Mit Empörung haben Intellektuelle auf regimefreundliche Äußerungen des chinesischen Literaturnobelpreisträgers Mo Yan reagiert. "Er sollte sich schämen", sagte der chinesische Künstler Ai Weiwei . "Er verteidigt dieses bösartige System." Der Regimekritiker verwies darauf, dass in China Schriftsteller und Künstler in Haft gesteckt oder bedroht werden.

Mo Yan hatte am Donnerstag Zensur als notwendiges Übel beschrieben und mit Sicherheitskontrollen auf Flughäfen verglichen. "Verleumdungen, Verunglimpfungen, Gerüchte und Beleidigungen muss man schon zensieren", sagte der Preisträger, da reiche doch ein Blick ins Internet.

Patrick Poon, Direktor des Hongkonger Pen-Zentrums unabhängiger chinesischer Schriftsteller, kritisierte Mo Yan. "Dass ein Nobelpreisträger die Zensur unterstützt, kann auf keinen Fall akzeptiert werden", sagte "Wir alle sollten uns fragen, ob ein solcher Schriftsteller den höchsten Literaturpreis der Welt verdient hat."

"Lakaie" des chinesischen Systems

Auch mehrere im Exil lebende chinesische Autoren zeigten sich empört. Der in den USA wohnende Schriftsteller Yu Jie nannte Mo Yan einen "Lakaien" des chinesischen Systems. "Mo Yan ist ein Zyniker", schrieb der in Berlin lebende chinesische Autor Liao Yiwu in einem Beitrag für die schwedische Zeitung Svenska Dagbladet . Er schloss sich Herta Müllers Einstufung des diesjährigen Literaturnobelpreises als "Katastrophe" an.

Die Intellektuellen kritisierten Mo Yan auch für sein Schweigen über den inhaftierten chinesischen Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo . Für dessen Freilassung hatten sich 134 andere Nobelpreisträger vehement eingesetzt. Mo Yan dagegen wollte zu dem Fall keine Stellung nehmen.

Am heutigen Freitag hält Mo Yan die traditionelle Nobelvorlesung in Stockholm , bei der viele Beobachter gespannt sind, ob er sich zur politischen Lage in China äußert. Drei Tage später wird ihm dann die Auszeichnung offiziell verliehen.