Frankfurter Buchmesse: "Mein Dackel bellt nur Sonette"
Die Frankfurter Buchmesse hat begonnen. Die fiktiven, aber sehr arrivierten Kritiker Stanzhuber und Murr machen sich auf die Suche nach der Aura des Buches.
Stanzhuber: Sie! Dass ich Sie hier... Wollte ja schon anrufen, aber der Empfang ist immer entsetzlich in Frankfurt. Nur bei den Regionalkrimis, da habe ich...
Murr: Also ich komme gerade von den Neuseeländern, dort war der Empfang ausgezeichnet.
Stanzhuber: Gab es dort auch etwas zu essen? Man verhungert ja hier. Es dürfte kein Zweifel am niedrigen Servicewillen des Messepersonals bestehen.
Murr: Gab Sekt. Ein paar Prospekte. Und Grußworte von Gottfried Honnefelder.
Stanzhuber: Was Neues zu E-Books? Kommt es denn nun? Ist es schon da? Haben wir es übersehen?
Murr: Das weiß ich nicht. Aber soeben bekam ich eine E-Mail eines Verlags: "Das 'Untenrum' ist heute zum Glück kein Tabu mehr." Jetzt frage ich Sie: Muss ich mir so etwas bieten lassen?
Stanzhuber: Natürlich nicht! (gluckst) Neulich erhielt ich folgende Zeilen: "Ein Roman, wie es ihn noch nie gab, radikal gedacht, bahnbrechend und ein komplett neues Leseerlebnis."
Murr: Ist das von diesem amerikanischen Erzähltalent, nach dem man angeblich jeden Muskel spürt?
Stanzhuber: Nein, ich glaube, das war jemand anderes. Aber zu dem las ich in der Süddeutschen eine großartige Besprechung. Genau auf den Punkt!
Murr: Soso. Jüngst sollte ich etwas zu den 800 Seiten einer 23-Jährigen sagen. 800 Seiten! Es müsste eine Formel in allen Verlagen geben, 100 Seiten pro 10 Jahre Lebensalter.
Stanzhuber: Ach, jetzt seien Sie nicht so. Ich verbrachte die Zugfahrt mit einem wunderbaren Debüt... Österreichisch glaube ich, jedenfalls äußerst gegenwärtig.
Murr: Jaja, lassen Sie mal. Hat sie denn schon reüssiert?
Stanzhuber: Ähm..
Murr: Nicht alles Neue ist gut, sage ich immer. Vielleicht brauchen wir wieder einen Kanon. Vielleicht die besten 80 über 80. (Murr verzieht das Gesicht) Was ist denn das für ein Geruch?
Stanzhuber: (stolz) Och, das könnte ich sein...
Murr: Ist das dieses...?
Stanzhuber: Jajajajaja, das Papierparfüm, ja! Wunderbar!
Murr: So riecht meine blaue Tonne auch, wenn’s regnet. Wissen Sie, ich benutze ein englisches Rasierwasser aus der Manufaktur D.R. Harris.
Stanzhuber: Ja, Sie lesen auch digital. Da erhebt doch die Frage ihr brennendes Haupt: Wonach riecht denn so ein Reader, hm?
Murr: Ich bitte Sie, Stanzhuber! Soll ich mich jetzt hier öffentlich erniedrigen und an meinem Reader riechen?
Stanzhuber: Tun Sie mir den Gefallen.





Zitat: "Mein Dackel bellt nur Sonette".
Ohne Scherz: manche Vierbeiner können tatsächlich sehr musikalisch sein. Meine beste Schulfreundin musste drei-vier Mal pro Woche gleich nach der Schule das Klavierspielen üben. Wenn ich sie nachmittags besuchen wollte, hörte ich immer zuerst den Lui (so hieß ihr Terrier) und dann zwei Haustreppen weiter - das Piano selbst.
Also, der Lui war ein leicht cholerischer Geist mit einer großen Vorliebe für Chopin´s Werke und gewisser Abneigung gegen Strauss (vielleicht könnte es darin liegen, dass die Strauch-Stücke komplizierter sind und beim Üben mehr Fehler entstehen können). Möglich...
Jedenfalls, der Hund war ein sehr engagierter Mithörer.
Zur Buchmesse: man kann nicht jemanden unterstellen, dass das studentische (Nebenjob)Messen-Personal Gäste „absichtlich“ verhungern lässt. Es ist normalerweise anders: man bekommt klare Direktiven, dass jeder Gast genug zum Essen/trinken erhalten soll und mindestens zum Anfang der Veranstaltung achten die Leute sehr genau darauf, dass alle zufrieden sind (solange die Vorräte vorhanden sind). Wenn jemand als Besucher aber zu spät kommt – ist vielleicht eigene Schuld.
Ich glaube allerdings, bei Buchmessen wird meistens gut vorgesorgt.
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