WetterAlles grau in 50 Schatten!

Es regnet. Und regnet. Und regnet. Weil der Sommer so furchtbar ist, hilft nur ein Blick in die Literatur! Finden wir da Trost? von 

Der Sommer am Boden

Der Sommer am Boden  |  © Susann Städter / photocase.com

Zumindest, und das ist die gute Nachricht dieser ansonsten bedröppelten Zeilen, haben wir ein Geheimnis dieses Sommers lüften können. Es ist keineswegs so, dass die deutsche Leserschaft ein fatales Bedürfnis nach Unterwerfung und saudreckigem Sex besitzt, wie allerorts geraunt wird. Vielmehr hat sie 50 Shades of Grey aus einem simplen Anlass gekauft: Schon mal in den Himmel geschaut? Viel Grau, oder? In Zeiten, da der Zeigearm des Fernsehmeteorologen aussieht wie eine Reitgerte und jeder Schritt vor die Tür ein sadomasochistisches Gemüt erfordert, muss man doch kurz staunen, wie problemorientiert die Gegenwartsliteratur ist und wie viele Menschen noch immer Leidenstrost und Welterklärung in Romanen suchen, kurzum: Hilfe.

Und die tut wirklich Not, wenn selbst das eherne Diktum von Max Goldt einer Überprüfung bedarf: Wer wissen will, wie das Wetter heute ist, soll aus dem Fenster gucken. Wenn Schillers empfindsames Geseufz höchstens noch als Zustandsbeschreibung durchgeht: "Scheint die Sonne so scheint ach! schon die Sonne nicht mehr." Oder so ähnlich. Es lässt sich ja kaum ein klarer Gedanke fassen.

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Natürlich: Dass das Wetter macht, was es will, ist eine Weisheit, die so alt ist, dass wir für sie ohne größeres Gemaule im Bus aufstehen würden. Insofern da überhaupt noch Platz ist! Denn dort drängen sich feuchtdünstende Menschen aus allen Erregungsmassen, von denen man täglich in den Medien hört, Verbraucher, Anwohner, Steuerzahler, Urlauber, Arbeitnehmer – rätselnd, wie sie umsetzen können, was ihnen die Sachbuchtische der Republik laufend verkünden: Empört euch! Engagiert euch! Eine trockene Welt ist möglich!

Aber wie? Wer will schon die Wolken andemonstrieren und vor Frust den Schirm gen Himmel schwingen (Vorsicht, Verletzungsgefahr). Ohnmächtig erscheinen auch zeitgemäße Wutmittel wie der Shit- und der Flauschstorm. Außer man sucht eine unmeteorologische Erklärung für die zerzauste Frisur. Und selbst ein vormoderner Rückfall in die Gottesanklage verspricht höchstens die Gefahr, vom Vatikan mit Forderungen in sechsstelliger Höhe überschüttet zu werden. Religion und Flüssigkeiten sind derzeit, bei aller Wetterfühligkeit, ein heikles Terrain .

Sollen wir deswegen verzweifeln, uns in der dekadenten Melancholie suhlen wie die russische Literatur? Wie Oblomow die trüben Tage im Bett verdämmern? Gut zuwege war er bekanntlich dabei nicht, hatte aber immerhin die bessere Laune in der schlechten. Lag warm und sicher vor Witterung, Nieder- und Blitzeinschlägen, jäher Erblindung durch Regenschirmnupsies und Oberleitungsstörung bedingten Umleitungen nach Göttingen , über das Heinrich Heine bereits alles Nötige gesagt hat. Von dem stammt übrigens die jahrhundertealte Einsicht, dass der deutsche Sommer bloß ein grün angestrichener Winter ist. Keine Ahnung, ob das tröstlich ist. Vielleicht meinte er: Ziehen Sie sich angemessen an, es ist Sommerloch.

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Leserkommentare
  1. Ich fahr morgen Baden, und wenns gießt, und nur 15 Grad Plus ist. Ich hab die schnauze voll, mit diesen mistwetter. Zum glück halten sich unsere Seen hier in der nähe sehr lange ihre Temperaturen, weil sie doch sehr Tief sind und somit gut Wärme um die 23 Grad speicher können.

  2. hauptsache die sonne scheint :D

    2 Leserempfehlungen
    • FranL.
    • 19. Juli 2012 19:43 Uhr

    Hitze ist schlecht für meinen Kreislauf und Sonne ruiniert den Teint und auf Schweißflecken unter den Achseln kann ich auch gut verzichten.

    8 Leserempfehlungen
  3. 4. Och..

    Ich brauch hier in D keinen Sommer wg. Beruf. Unverheiratet und ohne Kinder ist das Wetter für mich momentan hier optimal. Dafür kann ich im Oktober/November nach Südostasien entfleuchen, und im Dezember sind dann hier wieder Weihnachtsmärkte

  4. Dass Juni, Juli und August im langjährigen Mittel in weiten Teilen Deutschlands die niederschlagsreichsten Monate des Jahres sind, wird immer wieder gern vergessen - wir idealisieren uns halt den Supersommer zurecht.

    3 Leserempfehlungen
    • _
    • 19. Juli 2012 23:48 Uhr
    6. Wetter

    Ich habe keine Lust mehr auf das allseits beliebte Genörgel bezüglich der Wetterlage. Jeden Sommer das Gleiche!

    5 Leserempfehlungen
  5. Glücklicherweise haben wir hier noch Regen. Im Süden von Europa herrscht Hitze und es gibt Brände, dasist viel ekeliger.

    Eine Leserempfehlung
  6. arme Deutsche, 4 Monate Schnee und 8 Monate Regen.

    3 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Wetter | Gegenwartsliteratur | Max Goldt | Sonne | Vatikan | Göttingen
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