Philip Roth©Reuters/Eric Thayer

Philip Roth hat seinen Rückzug aus dem Literaturbetrieb bekannt gegeben. Eher beiläufig hat der US-Schriftsteller in einem Interview mit dem französischen Magazin Les Inrockuptibles gesagt: "Ich habe nicht die Absicht, in den zehn nächsten Jahren zu schreiben. Um offen zu sein: Ich habe damit abgeschlossen. Nemesis wird mein letztes Buch gewesen sein."

Das Interview hatte Roth bereits im Oktober gegeben, doch erst jetzt sprach sich die Nachricht herum. Sein amerikanischer Herausgeber, Houghton Mifflin, bestätigte am Freitag dem US-Internetmagazin Salon.com die überraschende Entscheidung des Autors, der seit Längerem als Anwärter für den Literaturnobelpreis gilt.

Roth selbst nennt in dem französischen Magazin einen simplen Grund: Er habe einfach keine Lust mehr. "Ich habe mein ganzes Leben dem Roman gewidmet. Ich habe ihn studiert, ich habe ihn unterrichtet, ich habe ihn geschrieben und ich habe ihn gelesen. Dabei ist praktisch alles andere auf der Strecke geblieben. Ich empfinde nicht mehr diesen Fanatismus zu schreiben, den ich mein ganzes Leben lang gespürt habe. Die Vorstellung, noch einmal mit der Schriftstellerei konfrontiert zu sein, ist mir unmöglich."

Roth verrät Les Inrockuptibles , dass er mit 74 Jahren begonnen habe, alle seine früheren Lieblingsromane – und anschließend seine eigenen Bücher – noch einmal zu lesen. "Ich wollte wissen, ob ich meine Zeit mit dem Schreiben vergeudet habe", sagte Roth. Er sei jedoch zu der Einsicht gekommen, dass es größtenteils ein Erfolg war. "Ich habe mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln das Beste herausgeholt."

Mehrfach ausgezeichnet

Schon sein erster Erzählband Goodbye, Columbus! (1959) wurde mit dem National Book Award gewürdigt, einem der höchsten amerikanischen Literaturpreise. 1969 gelangte Roth mit dem Bestseller Portnoys Beschwerden zu Weltruhm. Das Buch handelt von der Beichte eines sexbesessenen jüdischen Intellektuellen auf der Couch seines Psychoanalytikers. Es folgte die Roman-Trilogie Der Ghost Writer , Zuckermans Befreiung und Die Anatomiestunde . Für Sabbath's Theater erhielt Roth 1995 seinen zweiten National Book Award, für Amerikanisches Idyll den renommierten Pulitzerpreis.

Sein letztes Werk, Nemesis , war 2011 in Deutschland erschienen. Darin kehrte Roth in seine alte Heimat zurück, das jüdische Viertel der Industriestadt Newark bei New York . Es ist das Jahr 1944, eine Polio-Epidemie rafft Kinder dahin und zerstört das Leben von Erwachsenen.