BuchtippsLesen gegen Regen

Auch wenn sich der Sommer in diesem Jahr noch etwas ziert: Zu lesen gibt es genug! Autoren und Redakteure von ZEIT ONLINE empfehlen ihre Bücher für die Ferien.

Mitleiden, Mitfreuen
Eine Frau auf dem Cover, die ihren Kopf mit geschlossenen Augen in eine Hand stützt – was für ein Quatsch. Da hat der Berlin Verlag zwar ein attraktives, nicht aber ein stimmiges Bild für Zeruya Shalevs jüngsten Roman gewählt. Wie sehr macht hingegen die Originalfassung auf einen Blick deutlich, worum es geht: um Familie. Shalev selbst ist darauf zu sehen, als Kind mit ihrem Bruder, gemalt von der Mutter, einer Künstlerin. Und so wird auch etwas zweites sofort deutlich: Für den Rest des Lebens hat viel mehr und viel deutlicher als Shalevs frühere Bestseller etwas mit ihr persönlich zu tun. Das Sterben ihrer Mutter, die Adoption ihres Kindes – beides hat Shalevs Schreiben der Geschichte über drei Generationen einer so sehr israelischen Familie beeinflusst und begleitet. Es ist eine Geschichte über die Kräfte, die Familie so stark und gleichzeitig so unerträglich machen können. Zum Mitleiden, Mitfreuen, Mitfühlen. (Domenika Ahlrichs)

Zeruya Shalev: Für den Rest des Lebens. Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler, Berlin Verlag, Berlin 2012, 500 Seiten, 22,90 Euro.

Achtzehn Schluck Salzwasser
Zwischen einem beiläufigen Tod und einem Wunder liegt manchmal nur ein Streifen Sand. In seinem Erstling Die Inseln, auf denen ich strande beschreibt der Übersetzer und Autor Lucien Deprijck achtzehn Inseln, die für ihn, den dort Gestrandeten, sehr unterschiedliche Arten der Rettung bedeuten. Das Wetter wechselt mit den beschriebenen Jahreszeiten. Er bekommt Gesellschaft von Robben oder drängt sich mit Schiffspassagieren auf einem rutschigen Felsen. Er verreckt elend, überlebt dürftig, ist beim Auftauchen peinlich berührt und lässt seinen Glauben von einer Begegnung im Wald in Frage stellen. Wie ein greiser Seemann seine Geschichten immer aufs Neue spinnt und für sein Publikum variiert, breitet Deprijck die Vielfalt seines Themas vor dem Leser aus. So bleibt das wiederholte Stranden bis zur letzte Seite spannend – besonders, wenn man das Buch während einer Kreuzfahrt liest. (Jessica Braun)

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Lucien Deprijck, Die Inseln, auf denen ich strande. Mit Illustrationen von Christian Schneider. Mareverlag 2012, 192 Seiten, 28 Euro.

Kommissar liest Krimi
In der Krimireihe mit dem sizilianischen Commissario Montalbano gab es Bände, bei deren Lektüre ich etwas gelangweilt dachte, es wäre nicht schade, wenn Andrea Camilleri die Serie beendete. Gut, dass er meinen Wunsch nicht erhört hat. Dann hätte ich Das Ritual der Rache nicht kennengelernt, den wohl unterhaltsamsten Montalbano-Krimi. Camilleri ist nicht nur gelungen, eine raffinierte Mordgeschichte auszuklügeln, in der – bei ihm eher selten – die Mafia eine Rolle spielt. Der Roman glänzt mit amüsanten Dialogen, skurrilen Figuren und dem ungewöhnlichen Einfall, dass Montalbano eine Idee zur Lösung des Falls beim Lesen eines Camilleri-Romans bekommt. Ein kurzweiliger Ausflug nach Sizilien. (Matthias Breitinger)

Andrea Camilleri: Das Ritual der Rache. Commissario Montalbano vermisst einen guten Freund. Aus dem Italienischen von Moshe Kahn, Bastei Lübbe, München 2012, 288 Seiten, 19,99 Euro.

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