anderen veröffentlicht, in erster Linie den Verfasser von Horrorromanen zu sehen und ihn zugleich ins Triviale abzuschieben. Die viel beschworenen Grenzen zwischen U und E, zwischen Trash, Pop und Hochkultur, hebt King geradezu selbstverständlich auf. Es ist kein Zufall, dass der Schriftsteller Stewart O’Nan, des Banalen ganz sicher nicht verdächtig, Stephen King nicht nur einen ganzen Roman widmete (Die Speed Queen, ein Buch über eine Massenmörderin in der Todeszelle, das King sehr nahe ist), sondern sogar im Jahr 2004 gemeinsam mit King ein bis heute noch nicht übersetztes Buch über die Boston Red Sox veröffentlicht hat.





"Es" wurde bereits 1986 in deutscher Sprache veröffentlicht (http://de.wikipedia.org/wiki/Es_(Roman))
...vorallem die Liebesbeziehung zwischen Jake und Sadie ist ein wenig dünn, aber sie dient als Hintergrund für die King wohl wichtigere Liebesbeziehung mit den frühen 60er Jahren.
Nostalgie tropft von jeder Seite auch wenn das schöne Bild der guten alten US of A schon viele Risse und Flecken hat die direkt in die wirkliche Gegenwart führen.
Man kann das Buch auch als Zeitreise in die US-Gesellschaft der 60er Jahre lesen.
Im Buch sind einige "Easter-Eggs" für Fans versteckt, die im Artikel erwähnte Referenz zu "Es" ist nur eins davon.
Wer sich für Was-wäre-wenn Romane interessiert, wird vielleicht ein wenig enttäuscht sein und ist mit "Making History" von Stephen Fry bestimmt besser aufgehoben, lesenswert ist "Der Anschlag" jedoch bestimmt.
Die "vielbeschworenen Grenzen" zwischen E und U sind nichts weiter als Toleranzgrenzen in den Köpfen der Rezipienten; deshalb kann man sie nicht aufheben. Die sich objektiv gebende Kulturhierarchisierung geht nur auf Distinktionsbestrebungen der eingebildeten Kultureliten zurück und ist jenseits von Statusspielereien weitgehend bedeutungslos. Ob Hochkultur oder Pop, entweder es taugt etwas oder ist Schrott oder so lala, und jeder muß das ganz subjektiv in jedem Einzelfall entscheiden.
... ist mir leider zu beliebig. So einfach darf, muss man es sich aber nicht machen.
... ist mir leider zu beliebig. So einfach darf, muss man es sich aber nicht machen.
Enttäuscht ist man immer dann, wenn man etwas Anderes erwartet hat. Dabei ist es schnurzpiepegal ob die Erwartung angemessen war oder nicht..
Mein Lieblingsfoto zu Erwartung und tatsächlicher Abbildung:
http://meykosoft.jimdo.co...
Es gibt meines Wissens auch einige nicht"recherchierbare, nackte Tatsachen" im Zusammenhang mit dem Kennedy-Attendat.
"... so wie der Friedhof in Friedhof der Kuscheltiere einfach da ist, von dem die Verstorbenen als Untote zurückkehren."
Nein, er ist nicht einfach da: Auf diesem Friedhof begraben Kinder ihre verstorbenen Haustiere. Hinter diesem Tierfriedhof liegt ein Gelände, das auf einem ehemaligen, von einem bösartigen Wesen verfluchten Indianerfriedhof errichtet wurde. Von dort kehren Verstorbene wieder zurück.
So die Geschichte aus der Hand von Stephen King. Besser recherchieren wäre angesagt, von wegen "er ist einfach da".
... weder eine mangelhafte Recherche noch einen Widerspruch zwischen Ihrer und meiner Aussage erkennen.
die Bemerkung ist auch ein bisschen kleinlich. Ich habe das Buch auch gelesen und mich nicht an der Formulierung im Text gestört oder das Gefühl gehabt, der Rezensent hätte schlecht recherchiert. Das Übernatürliche ist ja trotzdem "einfach da". Die Tatsache, dass es ein "alter" Fluch ist, ändert für mich persönlich nichts. Und ein "rationales" Argument (diesen Begriff nutzt der Rezensent im Artikel!) ist die Sache mit dem Indianerfriedhof ja wirklich nicht!
... weder eine mangelhafte Recherche noch einen Widerspruch zwischen Ihrer und meiner Aussage erkennen.
die Bemerkung ist auch ein bisschen kleinlich. Ich habe das Buch auch gelesen und mich nicht an der Formulierung im Text gestört oder das Gefühl gehabt, der Rezensent hätte schlecht recherchiert. Das Übernatürliche ist ja trotzdem "einfach da". Die Tatsache, dass es ein "alter" Fluch ist, ändert für mich persönlich nichts. Und ein "rationales" Argument (diesen Begriff nutzt der Rezensent im Artikel!) ist die Sache mit dem Indianerfriedhof ja wirklich nicht!
... ist mir leider zu beliebig. So einfach darf, muss man es sich aber nicht machen.
Sie machen es sich aber sehr einfach mit Ihrer Aussage, in der gänzlich auf Argumentation verzichtet wird.
Sie machen es sich aber sehr einfach mit Ihrer Aussage, in der gänzlich auf Argumentation verzichtet wird.
... weder eine mangelhafte Recherche noch einen Widerspruch zwischen Ihrer und meiner Aussage erkennen.
Im Allgemeinen wird mit der Formulierung "einfach da" kein Hintergrund für einen Umstand geliefert, der Hintergrund zur Existenz und die Umstände des Friedhofs in "Friedhof der Kuscheltiere" wird aber im Buch sehr wohl genannt.
Ob diese Umstände jetzt rational sind oder nicht, spielt dabei keine Rolle, bei einer Horror-Geschichte ist es sogar so, dass Rationalität eher fehl am Platz ist.
Die "Logik" innerhalb dieser erfundenen Geschichte wird trotz allem benannt, was Sie mit Ihrer Formulierung "er ist einfach da" abstreiten.
Im Allgemeinen wird mit der Formulierung "einfach da" kein Hintergrund für einen Umstand geliefert, der Hintergrund zur Existenz und die Umstände des Friedhofs in "Friedhof der Kuscheltiere" wird aber im Buch sehr wohl genannt.
Ob diese Umstände jetzt rational sind oder nicht, spielt dabei keine Rolle, bei einer Horror-Geschichte ist es sogar so, dass Rationalität eher fehl am Platz ist.
Die "Logik" innerhalb dieser erfundenen Geschichte wird trotz allem benannt, was Sie mit Ihrer Formulierung "er ist einfach da" abstreiten.
die Bemerkung ist auch ein bisschen kleinlich. Ich habe das Buch auch gelesen und mich nicht an der Formulierung im Text gestört oder das Gefühl gehabt, der Rezensent hätte schlecht recherchiert. Das Übernatürliche ist ja trotzdem "einfach da". Die Tatsache, dass es ein "alter" Fluch ist, ändert für mich persönlich nichts. Und ein "rationales" Argument (diesen Begriff nutzt der Rezensent im Artikel!) ist die Sache mit dem Indianerfriedhof ja wirklich nicht!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren