MediävistikGermanist Wapnewski gestorben

Der "große alte Mann" der Germanistik ist gestorben: Peter Wapnewski galt als der Experte für die deutsche Literatur des Mittelalters – besonders für das Nibelungenlied. von dpa

Peter Wapnewski, deutscher Literatur- und Musikwissenschaftler, in Berlin (Archiv)

Peter Wapnewski, deutscher Literatur- und Musikwissenschaftler, in Berlin (Archiv)  |  © Claudia Esch-Kenkel/dpa

Der Germanist Peter Wapnewski ist tot. Der Gründungsdirektor des Berliner Wissenschaftskollegs starb am Freitag in Berlin im Alter von 90 Jahren, teilte die Sprecherin des Kollegs mit. Wapnewski galt als der "große alte Mann" der Germanistik und als einer der prägendsten Intellektuellen im Nachkriegsdeutschland. Er gehörte zu den angesehensten und bekanntesten Vertretern der Literaturwissenschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Besondere Anerkennung erwarb sich Wapnewski als Experte für die deutsche Literatur des Mittelalters und die Werke Richard Wagners . Davon zeugen auch die populären Hörfunk- und Hörbuchreihen zum Beispiel über das Nibelungenlied.

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Der am 7. September 1922 in Kiel geborene Sohn eines Seeoffiziers hatte einen Philologie-Lehrstuhl an der Technischen Universität in Berlin (TU) und war zuvor ordentlicher Professor an der Uni Heidelberg, die Wapnewski als einen ihrer "großen Söhne" bezeichnet. Als einer der Vizepräsidenten des Goethe-Instituts nahm er die Institution gegen konservative Angriffe in Schutz. Wapnewski war Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Akademie der Künste in Berlin und erhielt unter anderem den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa.

Seine Memoiren:Mit dem anderen Auge

Zuletzt hatte Wapnewski 2005 und 2006 seine zweibändigen Memoiren veröffentlicht, deren Titel Mit dem anderen Auge auf seine schwere Kriegsverletzung anspielt, bei der er ein Auge verlor. Im Jahr 2003 machte ein Germanistenlexikon erstmals Wapnewskis NSDAP-Mitgliedschaft publik. Damals räumte Wapnewski ein, dass es für ihn und etwa auch Walter Jens einfacher gewesen wäre, "wenn wir vor 20 Jahren gesagt hätten: Ja, wir waren Parteigenossen, es war dumm."

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit ( SPD ) betonte in einem Nachruf, Wapnewski habe sich "bleibende Verdienste um die Kultur- und Wissenschaftsmetropole Berlin" erworben. Als Gründungsrektor habe er das Wissenschaftskolleg Berlin zu einer international renommierten Forschungsinstitution geformt.

Als Forscher, der seit 1982 in Berlin lehrte, habe Wapnewski besonders auf dem Gebiet der mittelalterlichen deutschen Literatur an eine wissenschaftliche Tradition angeknüpft, die wesentlich von den Brüdern Grimm in Berlin begründet wurde, hieß es in Wowereits Erklärung weiter. Wapnewski habe darüber hinaus "durch seine Persönlichkeit, seine weltläufige Ausstrahlung und seine großartige Begabung, andere Menschen zu inspirieren, vieles für unsere Stadt bewirkt".

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Leserkommentare
  1. Freier Autor

    Deutschland - die Welt - hat so wenige grosse Mediävisten, und nun haben wir einen der grössten verloren - Aloha, Herr Professor

    3 Leserempfehlungen
  2. Wer erklärt mir nun den Richard richtig?
    Womöglich waren Walküren hier am Werk.

  3. wapnewskis auseinandersetzen möchte, dem sei sein Besuch im Literarischen Quartett empfohlen (über die youtube-suche leicht zu finden).

    Er wird als einer der größten deutschen mediävisten gewiss in erinnerung bleiben.

  4. Einfach ein Genuss in Audio und Inhalt die Hörbücher zu z.B. Parzival und Tristan - mittelhochdeutsch, neuhochdeutsch und zwischendurch manches erklärt - "nicht wahr!!". Durch und durch spürt man die Begeisterung des Vortragenden Wapnewski, der die alten Lieder lebendig werden lässt.
    Vielen, vielen Dank dafür Herr Wapnewski. Ach Mensch. Aber dann und wann ist es eben Zeit zu gehen.

    Eine Leserempfehlung
    • FranL.
    • 23. Dezember 2012 21:50 Uhr

    Er gehörte zu der, selten gewordenen, Spezies von Intellektuellen die durch geistige Leistungen statt durch eitle, mediale Selbstdarstellung beeindruckten.

    Und das vor Beginn des Wagnerjahres.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Peter Wapnewski | Klaus Wowereit | SPD | Literatur | Walter Jens | Alter
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