Bestseller : Die Goldesel der Belletristik

Die "Shades of Grey"-Trilogie hat der Buchbranche 2012 den Umsatz gerettet. Doch es wird zum Problem, wenn wenige Bücher den Markt bestimmen.

Fangen wir mit Zahlen an. Die Bücher der Shades of Grey -Trilogie von E. L. James haben sich im deutschsprachigen Raum bislang 5,7 Millionen Mal verkauft. 2,3 Millionen Mal ging der erste Band weg, jeweils 1,7 Millionen Mal die Bände zwei und drei. Und die Verkaufstendenz sei weiterhin steigend, meldet die Pressestelle des Goldmann Verlags. Vermutlich werden die drei Romane das Weihnachtsgeschäft dominieren. Und damit nicht nur Verlag und Autorin glücklich machen – sondern nebenbei auch dafür sorgen, dass 2012 mit einem Umsatzplus für die gesamte Branche endet.

Bis in die Sommermonate hinein war das Buchgeschäft in diesem Jahr eher bescheiden verlaufen, zwischen 2 und 6 Prozent lagen die monatlichen Umsätze unter den Vorjahreszahlen . Dabei hatte die Branche auch 2011 bereits ein Minus von 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verkraften müssen. Ein Grund zum Jammern ist das zwar noch nicht. Insgesamt gesehen ist der Buchmarkt seit vielen Jahren erstaunlich stabil, rund 9 Milliarden Euro setzen Verlage und Buchhändler laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels durchschnittlich um. Und das trotz des demographischen Wandels, trotz konkurrierender Medienangebote, trotz Wirtschafts- und Finanzkrise.

Alles in Butter also? Nicht ganz. Das Geld wird mit immer weniger Büchern verdient. Mit Joanne K. Rowlings Harry Potter -Reihe fing das an. Die anderen Goldesel der Belletristik hießen in den vergangenen Jahren: Jussi Adler-Olsen, Ken Follett , Tommy Jaud , Stephenie Meyer , Christopher Paolini, Charlotte Roche . Sie besetzten 2007 bis 2011 die ersten drei Plätze der Jahresbestsellerlisten. Schon ab Platz 6 bis 8 der Bestsellerliste sind die Umsätze lange nicht mehr so bedeutend.

Jedes Jahr mehr Neuerscheinungen

Für die Verlage heißt das: Ein einziger Titel auf den oberen Rängen der Bestsellerliste kann das ganze Geschäftsjahr rausreißen, kann sogar – je nach Verlagsgröße – für mehr als 50 Prozent der Gesamtumsätze sorgen. Und damit auch einen Großteil der anderen Neuerscheinungen querfinanzieren. Fehlt dieser Bestseller, gibt's Probleme. Das ehemals starke Mittelfeld, die vielen erfolgreichen Bücher mit Auflagen bis 100.000 Stück, kann den Ausfall kaum noch auffangen. Die Verlagsprogramme werden nicht mehr von Dutzenden Säulen getragen. Sondern manchmal nur noch von ein oder zwei. "Das Geschäft ist riskanter geworden", sagt Georg Reuchlein, Verleger der Random House Verlagsgruppe, zu der auch der Goldmann Verlag gehört.

Umso ängstlicher starren Verlagsleiter und Lektoren dieser Tage auf die Plätze in den Bestsellerlisten, mit denen ihre Autoren in den Endspurt des Weihnachtsgeschäfts starten. Rund die Hälfte ihres Jahresumsatzes macht die Buchbranche von Oktober bis Dezember. Wer es jetzt nicht schaffte, mit mindestens einem Titel unter den ersten 4 oder 5 zu sein, dem wird es auch in diesen entscheidenden letzten Wochen des Jahres nicht mehr gelingen.

Dabei ist die Auswahl für ein passendes Buchgeschenk theoretisch unermesslich groß. Seit Jahren steigt die Zahl der Neuerscheinungen steil an, knapp 80.000 Erstauflagen zählte der Börsenverein 2002, 2011 waren es schon mehr als 96.000. Es ist eine in den Medien immer wieder gerne kolportierte Zahl. Nur verschleiert sie, dass der potenzielle Leser mit dieser Masse gar nicht in Berührung kommt. Im Gegenteil: In den Buchhandlungen stehen immer weniger Titel.

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Kommentare

6 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

'Bob'

Was mich immer wieder erstaunt ist, dass solche Machwerke wie 'Shades of Grey', diese unsäglichen Vampirbücher von Stephenie Meyer solch eine mediale Präsenz bekommen - gerade auch in den Online-Auftritten der Zeit, SZ oder SpiegelOnline. Soviele Bücher wären es Wert, dass man ihnen auch mal einen Artikel widmet - doch stattdessen der x-te Verriss von oben genannten Machwerken. Oder man erinnere sich daran, welch mediales Dauerfeuer das neue Werk von Frau Rowling bekam.
Wenn ich nun mal einen Blick auf die US-Bestseller-Liste werfe, dann sehe ich, dass der 14. Band der Harry Dresden Files von Jim Butcher auf Rang 4 ist (das Buch kam gerade erst raus). In Deutschland ist seit ein paar Tagen der 11. Band raus. In USA eine sehr, sehr erfolgreiche Reihe, in Deutschland eine eher kleine treue Fangemeinde. Was ich nun ein wenig betrauere, dass diese Reihe so fast gar keine mediale Präsenz in Deutschland - sind wunderbare Bücher, klasse geschrieben und sehr schön übersetzt, gerade seit Feder&Schwert die Bücher in Deutschland vermarktet.
Man muss nicht mal großartiger Fantasy-Literatur-Fan sein um diese Bücher zu mögen.
Dies jetzt nur mal als ein Beispiel, weil ich diese Bücher so sehr mag.

Tja...

Es gibt unzählige ausländische Bestseller, die bei uns keine Medienpräsenz haben, allerdings ist das nichts neues, und auch kein Wunder, wenn man das nicht einmal mit den nationalen Autoren hinbekommt.
Denn wie bereits im Artikel erwähnt, gibt es alleine im deutschsprachigen Raum unzählige Neuerscheinungen, mit denen der "Mal in der Buchhandlung umsehen"-Mensch kaum in Berührung kommt. Im Regal verdrängt von den Spiegel-Bestseller-Listen, in denen mindestens zwei Comedians auftauchen, die mal wieder ein überflüssiges Buch zusammenrecherchiert haben.

Da ist es für die meisten Leute natütrlich am einfachsten ihre "Special-Interest" Werke übers Internet zu beziehen.
Die wenigsten bestellen ihre Sonderwünsche noch im Laden. Denn da muss man ja erst einmal hin..

Matthäus-Effekt, Skaleneffekt, was auch immer...

Ja, das ist alles richtig, und nicht neu, und keineswegs auf den Buchmarkt beschränkt. Ich habe jahrelang dagegen angebrüllt, dass Radiosender nur noch die Top 20 spielen, die ohnehin jeder kennt & selber kauft (kopiert), dass die Buchläden im Eingangsbereich riesige Pyramiden von H.Potter Büchern errichten, wo doch klar ist, dass der Laden das Buch vorrätig hat, und die meisten Käufer es auch weiter hinten finden würden, dass in großen Multiplex-Kinos auf 7 von 12 Leinwänden derselbe Film projeziert wird, aber.... ich bin es müde geworden zu brüllen.
Weder Konsumenten noch Händler oder Produzenten wollen es anders. Nur ein paar Spinner regen sich noch auf. Tja, sagt der Soziologe, so ist die Moderne. Finde Dich damit ab, Lahmarsch!