Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger hat in einem ZEIT-Interview angekündigt, den Suhrkamp Verlag zu verlassen, sollte Minderheitseigner Hans Barlach in Zukunft den Verlag führen. "Übernähme er die Geschäftsführung, so würde ich keine Minute bei Suhrkamp bleiben", sagte Enzensberger .

Der 83 Jahre alte Autor wirft Barlach vor, sich nie programmatisch über den Verlag geäußert zu haben und nur "vorhandene Copyrights" ausschlachten zu wollen. "Da werden die Autoren nicht mitmachen. Weder die existierenden Verträge noch die Rechtsprechung lassen das zu. Herr Barlach scheint das nicht zu wissen", sagte Enzensberger. Andere Schriftsteller seien auch auf seiner Seite: "Da bin ich weiß Gott nicht der Einzige. Wer wollte sich auf eine solche Luftnummer einlassen?", sagte Enzensberger.

Barlach ist über die Medienholding Winterthur mit 39 Prozent am Verlag beteiligt. Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz hält über eine Familienstiftung 61 Prozent der Anteile. Sie ist laut einem Gerichtsbeschluss als Geschäftsführerin abberufen worden . Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Zum Akten studieren fehlt ihm Zeit und Lust

Enzensberger stärkte Unseld-Berkéwicz den Rücken: "Was ich mit Bestimmtheit sagen kann, ist, dass Ulla Berkéwicz mit Autoren umgehen kann und dass sie ein Programm auf die Beine gestellt hat, das sich sehen lassen kann".

Nicht äußern wolle Enzensberger sich hingegen zu den Vorwürfen Barlachs, dass die Gegenpartei Gelder veruntreut habe und sich geschäftsschädigend verhalten habe. "Das kann ich nicht beurteilen. Dafür müsste man die Akten studieren und sich mit Mietverhältnissen und Heizungskosten befassen. Dazu fehlen mir Zeit und Lust", sagte Enzensberger.

Sich selbst bezeichnet er im Interview als den letzten lebenden Autor im Haus Suhrkamp, dessen Buch noch von Peter Suhrkamp angenommen worden sei – "wenn Sie wollen, ein Relikt aus dem 20. Jahrhundert".