Lesen: Links und rechts Wasser, in der Mitte das Buch
Welche Bücher nimmt der Dichter ins Gepäck? Wir haben Schriftsteller, die zuallererst natürlich Leser sind, nach ihren Sommerlektüren und Sommerurlauben gefragt.
Mit ein wenig Glück bleibt einmal im Jahr die Zeit stehen. Die zu erledigenden Dinge sind erledigt, oder das noch zu Erledigende verliert für ein paar Tage alle Dringlichkeit. Man tauscht den Ort des Gewöhnlichen gegen einen fantastisch anderen ein, taucht in eine zweckfreie Welt, ganz real oder in Gedanken. Ein paar Sommerwochen lang herrscht Stillstand und eine angenehme Trägheit. Die Städte leeren sich; die Menschen bewegen sich in Zeitlupe; selbst die Politik macht Pause. Die Sonne, wenn sie ihre Arbeit anständig tut, lässt die letzten Anflüge protestantischer Arbeitsethik einfach wegschmelzen. Es gibt dann im Idealfall nur noch das Jetzt, den Müßiggang, die Muße – irgendwo, auf einer Insel, die man bereist oder die man sich im Kopf schafft. Der Sommer und sein Versprechen ist an sich schon literarisch. Und er ist auch eine Zeit für die Literatur. Das Lesen ist dann keine Pflicht, die Lektüre wird nicht nach Notwendigkeiten ausgewählt, sondern die Auswahl ist alleine von der Lust bestimmt.
Andreas Maier
Am liebsten wäre ich am schönsten Ort der Welt, in Schreyahn im Wendland, und würde dort endlich den Vorabend von Peter Kurzeck lesen.
Andreas Maier wurde 1967 in Bad Nauheim geboren und lebt in Frankfurt am Main. Im Frühjahr erschien "Das Haus", der zweite Teil eines autobiographischen Roman-Zyklus'.
Durs Grünbein
Im Sommer werde ich in einer abgelegenen Bucht auf den Azoren Christian Krachts Südsee-Abenteuergeschichte Imperium lesen, das heißt ich werde den Roman wohl zum zweiten Mal lesen, denn einmal las ich ihn schon, und daher weiß ich, es ist ein verteufelt gut geschriebenes Buch, ein Roman, konstruiert nach dem Muster eines Bilderbogens: exotische Landschaften, Figuren der Zeitgeschichte, markante Szenen folgen darin mit der Behaglichkeit alter Albumblätter, bevor alles in Flammen aufgeht – wie Welt von damals, der Unterschied von Fiktion und Geschichte und das gute alte Erzählen selbst.
Von Durs Grünbein, geboren 1962 in Dresden und lebend in Berlin, erschien im letzten Jahr der Gedichtband "Aroma. Ein römisches Skizzenbuch".
Ulf Erdmann Ziegler
Immer die große Tageszeitung, auch wenn sie erst einen Tag später im grünen Briefkasten steckt. Im burgundischen Haus liegengeblieben, ein Buchkauf vom letzten Jahr: Ursprünge des Totalitarismus. Das Ende des Homo Oeconomicus von Peter F. Drucker, zuerst erschienen in Amerika 1939. Eine Bildungslücke. Martin Gecks Bach-Biografie, erst 80 von 800 Seiten gelesen, nehme ich auf jeden Fall mit. Ich lese schnell, aber nicht so viel. Teju Coles Open City, 250 Seiten, das ist mein Format – die Wiederkehr des philosophischen Romans im Modus laid-back, aber dran an den heiklen Themen der Gegenwart. Wenn im September die deutsche Übersetzung erscheint, werde ich einige Passagen noch einmal nachlesen. Ich strecke die Saison, bis die Pflaumen abgeerntet sind.
Im Herbst erscheint der neue Roman des 1959 geborenen, in Frankfurt lebenden Autors Ulf Erdmann Ziegler unter dem Titel "Nichts Weißes".
Sabine Scho
João Guimarães Rosas Grande Sertão: Veredas an einsamen Brandenburger Seen mit vereinzelten Haubentauchern, weil die Geheimnislosigkeit der brasilianischen Savanne nie wieder so magisch wirken wird wie in der vertrauten Fremde.
Die Lyrikerin Sabine Scho lebt in São Paulo und Berlin; zuletzt erschien von ihr der Gedichtband "Farben".





Versaut sich den Urlaub durch einen Roman, dessen Lektüre ich abgebrochen habe, als ich in einem Satz zweimal "nun" und einmal "jetzt" sowie die Formulierung "dunkelbraune Negermädchen" lesen musste.
...nicht jeder so eine prätentiöse Sicht auf Literatur hat wie Sie.
...nicht jeder so eine prätentiöse Sicht auf Literatur hat wie Sie.
...nicht jeder so eine prätentiöse Sicht auf Literatur hat wie Sie.
...eher schade.
Wenn es nur um so "prätentiöse" Dinge wie Sprache gegangen wäre, hätte dieses Romänchen nie die Aufmerksamkeit erlangt, die ihm im Frühjahr zuteil wurde.
...eher schade.
Wenn es nur um so "prätentiöse" Dinge wie Sprache gegangen wäre, hätte dieses Romänchen nie die Aufmerksamkeit erlangt, die ihm im Frühjahr zuteil wurde.
...eher schade.
Wenn es nur um so "prätentiöse" Dinge wie Sprache gegangen wäre, hätte dieses Romänchen nie die Aufmerksamkeit erlangt, die ihm im Frühjahr zuteil wurde.
Ein Buch wegzulegen, nur weil man in einem Satz ein paar Stil-Schnitzer findet, ist schon ziemlich prätentiös. Ganz egal, welche tatsächlichen oder inszenierten Skandale mit dem Text einhergehen. Was haben die eigentlich noch mal mit der Qualität zu tun?
Ein Buch wegzulegen, nur weil man in einem Satz ein paar Stil-Schnitzer findet, ist schon ziemlich prätentiös. Ganz egal, welche tatsächlichen oder inszenierten Skandale mit dem Text einhergehen. Was haben die eigentlich noch mal mit der Qualität zu tun?
Ein Buch wegzulegen, nur weil man in einem Satz ein paar Stil-Schnitzer findet, ist schon ziemlich prätentiös. Ganz egal, welche tatsächlichen oder inszenierten Skandale mit dem Text einhergehen. Was haben die eigentlich noch mal mit der Qualität zu tun?
haben natürlich nichts mit der Qualität eines Buches zu tun, da haben Sie recht. Im Frühjahrsrauschen ging es aber darum, dass behauptet wurde, "Imperium" sei zwar ideologisch bedenklich, aber doch große Literatur. Mir indes ist die Ideologie eher schnuppe, nur das mit der großen Literatur sehe ich, der nicht nur ein paar Seiten, sondern noch einige Stellen mehr gelesen hat, sehr anders.
haben natürlich nichts mit der Qualität eines Buches zu tun, da haben Sie recht. Im Frühjahrsrauschen ging es aber darum, dass behauptet wurde, "Imperium" sei zwar ideologisch bedenklich, aber doch große Literatur. Mir indes ist die Ideologie eher schnuppe, nur das mit der großen Literatur sehe ich, der nicht nur ein paar Seiten, sondern noch einige Stellen mehr gelesen hat, sehr anders.
haben natürlich nichts mit der Qualität eines Buches zu tun, da haben Sie recht. Im Frühjahrsrauschen ging es aber darum, dass behauptet wurde, "Imperium" sei zwar ideologisch bedenklich, aber doch große Literatur. Mir indes ist die Ideologie eher schnuppe, nur das mit der großen Literatur sehe ich, der nicht nur ein paar Seiten, sondern noch einige Stellen mehr gelesen hat, sehr anders.
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