Literaturnobelpreis : Empörung über regimefreundliche Äußerungen von Mo Yan

Drei Tage vor der Verleihung des Literaturnobelpreises muss sich der Preisträger Mo Yan mit viel Kritik auseinandersetzen. Er hatte die Zensur in China verteidigt.
Der Literaturnobelpreisträger Mo Yan stellt sich in Stockholm der Presse. © Jonathan Naclstrand/AFP/Getty Images

Mit Empörung haben Intellektuelle auf regimefreundliche Äußerungen des chinesischen Literaturnobelpreisträgers Mo Yan reagiert. "Er sollte sich schämen", sagte der chinesische Künstler Ai Weiwei . "Er verteidigt dieses bösartige System." Der Regimekritiker verwies darauf, dass in China Schriftsteller und Künstler in Haft gesteckt oder bedroht werden.

Mo Yan hatte am Donnerstag Zensur als notwendiges Übel beschrieben und mit Sicherheitskontrollen auf Flughäfen verglichen. "Verleumdungen, Verunglimpfungen, Gerüchte und Beleidigungen muss man schon zensieren", sagte der Preisträger, da reiche doch ein Blick ins Internet.

Patrick Poon, Direktor des Hongkonger Pen-Zentrums unabhängiger chinesischer Schriftsteller, kritisierte Mo Yan. "Dass ein Nobelpreisträger die Zensur unterstützt, kann auf keinen Fall akzeptiert werden", sagte "Wir alle sollten uns fragen, ob ein solcher Schriftsteller den höchsten Literaturpreis der Welt verdient hat."

"Lakaie" des chinesischen Systems

Auch mehrere im Exil lebende chinesische Autoren zeigten sich empört. Der in den USA wohnende Schriftsteller Yu Jie nannte Mo Yan einen "Lakaien" des chinesischen Systems. "Mo Yan ist ein Zyniker", schrieb der in Berlin lebende chinesische Autor Liao Yiwu in einem Beitrag für die schwedische Zeitung Svenska Dagbladet . Er schloss sich Herta Müllers Einstufung des diesjährigen Literaturnobelpreises als "Katastrophe" an.

Die Intellektuellen kritisierten Mo Yan auch für sein Schweigen über den inhaftierten chinesischen Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo . Für dessen Freilassung hatten sich 134 andere Nobelpreisträger vehement eingesetzt. Mo Yan dagegen wollte zu dem Fall keine Stellung nehmen.

Am heutigen Freitag hält Mo Yan die traditionelle Nobelvorlesung in Stockholm , bei der viele Beobachter gespannt sind, ob er sich zur politischen Lage in China äußert. Drei Tage später wird ihm dann die Auszeichnung offiziell verliehen.

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Kommentare

55 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

unverständliche Entscheidung aus Oslo

Der Nobelpreis ist der Katzbuckel vor der wirtschaftlichen und militärischen Bedeutung dieses Giganten. Selbst wenn dieser Mann so phantastisch schreibt wie es die Zeit unlängst in einer Rezension seiner Werke dargestellt hat (was ich nicht überprüft habe) so hat er doch eine politische Verantwortung. Der er nicht nachkommt.
Auch das Nobelpreiskommitee trägt einen politischen Anspruch vor sich her, mit seinem Friedensnobelpreis zum Beispiel. Was haben die sich dabei gedacht? Wollten sie der Welt und China damit zeigen, dass sie sich selber für unparteiisch halten? Wie kann man so einem Mann, der sich öffentlich für Unrechtsverhältnisse ausspricht einen solchen Preis zuerkennen? Entweder ist der Nobelpreis eine völlig unpolitische Angelegenheit, dann darf man aber auch keine politisch motivierten Preise vergeben. (Obama, oder der Dalai Lama) Oder die Politik spielt eine Rolle, dan ist der Preis durch so eine Entscheidung beschädigt

Dissidenten-Nobelpreis?

Werden Nobelpreise jetzt nur noch an Personen vergeben, die politisch auf der richtigen Seite stehen? Was ist wichtiger: die politische Einstellung oder das Können?

Für mich ist der Nobelpreis völlig ruiniert worden durch diese politischen Schlammschlachten.

Dann soll man bitte öffentlich erklären, dass der Preis nurnoch an Menschen verliehen wird, die den freiheitlich-kapitalistischen Gesinnungstest bestehen.

Oder man führt einen "Dissidenten-Nobelpreis" ein.

So jedenfalls kann es nicht weitergehen.

Ich möchte Zensur in China auch nicht verteidigen. Nur hat das nicht mit dem Nobelpreis zu tun. Hier bekommt jemand einen Preis, weil er geniale Bücher schreibt. Warum muss er dann unbedingt politisch werden und die Regierung seines Heimatlandes kritisieren?

Ich finde bei solchen Nobelpreisen sollte das Werk im Mittelpunkt stehen und nicht Politik.

Das ist unangemessene Instrumentalisierung!

Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/au