Nichts wäre leichter, als sich über Tommy Jaud und seine Leser lustig zu machen. Aus literaturkritischer Perspektive, versteht sich. Da kann man beinahe alles, was populär ist, klein, gemein und niedrig halten. In diesem Fall sogar aus guten Gründen. Das wäre allerdings nicht nur hochmütig, sondern auch zu einfach.

Die Romane von Tommy Jaud, heißen sie nun Vollidiot , Millionär oder Hummeldumm , sind erstens so erfolgreich, dass man davon ausgehen muss, dass eben nicht nur der sonst des Lesens kaum mächtige zu ihnen greift, sondern wahrscheinlich auch der eigene Zahnarzt oder Steuerberater weiß, wer Simon Peters ist. Zweitens, und das ist noch wichtiger, imprägnieren sich der Autor und seine Leserschaft (wenn diese sich überhaupt als ein homogenes Gebilde begreifen lässt) von Vornherein gegen jeden kulturkritischen Anwurf.

Man mag das Intellektuellenfeindlichkeit nennen oder Ignoranz. Man kann es aber auch anders ausdrücken: Tommy Jaud ist ein Autor mit einer Gemeinde; seine Bücher sind Gottesdienste. Man glaubt daran oder lässt es bleiben. Das trifft auf Schriftsteller wie Peter Handke oder Botho Strauß selbstverständlich ebenso zu, nur ist deren Leserschaft mittlerweile so überschaubar, dass man von ihrer Gemeinden eher als von einem versprengten, harmlosen Sektenhäuflein sprechen muss. Jaud dagegen verkauft Millionen von Büchern. Soeben ist wieder ein neues erschienen, Überman (so schreibt sich das wirklich).

Trauriger Realismus

Die Handlung ist, da kaum existent, rasch erzählt: Simon Peters, der im Roman Millionär , man ahnt es, zum Millionär geworden ist, hat sich auf die Ratschläge seines griechischen Anlageberaters verlassen. Nun ist er pleite, braucht schnell und viel Geld und versucht, sich dieses zu beschaffen. Das alles auf 352 Seiten. Es sind schon dickere Bücher über kleinere Probleme (Mann liebt Frau, Frau liebt Mann nicht oder ähnliches) geschrieben worden. Der Jaud-Tonfall ist die auf Dauerpointe und Effekt hochgejazzte Suada eines schlaumeiernden Erzählers, der seine Mitmenschen in ihrer Erbärmlichkeit durchschaut zu haben glaubt und seinen traurigen Realismus mit einer Dauerübertreibung tarnt.

Schlagen wir mal irgendwo auf: "Mir wurde schlecht, denn nun blühte mir exakt das, was mir mein Gehirn in diversen Low-Budget-Albträumen seit Monaten präsentierte: Pfändung, Enteignung, Gosse, Prostitution sowie Drogensucht mit nachfolgendem Ausfall der Schneidezähne. Mein Magen schrumpfte auf die Größe eines Pinienkerns, die Zähne begannen, sich selbst zu Staub zu mörsern, und als mein Körper mitbekam, was einzelne Teile von ihm so veranstalteten, da fing das Zittern an. Ein weiteres Mal hämmerte meine Faust gegen mein Auto, dieses mal war es die Hupe. Nöööööööööökkkk!, hallte es durch die Tiefgarage. Wie peinlich das alles war!"

Was erwartet, was fordert der Jaud-Käufer von einem Jaud-Roman? Der sicherste Weg, das herauszufinden, ist der, einem Ratschlag des Autors selbst zu folgen, der kürzlich sagte: "Ab und zu mal bei Amazon vorbeizuschauen schadet auch nicht, da sind viele Rezensionen bei, die wirklich was nützen." Denn in den Leserrezensionen bei Amazon, beispielsweise zu dem Roman Millionär , wird deutlich, was Sinn und Zweck des Jaud’schen Schaffens ist: der Lachkrampf. Oder auch: der Lachflash. Darum geht es. Immer und immer wieder.