ZEIT ONLINE: Frau Ryland, der englischsprachige Buchmarkt ist der größte der Welt. Warum werden so wenig deutsche Bücher übersetzt?

Charlotte Ryland: Das ist die große Frage. Das hat nicht speziell mit der deutschen Literatur zu tun als vielmehr mit internationaler Literatur im Allgemeinen. Es hat eine Menge zu tun mit der Abgeschlossenheit unserer Kultur, dass Sprachen nicht gefördert werden und andere Kulturen als fremd und anders wahrgenommen werden. Ich denke, bei der deutschen Literatur im Besonderen gibt es eine vorgefasste Meinung, die vom Kanon geprägt ist, von Thomas Mann , Günther Grass und so weiter. Eine Literatur, die sehr lang ist, die philosophisch ist, kurz ernste Literatur.

ZEIT ONLINE: Welche Autoren werden denn übersetzt?

Ryland: Die Klassiker wie zum Beispiel Thomas Mann oder Stefan Zweig sind ziemlich populär. Wenn wir auf die Gegenwartsliteratur sehen, gibt es definitiv eine Tendenz zur populären Literatur, Krimis und Thriller. Im Verlagssektor war eines der großen Phänomene der letzten Jahre die Millienium -Trilogie von Stig Larsson . Über deren riesigen Erfolg hat sich der Markt für übersetzte Belletristik geöffnet, speziell der von Krimis und Thrillern. Wir haben Autoren wie Jan Costin Wagner . Er wird regelmäßig verlegt. Zoran Drvenkar , der kroatisch-deutsche Autor, kommt dieses Jahr mit Sorry raus. Und die große Neuigkeit ist gerade, dass Plan D von Simon Urban von Harvill Secker gekauft wurde.

ZEIT ONLINE: Welche der deutschen Autoren waren erfolgreich in England in der letzten Zeit?

Ryland: Erfolg ist ja relativ. Richtig gut verkaufen sich Bernhard Schlink , Patrick Süskind und Hans Fallada . Sie wissen das wahrscheinlich, dass Hans Falladas Jeder stirbt für sich allein ein großer Bestseller war. Das hat den Markt für vergessene Klassiker der deutschen Literatur geöffnet. Auf einem geringeren Verkaufsniveau gibt es Autoren wie Judith Hermann . Alle ihre drei Bücher wurden auf Englisch veröffentlicht. Sie hat einen ziemlich guten Namen im Sinne von literarischer Qualität. Daneben Jenny Erpenbeck. Auch ihre Romane werden durchweg übersetzt. Und das letzte, Heimsuchung , das mit Visitation übersetzt wurde, lief sehr gut für Qualitätsliteratur.

ZEIT ONLINE: Gibt es besondere Themen, die englische Leser an deutscher Literatur interessieren?