ComicsalonErlangen entdeckt den politischen Comic

Bedrückend und beeindruckend zugleich: Der 15. Erlangener Comic-Salon widmete sich in diesem Jahr insbesondere den politischen Werken des Genres. von 

Posterbild von Charles Burns

Posterbild von Charles Burns  |  © Illustration: Charles Burns, Copyright: caravain

In der Vergangenheit wurden Besucher des Comic-Salons fast ausschließlich von niedlichen Comichelden in Erlangen begrüßt. Einladend sollten sie aussehen und familienfreundlich sein. Auf dem diesjährigen Poster des amerikanischen Stargasts Charles Burns hingegen ist nur ein grotesk deformierter Wurm zu sehen, der seinen Betrachter ankreischt. Statt einzuladen, stößt dieses Bild ab – und dennoch ist Wegschauen keine Option, es strahlt eine ungeahnte Faszination aus. Das Plakat steht stellvertretend für die neue Ausrichtung des Comicfestivals, hin zum Unschönen und zum Verdrängten.

Hinter der Fassade des lustigen Comics brodelt es. Präsentiert sich Erlangen mit dem 15. Comic-Salon   am vergangenen Wochenende als freundliche Comicmetropole, mahnt das burns'sche Plakat an jeder Hausecke dazu, sich dem Verdrängten endlich zu stellen. Im Comic wurde das Politische viel zu lange ignoriert. Der Comic-Salon soll nicht länger mehr nur niedlich sein, sagt der Festivalleiter Bodo Birk, er muss sich dem gesellschaftlichen Wandel hin zum Politischen stellen. Während sich die Comicverlage vornehmlich um die Unterhaltung ihrer Leser kümmern, verstören Ausstellungen wie das Black.Light Project und die Geschichten aus der arabischen Welt.

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Künstler wie George Pratt, David von Bassewitz, Stefano Ricci und Ehrengast Lorenzo Mattoti (Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk) haben ihre üblichen Gefilde verlassen und nutzen ihre Kunst, um die verstörende Realität des Krieges darzustellen. Gemeinsam mit dem Fotografen Wolf Böwig hat der Journalist Pedro Rosa Mendes 1998 bis 2007 die Kriege in Westafrika (Sierra Leone) dokumentiert. Für das Projekt haben die Comickünstler die Bilder und Texte der Dokumentation in schwarze Farbe gekleidet. Ein verlockender Deckmantel, der Besucher erst anlockt, um sie anschließend mit den Gräueltaten des Diktators Charles Taylor und dessen Auswirkungen auf das Leben zu konfrontieren. Beeindruckend und bedrückend zugleich zeigt der ansonsten so fröhliche Comic, wie er auch mit Themen umgehen kann, die allein beim Zuschauen die Schmerzen und die Trauer der Betroffenen vermitteln.

Blacklight Project Bild (Ausstellung Reality by Merging Words, Photographs and Drawings – Black.Light Project Danijel Žeželj: Morie, Prince of the Dead

Blacklight Project Bild (Ausstellung Reality by Merging Words, Photographs and Drawings – Black.Light Project Danijel Žeželj: Morie, Prince of the Dead  |  © Black.Light Project

Viel Mühe haben sich auch Paul Derouet und Anna Gabai, die Kuratoren der Ausstellung Comics aus der arabischen Welt , gemacht. Lange vor dem Comic-Salon wurden sie von Erlangen aus nach Nordafrika entsandt, um den Kontakt zu Künstlern aufzubauen, die den Arabischen Frühling direkt miterlebt haben. Ausgestattet mit iPads wandeln die Besucher auf den Spuren der arabischen Künstler. Die gezeichneten Welten haben nichts mehr mit den romantischen Vorstellungen gemein, die Edward Said in Orientalism anprangert.

Vielmehr sind es Bruchstücke aus dem alltäglichen Leben der Künstler während der Revolution, von ihren kleinen und großen Kämpfen. Übersetzungsschwierigkeiten tauchen hier keine auf, denn mögen die Lebenswelten noch so fremd sein, so sind die Bildkompositionen und die Layouts der Comics doch angenehm vertraut. Ergänzt wird dieser transnationale Kontakt durch Live-Gespräche mit den Künstlern selbst via Skype – unter anderem zu Zeichnern aus Syrien , die nicht anreisen konnten.

Leserkommentare
  1. für den Bericht-er macht Hoffnung auf den Erhalt dieser Kunst, eine Kunst die in der Vergangenheit tatsächlich auch positive politische Situationen verursacht hat und es hoffentlich weiter wird.

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  • Schlagworte Auszeichnung | Charles Taylor | Comic | Künstler | Nordafrika | Skype
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