Der Historiker Götz Aly ist in Frankfurt am Main mit dem renommierten Börne-Preis ausgezeichnet worden. Die Ludwig-Börne-Stiftung sprach dem 65-jährigen Schriftsteller den mit 20.000 Euro dotierten Preis für seinen Kampf gegen "nationale Legenden und Vorurteile" zu. Der alleinige Preisrichter, ZEIT-Feuilletonchef Jens Jessen , begründete seine Entscheidung mit Alys "besonderer Unerschrockenheit", mit der er in seinen Büchern "auf die wirtschaftlichen und finanziellen Motive der deutschen Antisemiten" aufmerksam gemacht habe.

Aly ziehe wie einst Börne "der schlummernden Wahrheit die schützende Decke weg", sagte Jessen in der Laudatio . In seinen Büchern habe Götz Aly mit großem politischen Mut viele neue und erschreckende Quellen über den Holocaust und den Antisemitismus erschlossen.

In seinem 2011 erschienenen Buch "Warum die Deutschen? Warum die Juden?" ging Aly der Frage nach, wie es zum Holocaust kommen konnte. In "Hitlers Volksstaat" (2005) hatte er über den Nationalsozialismus als Wohlfahrtsstaat geschrieben und damit eine Kontroverse unter deutschen Historikern ausgelöst.

Der Börne-Preis wird seit 1993 jährlich an deutschsprachige Autoren vergeben. Er erinnert an den aus Frankfurt stammenden Schriftsteller Ludwig Börne (1786-1837), der als Wegbereiter des politischen Feuilletons gilt. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderen die Publizisten Rudolf Augstein und Henryk M. Broder , die Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger und Georges-Arthur Goldschmidt sowie die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer . 2011 erhielt der heutige Bundespräsident Joachim Gauck den Preis. Es gibt keine mehrköpfige Jury, sondern nur eine einzige Person, die über die Vergabe des Börne-Preises entscheidet.