Das Land Bayern will 2015 eine wissenschaftlich kommentierte Ausgabe von Adolf Hitlers Buch Mein Kampf herausgeben und damit möglichem Missbrauch sowie kommerziellem Geschäft mit der Hetzschrift vorbeugen. Die Urheberrechte des Freistaats Bayern an der Propagandaschrift Hitlers laufen 2015 aus, weshalb dann eine Veröffentlichung durch Dritte nicht mehr verhindert werden kann.

Neben dem wissenschaftlich bearbeiteten Werk soll das Münchner Institut für Zeitgeschichte mit der Herausgabe einer Schulausgabe beauftragt werden. Sie solle junge Menschen zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Propaganda-Pamphlet anregen. "Wir wollen in allen Veröffentlichungen deutlich machen, welch großer Unsinn darin steht – allerdings mit fatalen Folgen", sagte der bayerische Finanzminister Markus Söder ( CSU ).

Die wissenschaftlichen Arbeiten für die kommentierte Ausgabe sind seinen Angaben zufolge bereits weit fortgeschritten. Ziel der Veröffentlichung sei die Entmystifizierung von Mein Kampf , sagte Söder nach einem Runden Tisch mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen in Nürnberg . Neben KZ-Überlebenden und ihren Angehörigen fürchten auch Vertreter der jüdischen Gemeinden einen Missbrauch des Hass-Pamphlets etwa durch Neonazis.

Gestoppte Veröffentlichungen

Hitler hatte die Hetzschrift 1924 während seiner Haft im bayerischen Landsberg am Lech geschrieben. Es gilt als ideologisches Grundwerk des nationalsozialistischen Terrors und wurde zu Hitlers Lebzeiten millionenfach gedruckt. Bisher hatte der Freistaat Bayern stets mit Hinweis auf sein Urheberrecht die Veröffentlichung unkommentierter Mein Kampf -Ausgaben gestoppt .

Söder sagte, dass vom Jahr 2016 an aber jedem die Veröffentlichung einer unkommentierten Ausgabe erlaubt sei – "vorausgesetzt, das geschieht nicht in volksverhetzender Weise". Es werde eine gewisse Medienaufmerksamkeit geben, die für verlegerisches Interesse an Mein Kampf sorgen könnte. Er hoffe, mit einer kommentierten Ausgabe solche Projekte für Verlage kommerziell unattraktiv zu machen.