Auf der Buchmesse : "Danke für das viele Geld"

Bereits im vergangenen Jahr war Wolfgang Herrndorf für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert, jetzt hat es geklappt. Den Preis nahm ein anderer für ihn entgegen.
Die Jury-Vorsitzende Verena Auffermann nahm auf der Leipziger Buchmesse die Blumen für den Buchpreisträger Wolfgang Herrndorf entgegen. © dpa

Der Sieger war nicht da. Was zu erwarten war. Womit auch klar ist, dass zu erwarten war, wer der Sieger sein würde. Wolfgang Herrndorf wurde für seinen Roman Sand mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet. Herrndorf, der seit seiner Gehirntumor-Diagnose in seinem Arbeit und Struktur -Blog sein Leben aufschreibt, "konnte und wollte nicht zur Preisverleihung kommen."

So sagte es Robert Koall, Chefdramaturg am Schauspiel Dresden , der stellvertretend für Herrndorf die Auszeichnung entgegennahm. Bereits im vergangenen Jahr stand der Berliner Schriftsteller auf der Nominierungsliste, damals mit Tschick . Dieses Mal musste es einfach klappen.

Es gehe in Sand , sagte die Jurorin Ingeborg Harms, "permanent um das physische und mentale Überleben". Zumindest die Finanzen sind nun einigermaßen in Ordnung: "Danke für das viele schöne Geld", rief Koall am Ende noch ins Mikro. 15.000 Euro immerhin. Nimmt man mal mit.

Osteuropaforscher Jörg Baberowski, der mit seinem Buch Verbrannte Erde in der Sachbuch-Kategorie ausgezeichnet wurde, dankte seiner Frau dafür, dass sie es ertragen hatte, "Stalin mehrere Jahre als Gast in unserem Haus zu haben". Und dass Christina Viragh für ihre Herkulesarbeit an Péter Nádas Parallelgeschichten den Übersetzerpreis zugesprochen bekam, verwunderte kaum. Zu wenige Frauen unter den nominierten Autoren? Kein Erzählungsband? "Wir sind keine Statistiker, wir sind Leser", sagte die Jury-Vorsitzende Verena Auffermann. Zum Glück.
 

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Kommentare

7 Kommentare Kommentieren

Preisgeld

Liebe(r) leanders,

ich vermute mal, dass jeder von uns 15000 Euro gut gebrauchen könnte, und zwar unabhängig davon, ob er oder sie todkrank ist oder nicht.
Wenn aber derjenige, der für Herrndorf stellvertretend den Preis entgegen nimmt, zu Protokoll gibt, Herrndorf könne und WOLLE an dieser Veranstaltung nicht teilnehmen; in einem Interview sagt, dass Herrndorf sich, selbst wenn er gesund gewesen sei, 100mal überlegt hätte, ob er zu einer derartigen Veranstaltung komme und sich dann mit einer flapsigen Bemerkung vom Podium verabschiedet, halte ich einen mindestens kleinen Seitenhieb nicht für unangebracht. Zynisch kann ich daran erst Recht nichts finden.

Beste Grüße,
Christoph Schröder

Also ...

... wenn ich mir die Leseprobe aus Nádas' "Parallelgeschichten" so ansehe, verwundert mich der Preis für Christina Viragh doch sehr. Das kommt ja einer übersetzerischen Bankrotterklärung gleich. Hölzern, holprig, ungelenk, um nicht zu sagen unbeholfen und von Fehlern (im Deutschen, wohlgemerkt) nur so strotzend. Furchtbar.