BuchbrancheSuhrkamp Verlag von Auflösung bedroht

Seit Jahren streiten sich die Suhrkamp-Gesellschafter. Nun stehen sie erneut vor Gericht und verlangen die Aufteilung des Vermögens. Das wäre das Ende des Verlags. von dpa

Drei Jahre nach dem Umzug von Frankfurt nach Berlin droht dem renommierten Suhrkamp Verlag die Auflösung. Die zerstrittenen Gesellschafter verlangten vor dem Landgericht Frankfurt, sich gegenseitig auszuschließen.

Die von Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz geführte Unseld-Familienstiftung hält 61 Prozent am Verlag. Hans Barlach ist über die Medienholding Winterthur mit 39 Prozent beteiligt. Er beantragte die Auflösung der gesamten Gesellschaft, falls der Klage seiner Medienholding nicht stattgegeben werden sollte.

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Barlach hat im Jahr 2011 gegen die damalige Geschäftsführung geklagt. Der Vorwurf: Die Geschäftsführung habe ihre Kompetenzen überschritten und Gelder veruntreut.

Entscheidung im Februar erwartet

Bei einer Auflösung würde das Vermögen des Verlags anteilsmäßig aufgeteilt. Die Kammer für Handelssachen des Landgerichts will am 13. Februar kommenden Jahres ihre Entscheidung verkünden.

Nach der Verhandlung sagte der Vorsitzende Richter Norbert Höhne: "Beide Gesellschafter sehen sich offenbar wechselseitig als Inkarnation des Bösen." Einer der namhaftesten Teilnehmer am Literaturbetrieb der Nachkriegszeit drohe zu verschwinden.

Suhrkamp war Anfang 2010 nach Berlin gezogen. Auch dort liegen die Gesellschafter vor Gericht im Clinch. Der Verlag hatte über Jahrzehnte hinweg die gesellschaftlichen Debatten der Bundesrepublik bestimmt.

Nach dem Tod des Firmenpatriarchen Siegfried Unseld im Jahr 2002 brachen im Verlag Intrigen und Machtkämpfe aus. Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz stieg 2003 an die Spitze der Geschäftsführung auf. Ein Mitglied des hochkarätigen Stiftungsrats, dem auch Hans Magnus Enzensberger und Jürgen Habermas angehören, trat aus Protest zurück, mehrere Geschäftsführer gingen, wichtige Autoren kehrten Suhrkamp den Rücken.

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Leserkommentare
  1. Da rotieren die Ahnen des Verlages - ob Verleger oder Autoren - im Grabe. Dabei hat man den Anschluss ans digitale Zeitalter wohl längst verpasst und jetzt vielleicht sogar die Chance, als Literatur-Dinosaurier kulturell weiter zu existieren. Immerhin: Totgesagte leben ... (Wenn ich meinen Blick beim Schreiben aufs Bücherregal richte, fällt er sogleich nostalgisch auf die Erstausgabe der Brecht´igen Gesammelten Werke von 1969.) @weingraefin

  2. Umgangs miteinander immer mehr breit. Was soll das ?
    Alle wollen Recht haben oder Recht behalten oder mehr Recht(e) als der/ die Anderen haben. Wie wäre es mal mit Kooperation? Mal einen Schritt zurück treten und noch einmal nachdenken, was der Suhrkamp Verlag war und ist, sich dann überlegen, wohin es gehen soll mit diesem im besten Sinne traditionellen Verlag. Nachdenken, ob sich in Zeiten neuer Medien und weniger frei verfügbarer Kaufkraft wirklich die Besitzer eines solchen Verlages wirklich um das Rechthaben streiten , ob sie in Intrigen und Affäiren versinken sollten, solange bis nichts mehr übrig ist von diesm Verlag.

    Vielleicht mal ein bißchen Geld für eine professionelle Mediation ausgeben statt für Rechtsanwälte? Vielleicht mal die noch vorhandenen Gemeinsamkeiten gezielt suchen und nicht den Fokus auf das Trennende richten (huch, klingt jetzt wie Familientherapie).

    Das kann aber im besten Fall die Streitigkeiten, Kränkungen und unterschiedlichen Erwartungen soweit wieder in solides verantwortliches geschäftliches Handeln bringen, dass dieser wunderbare Verlag noch eine Chance zum Überleben hat.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    hier Herr Wulf helfen der hat es ja auch geschafft Porsche zu zerschlagen und bei VW einzureihen.

  3. hier Herr Wulf helfen der hat es ja auch geschafft Porsche zu zerschlagen und bei VW einzureihen.

  4. Erst Eichborn, dann die FR, dann die FTD, jetzt Suhrkamp. Auch wenn Herr di Lorenzo hier sicherlich nur verlegerisches Unvermögen erkennen möchte - ich sehe ein Muster darin, dass rationale, progressive und Alternativen bietende Medien und Verlage im deutschen "Meinungsmarkt" nicht bestehen können.

    Ich frage mich hingegen, wann die BILD pleite geht, die Junge Freiheit oder auch mal Verlage, die Sinn, Henkel oder Sarrazin verlegen. Werde ich diese Tage noch erleben dürfen in diesem Deutschland?

    Ins Bild passt auch, dass am gleichen Tag, an dem von der Ankündigung der Veröffentlichung von Tenenboms Antisemitimus-Buch über die deutsche Gesellschaft im Suhrkamp-Verlag zu lesen ist, dieser Verlag mit Zerschlagungsgerüchten von sich reden macht.

    4 Leserempfehlungen
    • WolfHai
    • 05. Dezember 2012 20:19 Uhr

    "Da rotieren die Ahnen des Verlages - ob Verleger oder Autoren - im Grabe."

    Die Autoren können wohl nichts dafür. Aber die (oder nur der?) verstorbene(n) Verleger hat offenbar den Verlag in einer Form hinterlassen, die den Verlag nicht lebensfähig macht. Die Übergabe an die nächste Generation: wenn man's nicht richtig macht (und das scheint nicht einfach zu sein), dann scheitert's. Das ist nicht nur die Schuld der Nachkommenden.

    2 Leserempfehlungen
    • Kometa
    • 06. Dezember 2012 0:06 Uhr

    Wenn denn das namentlich (Peter Suhrkamp) letzte Unheil einträte, wäre die heutige Verlegerin sofort willens und in der Lage, das Verlagshaus als "Siegfried Unseld Verlag" weiterzuführen.

  5. Wieso trat ein Mitglied des Stiftungsrates zurück, nachdem Ulla Unseld-Berkéwicz den Verlag übernommen hat?

    Machtspiele (dieses Mitglied hätte dort gerne jemand anderen gesehen?) oder gab es damals schon fundierte Kritik an Frau Unseld-Berkéwicz?

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, jam
  • Schlagworte Hans Barlach | Suhrkamp | Hans Magnus Enzensberger | Jürgen Habermas | Siegfried Unseld | Autor
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