LiteraturnobelpreisNobelpreisträger Mo Yan fordert Freiheit für Liu Xiaobo

Literaturnobelpreisträger Mo Yan wird von chinesischen Regimegegnern kritisiert. Nun hat er sich für die Freiheit des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo eingesetzt. von dpa

Der chinesische Literaturnobelpreisträger Mo Yan

Der chinesische Literaturnobelpreisträger Mo Yan  |  © Jason Lee/Reuters

Literaturnobelpreisträger Mo Yan hat sich einen Tag nach seiner Auszeichnung für die Freilassung des inhaftierten chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo eingesetzt. Der chinesische Schriftsteller sagte, er habe wenig Kontakt zu dem Bürgerrechtler gehabt und wisse nicht, woran er gearbeitet habe. "Aber jetzt hoffe ich, dass er möglichst bald und in guter Gesundheit seine Freiheit gewinnen kann." Er hoffe zudem, dass der 56-jährige Bürgerrechtler seine gesellschaftlichen und politischen Studien fortsetzen könne.

Liu Xiaobo war 2009 zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Ihm wurde die "Untergrabung der Staatsgewalt" angelastet. 2010 erhielt der Mitverfasser der Charta 08 für Demokratie und Menschenrechte in China den Friedensnobelpreis. Seine Frau Liu Xia wird seitdem in Peking wie eine Gefangene unter Hausarrest gehalten.

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Mo will mit seiner Würdigung des inhaftierten Dissidenten offenbar auch Vorwürfen entgegentreten, er stehe dem diktatorischen chinesischen System zu nahe. "Ich lebe und arbeite in China", sagte Mo Yan. "Ich schreibe in China unter der Führung der Kommunistischen Partei . Aber meine Werke können nicht von einer politischen Partei eingeschränkt werden."

Nobelpreise
Klicken Sie auf das Bild für Berichte rund um den Nobelpreis.

Klicken Sie auf das Bild für Berichte rund um den Nobelpreis.  |  © Berit Roald/AFP/Getty Images

Mit der Stiftung der Nobelpreise wollte der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) einen Konflikt lösen, der sein Leben bestimmte: Der Erfinder des Dynamits konnte nicht verwinden, dass seine Entdeckung für den Krieg genutzt wurde.

Der engagierte Pazifist vermachte sein Vermögen schließlich einer Stiftung. Die Zinsen daraus sollten Preise für jene finanzieren, die "im vorhergehenden Jahr der Menschheit den größten Nutzen erwiesen haben".

Die Nobeljurys sind hingegen dazu übergegangen, Jahre, wenn nicht Jahrzehnte abzuwarten, um die Preise zu verleihen. Begründet wird dies damit, dass oft nicht so rasch klar ist, ob eine Leistung tatsächlich von derart großer Bedeutung ist, um sie mit einem Nobelpreis zu ehren.

Dotierung und Verleihung
Ihr Weg zur Medaille
Erfahren Sie mit einem Klick auf das Bild, was Sie tun müssen, um einen Nobelpreis zu gewinnen

Erfahren Sie mit einem Klick auf das Bild, was Sie tun müssen, um einen Nobelpreis zu gewinnen  |  © Sabine Hecher

Die Preise werden seit 1901 vergeben. Die Dotierung stieg von anfangs 150.800 schwedischen Kronen in den vergangenen Jahren auf 10 Millionen Kronen (rund 1 Million Euro). Ab 2012 reduziert sich die Summe allerdings um 20 Prozent, um auch künftig die Aufgaben der Stiftung finanzieren zu können. Damit ist der Preis nun mit 8 Millionen Kronen dotiert, umgerechnet rund 940.000 Euro.

Bis zu drei Menschen können sich einen wissenschaftlichen Preis teilen. Der Friedensnobelpreis wird auch an Organisationen verliehen.

Am Todestag Alfred Nobels, dem 10. Dezember, werden die Preise feierlich verliehen. Die Geehrten erhalten eine Urkunde und die goldene Medaille mit dem Konterfei des Stifters. Zusätzlich füllen sich die Konten der Ausgezeichneten mit dem Preisgeld, das versteuert werden muss. Gibt es mehrere Preisträger in einer Kategorie, wird es aufgeteilt.

Preisregen

Neben den eigentlichen Nobelpreisen wird seit 1969 eine Ehrung für Wirtschaftswissenschaften im Gedenken an Alfred Nobel verliehen. Sie wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank gestiftet.

Seit 1980 vergibt die "Stiftung zur Auszeichnung richtiger Lebensführung" (Right Livelihood Award Foundation) die Right Livelihood Awards, die oft als Alternative Nobelpreise bezeichnet werden.

Die Preisträger für Physik und Chemie werden immer von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, die der Medizin vom Karolinska-Institut in Stockholm und die Literaturpreisträger von der Königlich-Schwedischen Akademie der Künste ausgewählt.

Die Friedenspreisträger bestimmt ein Ausschuss des norwegischen Parlaments in Oslo.

Bekanntgabe 2012

Traditionell werden jedes Jahr im Oktober zunächst die Geehrten in der Kategorie Medizin bekanntgegeben, gefolgt von Physik, Chemie, Literatur, Frieden und den Preisträgern der Auszeichnung der Schwedischen Reichsbank zu Ehren Alfred Nobels.

Die Termine 2012 im Überblick:

Montag, 08.10.2012, gegen 11:30 Uhr: Bekanntgabe der Medizinnobelpreisträger

Dienstag, 09.10.2012, gegen 11:45 Uhr: Bekanntgabe der Physiknobelpreisträger

Mittwoch, 10.10.2012, gegen 11:45 Uhr: Bekanntgabe der Chemienobelpreisträger

Donnerstag, 11.10.2012, gegen 13:00 Uhr: Bekanntgabe des Literaturnobelpreisträgers

Freitag, 12.10.2012, gegen 11:00 Uhr: Bekanntgabe der Friedensnobelpreisträger

Montag, 15.10.2012, gegen 13:00 Uhr: Bekanntgabe der Wirtschaftsnobelpreisträger

Auch andere Länder hätten Zensur aus religiösen oder ethnischen Gründen, sagte der Literaturnobelpreisträger. "Natürlich gibt es keine absolute Freiheit in China, einen Roman zu veröffentlichen." Im Vergleich zu den 50er und 60er Jahren sei man aber "überrascht", wie die Beschränkungen nachgelassen hätten.

Regimegegner kritisieren Auszeichnung

In China war die Vergabe des Literaturnobelpreises an Mo Yan gefeiert worden. Propagandachef Li Changchun schrieb, die Auszeichnung spiegele den Fortschritt in der chinesischen Literatur wieder. Literaturprofessoren sahen einen "historischen Durchbruch".

Dagegen kritisierten Regimegegner die Vergabe . Der berühmte chinesische Künstler Ai Weiwei twitterte: "Ein Schriftsteller, der sich nicht der Realität stellt, ist ein Lügner." Der in China verfolgte Autor Liao Yiwu kritisierte seinen Kollegen gar als "Staatsautor". "Er vertritt das Regime", sagte Liao auf der Frankfurter Buchmesse . Literarisch habe Mo Yan eine hohe Ebene erreicht. Es gehe ihm aber nicht um die Menschenrechte in China. Liao erhält am Sonntag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Titel werden nachgedruckt

Die Nachfrage nach den Büchern Mo Yans ist nach der Auszeichnung trotz der Kritik riesig. Der Unionsverlag Zürich druckt die Titel (Das rote Kornfeld, Der Überdruss, Die Schnapsstadt, Die Knoblauchrevolte) bereits nach. "Der gesamte Bestand in unseren Lagern war in einer halben Stunde weg", sagte Verleger Lucien Leitess.

Wann Mo Yans Roman Wa (Frösche) auf Deutsch erscheint, ist noch unklar.

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Leserkommentare
    • Hainuo
    • 13. Oktober 2012 1:29 Uhr

    Ai Weiwei twitterte: "Ein Schriftsteller, der sich nicht der Realität stellt, ist ein Lügner."

    Es gibt wunderbare Literatur, die auf Weltflucht gegründet ist. Ich weiß, was Ai Weiwei will, aber das ist engstirnig.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    twittert ist schon sehr engstirnig. Habe aber auch nichts anderes von ihm erwartet.

  1. 2. Na ja.

    Mich würde einfach nur interessieren was Gao Xingjian sagt, der 2000 denn Nobelpreis bekamm, und dessen Arbeit denn totalen Gegensatz, also die Geschichte von Unterdrückung und Flucht vollkommen ausleuchtet.

    Wenn die selbe Stelle zwei so unterschiedliche Menschen, ähnlichen Alters, aus der selben Provinz sogar, diesen Preis verleiht, ist finde ich etwas einfach schief gelaufen und die Regeln sind wonnach dieser Preis vergeben werden soll, sind einfach nur willkürlich ausgelegt.

    Ich dachte immer Sprache + Inhalt.

    Nicht nur Flucht, Erzählung sonder eben auch Aufklärung.
    So habe ich denn Preis immer verstanden.

  2. twittert ist schon sehr engstirnig. Habe aber auch nichts anderes von ihm erwartet.

    Antwort auf "Sehe ich anders..."

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Liu Xiaobo | China | Auszeichnung | Buchhandel | Dissident | Frankfurter Buchmesse
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