KrimiZeit-BestenlisteDie zehn besten Krimis des Jahres 2012

Jeden ersten Donnerstag im Monat geben Literaturkritiker und Krimispezialisten die Romane bekannt, die ihnen am besten gefallen haben. Dies waren die besten im Jahr 2012. von Tobias Gohlis

1Fred Vargas: Die Nacht des Zorns
Aus dem Französischen von Waltraud Schwarze, Aufbau, 454 S., 22,99 €

Paris/Normandie. In Ordebec wurde "Die Wilde Jagd" gesehen. In der Horde: vier Männer aus dem Dorf. Todgeweiht? Kommissar Adamsberg, genervt vom Mord an einem Finanzmagnaten, folgt fasziniert normannischen Mythen, Ängsten, Intrigen. Nach drei Jahren Abstinenz: der neue Polar Poétique von Vargas.

2Helon Habila: Öl auf Wasser
Aus dem Englischen von Thomas Brückner, Das Wunderhorn, 240 S., 24,80 €

Port Harcourt/Nigerdelta. Alltag im Delta: Ingenieursfrau entführt, Lösegeld gezahlt, "Rebellen" erschossen, Öl fließt weiter. Die Journalisten Rufus und Zaq hilflos, ahnungslos, am Sterben teilnehmende Betrachter. Reise – nicht ins Herz der Finsternis, zu Shells Gewinnquellen. Ohnmacht, Wut. Unerbittlich traurig.

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3Donald Ray Pollock: Das Handwerk des Teufels
Aus dem Englischen von Peter Torberg, Liebeskind, 304 S., 19,80 €

Meade, Ohio /Coal Creek, West Virginia. Mit 10 hungert und betet Arvin Russell gegen das Sterben seiner Mutter an. Mit 18 hat er vier Menschen erschossen. Dann haben ein Vergewaltiger, zwei Serienmörder, ein mörderischer Sheriff und ein Prediger-Paar seinen Weg gekreuzt. Wüstes, grandioses Roman-Debüt.

Das Beste vom Besten

An jedem ersten Donnerstag des Monats wählen 18 Literaturkritiker und Krimispezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die zehn Kriminalromane, die ihnen am besten gefallen haben. Sie halten nach dem literarisch interessanten, thematisch ausgefallenen, besonderen Kriminalroman Ausschau. Die KrimiZeit-Bestenliste entsteht in Kooperation von DIE ZEIT und NordwestRadio. Die Jury besteht aus 18 Spezialisten für Kriminalliteratur, die aus der laufenden Produktion jeweils 4 Titel vorschlagen, die sie mit 7,5,3 oder 1 Punkt bewerten. Der so gefundene Punktwert pro Titel wird mit der Zahl der Stimmen multipliziert, die auf ihn entfallen sind. Daraus wird die monatliche Liste berechnet. Jedes Jurymitglied darf insgesamt drei Mal für den selben Titel votieren. Voten für Titel, an deren Entstehung oder Vorbereitung man beteiligt war, sind verboten. Die Titel dürfen nicht älter als 12 Monate sein und keine Wiederauflagen, Sammelbände oder Anthologien. Unterschiede zwischen Hardcover, Paperback und Taschenbuch werden nicht gemacht. Im Schnitt kommen 5 Titel neu auf die monatliche Liste. Die Ziffer in Klammern gibt den Rang des Vormonats an.

Die Jury

Tobias Gohlis, Kolumnist DIE ZEIT, Sprecher der Jury,
Volker Albers, "Hamburger Abendblatt",
Andreas Ammer, "Druckfrisch", Dlf, BR,
Gunter Blank, "Sonntagszeitung",
Thekla Dannenberg, "Perlentaucher"
Fritz Göttler, "Süddeutsche Zeitung",
Michaela Grom, SWR,
Hannes Hintermeier, "Frankfurter Allgemeine Zeitung",
Lore Kleinert, Radio Bremen,
Elmar Krekeler, "Die Welt",
Kolja Mensing, DRadioKultur,
Ulrich Noller, Deutsche Welle, WDR,
Jan Christian Schmidt, "Kaliber 38",
Margarete v. Schwarzkopf, Literaturkritikerin,
Ingeborg Sperl, "Der Standard",
Sylvia Staude, "Frankfurter Rundschau",
Jochen Vogt, NRZ, WAZ,
Hendrik Werner, "Weser-Kurier",
Thomas Wörtche, "Penser Pulp bei Diaphanes", "culturmag", DradioKultur

Die Jury der KrimiZEIT-Bestenliste erreichen Sie über
Krimibestenliste@zeit.de.

4Peter Temple: Tage des Bösen
Aus dem Englischen von Sigrun Zühlke, C. Bertelsmann, 432 S., 14,99 €

Hamburg/London/Johannesburg. Beim Versuch, ein Video mit einer Massakerszene zu verkaufen, gerät Bodyguard Niemand ins Visier der Täter. Datenhändler Anselm soll ihn schnappen helfen - und stößt auf das Trauma der eigenen Biografie. Rasant, komplex: Meisternarrativ über Verdeckung, geheime Kriege und Spionage vor 9/11.

5Sara Gran: Die Stadt der Toten
Aus dem Englischen von Eva Bonné, Droemer, 368 S., 14,99 €

New Orleans , 2007. Staatsanwalt Vic Willing ist im Katrina-Chaos verschwunden. Claire de Witt, beste Privatdetektivin der Welt, klärt auf: mit Scharfblick, Drugs, Träumen und Jacques Silettes mythischer Detektiv-Bibel. Happy End gibt’s nicht, nicht in New Orleans. Rausch + Klarheit = Gran. Unglaublich gut.

6Friedrich Ani: Süden und das heimliche Leben
Knaur, 206 S., 8,99 €

München . Als der Kellnerin Ilka Senner angeboten wurde, die Kneipe zu übernehmen, in der sie jahrelang gearbeitet hatte, verschwand sie fast spurlos. Tabor Süden soll sie wiederfinden. Er hat es nicht weit, und schon stöbert er in ungelebten Leben, verschluckter Gewalt, logischem Irresein. Ani in großer Form.

7Merle Kröger: Grenzfall
Argument/Ariadne, 352 S., 11,00 €

Mecklenburg-Vorpommern /Rumänien, 1992-2012. Wie Wildschweine erschossen beim Grenzwechsel: Marius und Nicu. Die Jäger freigesprochen. Marius’ Tochter Adriana kehrt zurück, um sie zu stellen. Kluge Kriminalerzählung zum Dokumentarfilm Revision. Empathisch scharfer Blick in europäische Angstzustände.

8Mike Nicol: Payback
Aus dem Englischen von Mechthild Barth, btb, 574 S., 9,99 €

Kapstadt/Luanda. Im Befreiungskampf waren Mace und Pylon Waffenhändler, jetzt, in der Demokratie, verdienen sie friedliches Geld. Bis ihnen alte Schulden präsentiert werden. Die Entführung von Mace’ Tochter ist nur der Anfang. Erster Band der "Rache-Trilogie". Unbarmherzig rauer Wind aus Südafrika. Gnadenlos gut.

9Tana French: Schattenstill
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, Scherz, 732 S., 16,99 €

Dublin . Zwei Kinder erstickt, Vater erstochen, Mutter lebensbedrohlich verletzt. Familiendrama, Eifersuchtsmord, soziale Ausweglosigkeit? Detective Kennedy glaubt sich seiner Methoden sicher. Bis die Selbstgewissheit auf schieren Wahnsinn trifft. "Auch ein Guter kann zerbrechen."

10Robert Littell: Philby. Porträt des Spions als junger Mann
Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence, Arche, 288 S., 19,95

Europa 1938-1963. Voll Hintersinn ruft Littell die Zeugen des größten Spionagefalls im 20. Jahrhundert auf: Kim Philby und vier andere Cambridge-Boys waren Sowjet-Agenten. Und verwandelt, als Autor, der alle Spionagewitze kennt, die alte Geschichte mit leichter Hand in eine neue. Bravourös.

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Leserkommentare
  1. Nach welchem Maßstab kann man die von Ihnen empfohlenen Krimis als "die 10 besten Krimis" bezeichnen?
    Selbst habe ich im Laufe des Jahres sicherlich 10 (neue) Krimis gelesen, darunter auch einige sehr gute. Aber von den von Ihnen empfohlenen war keiner dabei.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nummer 9 habe ich gelesen. Das von Tana French.

    Mir ist aber nicht klar, wieso das unter die "10 Besten" gekommen ist. Das Buch ist ok, aber sämtliche Nebenschauplätze werden in dem Buch einfach nicht abgehandelt, also nicht aufgeklärt - am Ende weiß man, wer warum wen erstochen hat, aber alles andere bleibt offen.

    Das macht Tana French in all ihren Büchern und von daher wird sie bei mir nie in die Top-10 gehören. Da muss schon mehr dahinterstehen als "Nebenkriegsschauplatz (der interessanter war als der eigentliche Mord) ... vergessen, Hauptsache Mord wird aufgeklärt".

    Wie kommt aber diese Liste hier zustande genau? Welche Kriterien gab es da? Würde mich mal interessieren.

  2. Nummer 9 habe ich gelesen. Das von Tana French.

    Mir ist aber nicht klar, wieso das unter die "10 Besten" gekommen ist. Das Buch ist ok, aber sämtliche Nebenschauplätze werden in dem Buch einfach nicht abgehandelt, also nicht aufgeklärt - am Ende weiß man, wer warum wen erstochen hat, aber alles andere bleibt offen.

    Das macht Tana French in all ihren Büchern und von daher wird sie bei mir nie in die Top-10 gehören. Da muss schon mehr dahinterstehen als "Nebenkriegsschauplatz (der interessanter war als der eigentliche Mord) ... vergessen, Hauptsache Mord wird aufgeklärt".

    Wie kommt aber diese Liste hier zustande genau? Welche Kriterien gab es da? Würde mich mal interessieren.

  3. Es ist nicht so, als ob ich prinzipiell was gegen Krimis hätte ... Hm, das ist fast schon eine Lüge: Der Krimi war die erfolgreichste Literaturgattung des 20. Jahrhunderts, und zwar sicher nicht zuletzt deshalb, weil er konventionell wie kaum eine andere Gattung ist.
    Ich habe keinen der 10 Bände auf der Liste gelesen. Überhaupt kenne ich von den Autoren nur ein Werk von Fred Vargas sowie zwei von Friedrich Ani.
    Beide Autoren schreiben , scheint mir, durchaus lesbare Prosa, aber bedeutende Literatur geht doch irgendwie anders.
    Mal eine andere Anregung: Wie wär's alljährlich mit einer Top Ten der neuen Phantastischen Literatur. Deren Niveau scheint mir in den besseren Werken auch nicht schlechter als beim Krimi - und thematisch gibt es da gewiss eine größere Bandbreite.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Payback | Dublin | Europa | Mecklenburg-Vorpommern | München | New Orleans
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