Literaturnobelpreisträger Mo Yan hat sich einen Tag nach seiner Auszeichnung für die Freilassung des inhaftierten chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo eingesetzt. Der chinesische Schriftsteller sagte, er habe wenig Kontakt zu dem Bürgerrechtler gehabt und wisse nicht, woran er gearbeitet habe. "Aber jetzt hoffe ich, dass er möglichst bald und in guter Gesundheit seine Freiheit gewinnen kann." Er hoffe zudem, dass der 56-jährige Bürgerrechtler seine gesellschaftlichen und politischen Studien fortsetzen könne.

Liu Xiaobo war 2009 zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Ihm wurde die "Untergrabung der Staatsgewalt" angelastet. 2010 erhielt der Mitverfasser der Charta 08 für Demokratie und Menschenrechte in China den Friedensnobelpreis. Seine Frau Liu Xia wird seitdem in Peking wie eine Gefangene unter Hausarrest gehalten.

Mo will mit seiner Würdigung des inhaftierten Dissidenten offenbar auch Vorwürfen entgegentreten, er stehe dem diktatorischen chinesischen System zu nahe. "Ich lebe und arbeite in China", sagte Mo Yan. "Ich schreibe in China unter der Führung der Kommunistischen Partei . Aber meine Werke können nicht von einer politischen Partei eingeschränkt werden."

Auch andere Länder hätten Zensur aus religiösen oder ethnischen Gründen, sagte der Literaturnobelpreisträger. "Natürlich gibt es keine absolute Freiheit in China, einen Roman zu veröffentlichen." Im Vergleich zu den 50er und 60er Jahren sei man aber "überrascht", wie die Beschränkungen nachgelassen hätten.

Regimegegner kritisieren Auszeichnung

In China war die Vergabe des Literaturnobelpreises an Mo Yan gefeiert worden. Propagandachef Li Changchun schrieb, die Auszeichnung spiegele den Fortschritt in der chinesischen Literatur wieder. Literaturprofessoren sahen einen "historischen Durchbruch".

Dagegen kritisierten Regimegegner die Vergabe . Der berühmte chinesische Künstler Ai Weiwei twitterte: "Ein Schriftsteller, der sich nicht der Realität stellt, ist ein Lügner." Der in China verfolgte Autor Liao Yiwu kritisierte seinen Kollegen gar als "Staatsautor". "Er vertritt das Regime", sagte Liao auf der Frankfurter Buchmesse . Literarisch habe Mo Yan eine hohe Ebene erreicht. Es gehe ihm aber nicht um die Menschenrechte in China. Liao erhält am Sonntag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Titel werden nachgedruckt

Die Nachfrage nach den Büchern Mo Yans ist nach der Auszeichnung trotz der Kritik riesig. Der Unionsverlag Zürich druckt die Titel (Das rote Kornfeld, Der Überdruss, Die Schnapsstadt, Die Knoblauchrevolte) bereits nach. "Der gesamte Bestand in unseren Lagern war in einer halben Stunde weg", sagte Verleger Lucien Leitess.

Wann Mo Yans Roman Wa (Frösche) auf Deutsch erscheint, ist noch unklar.