Der Streit zwischen der Umweltstiftung WWF und dem Buchautor Wilfried Huismann eskaliert. Nach wochenlangem Verhandlungen standen beide Seiten kurz vor einer außergerichtlichen Einigung. Demnach sollten eigentlich zahlreiche Textstellen von Huismanns Schwarzbuch WWF geändert und einige Passagen gestrichen werden, wie der WWF mitteilte. Kurz nachdem der WWF die Information zum bevorstehenden Vergleich aber vorab – ausdrücklich noch ohne Freigabe zur Veröffentlichung – an einige Medien verschickt hatte, reagierte die Verlagsgruppe Random House verärgert. Die Gespräche seien mit sofortiger Wirkung ausgesetzt, sagte Verlagsjustiziar Rainer Dresen.

Der WWF habe einen "Kommunikationsgau" verursacht, sagte Dresen. Zudem bleibe die Organisation offenbar inhaltlich bei seiner "aggressiven Position". Ein WWF-Sprecher sagte, er hoffe dennoch auf eine baldige Einigung. Verlag, WWF und der Autor hätten bereits "ausverhandelt". Das Kölner Landgericht ist seit Mitte Juni mit dem Streit befasst.

Grund für die Auseinandersetzung: Der Autor Huismann wirft dem WWF vor, viel zu eng mit Umweltzerstörern wie Ölkonzernen und sogar mit Militärdiktaturen zu kooperieren. Die Organisation sieht sich diffamiert, hält viele Aussagen in dem Buch für faktisch falsch und wollte vor dem Landgericht eine einstweilige Verfügung erwirken. Das Gericht hatte am 15. Juni einen Teil der WWF-Einwände nachvollzogen, gleichzeitig aber festgestellt, der WWF müsse sich auch Kritik gefallen lassen. Zugleich hatte es den Kontrahenten eine gütliche Einigung nahegelegt und als Vorschlag die Umformulierung einiger Passagen angeregt.

Unverständnis auf beiden Seiten

Marco Vollmar, Mitglied der Geschäftsleitung des WWF Deutschland, sagte, auch wenn es zu zahlreichen Änderungen komme, zeichne das Buch doch weiter ein verzerrtes Bild vom WWF und ändere seinen Duktus nicht. Die Umweltschutzorganisation könne das aber im Interesse einer außergerichtlichen Einigung in gewissem Umfang als Meinungsäußerung hinnehmen. Wichtig sei aber, dass man falsche Tatsachenbehauptungen etwa zur angeblichen Industrienähe des WWF streiche.

Das Gütersloher Verlagshaus – es gehört zur Verlagsgruppe Random House – wies darauf darauf hin, man habe mit dem Autor und dem WWF wochenlang an einer "einvernehmlichen Anpassung einzelner Passagen" gearbeitet. Nach der "fragwürdigen Informationspolitik des WWF" werde das zunächst gestoppt. Die Unterstellung, Autor Huismann zeichne "ein Zerrbild aus falschen Aussagen, Diffamierungen und Übertreibungen" wies der Verlag zurück. Wenn das Buch tatsächlich Falschaussagen enthielte, hätte das Gericht diese Passagen kurzerhand verboten, teilte der Verlag mit.