Auf der BuchmesseZur Currywurst mit dem Staatssekretär

Die Krawatte des Historikers Ian Kershaw sorgt für Gesprächsstoff, über Christian Kracht regt sich keiner mehr auf. Lesen Sie Christoph Schröders Beobachtungen auf der Leipziger Buchmesse. von 

Mit der Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung wurde die Leipziger Buchmesse eröffnet.

Mit der Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung wurde die Leipziger Buchmesse eröffnet.  |  © Hendrik Schmidt dpa/lsn

Sicher, man könnte etwas über die Reden sagen, die zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse im Gewandhaus gehalten wurden. Mit der Kollegin auf dem Nachbarsitz lief eine Wette: Wie lange wird es dauern, bis Gottfried Honnefelder, der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, zum ersten Mal das Wort "Urheberrecht" ausspricht? Exakt 95 Sekunden, handgestoppt. Und man muss ganz ehrlich sagen – er hat sogar Recht damit, auf diesem Thema herum zu reiten. Schließlich geht es um die Existenz. Wenn die Verlage sich wie kürzlich gegen den Vorwurf wehren müssen, sie seien eine "Content-Mafia", hört der Spaß auf.

Oder die Rede des Sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich . Der war gar nicht da, weil sein Flugzeug mit einem technischen Defekt in Frankfurt liegen geblieben war. Sagte der Staatssekretär. Der verlas dann auch Tillichs Redebeitrag. Das hätte er sich auch gerne sparen können. "Lesen bildet", las der Mann vom Blatt ab. Ach was.

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Deutlich mehr Gesprächsstoff lieferte dagegen die Krawatte von Ian Kershaw , wie der US-Amerikaner Timothy Snyder Träger des Preises zur Europäischen Verständigung 2012: Seide, rot, grün, gelb, blau gestreift. So etwas kann nur ein Engländer mit der gebotenen Souveränität tragen.

Unten im Foyer dann die übliche Currywurst und die üblichen Gespräche . Wolfgang Herrndorfs Roman sei das Beste, was in den vergangenen zehn Jahren in deutscher Sprache geschrieben worden sei, sagt der Kritiker M. Felicitas Hoppes Roman sei das Beste, was man seit vielen Jahren habe lesen dürfen, sagt der Kritiker S. Die Kritikerin P. merkt an, einen so grandiosen deutschen Roman wie den von Thomas von Steinaecker habe sie seit Jahren nicht gelesen. Der Kritiker K. mäkelt, wie jedes Jahr, der Bücherfrühling sei mal wieder ein wenig schwach auf der Brust. Mittendrin steht, beinahe unbemerkt, Christian "Türsteher rechten Gedankengutes" Kracht herum. Keine Skandale bislang. Gut so.

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