VerlagsbrancheEnzensberger droht, Suhrkamp zu verlassen

Nachdem die Suhrkamp-Chefin abgesetzt wurde, äußert sich Schriftsteller Enzensberger: Keine Minute wolle er bleiben, sollte Minderheitseigner Barlach den Verlag leiten. von 

Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger im September 2011 in Frankreich

Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger im September 2011 in Frankreich  |  © Ulf Andersen/getty Images

Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger hat in einem ZEIT-Interview angekündigt, den Suhrkamp Verlag zu verlassen, sollte Minderheitseigner Hans Barlach in Zukunft den Verlag führen. "Übernähme er die Geschäftsführung, so würde ich keine Minute bei Suhrkamp bleiben", sagte Enzensberger .

Der 83 Jahre alte Autor wirft Barlach vor, sich nie programmatisch über den Verlag geäußert zu haben und nur "vorhandene Copyrights" ausschlachten zu wollen. "Da werden die Autoren nicht mitmachen. Weder die existierenden Verträge noch die Rechtsprechung lassen das zu. Herr Barlach scheint das nicht zu wissen", sagte Enzensberger. Andere Schriftsteller seien auch auf seiner Seite: "Da bin ich weiß Gott nicht der Einzige. Wer wollte sich auf eine solche Luftnummer einlassen?", sagte Enzensberger.

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Barlach ist über die Medienholding Winterthur mit 39 Prozent am Verlag beteiligt. Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz hält über eine Familienstiftung 61 Prozent der Anteile. Sie ist laut einem Gerichtsbeschluss als Geschäftsführerin abberufen worden . Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Zum Akten studieren fehlt ihm Zeit und Lust

Enzensberger stärkte Unseld-Berkéwicz den Rücken: "Was ich mit Bestimmtheit sagen kann, ist, dass Ulla Berkéwicz mit Autoren umgehen kann und dass sie ein Programm auf die Beine gestellt hat, das sich sehen lassen kann".

Nicht äußern wolle Enzensberger sich hingegen zu den Vorwürfen Barlachs, dass die Gegenpartei Gelder veruntreut habe und sich geschäftsschädigend verhalten habe. "Das kann ich nicht beurteilen. Dafür müsste man die Akten studieren und sich mit Mietverhältnissen und Heizungskosten befassen. Dazu fehlen mir Zeit und Lust", sagte Enzensberger.

Sich selbst bezeichnet er im Interview als den letzten lebenden Autor im Haus Suhrkamp, dessen Buch noch von Peter Suhrkamp angenommen worden sei – "wenn Sie wollen, ein Relikt aus dem 20. Jahrhundert".

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Leserkommentare
  1. noch ein Entweder Oder - das passt zwar zu seiner Meinung doch nicht zum aktuellem Geschehen.
    Wir leben nunmehr in 2013 und es werden täglich mehr Bücher veröffentlicht als zum Start seiner Karriere jährlich und es wird Zeit das manche von denen auch publik werden.

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    ...in dem Herr Barlach Frau Unseld-Berkéwicz in jeder nur denkbaren Hinsicht am Zeug zu flicken versucht. Frau Unseld-Berkéwicz steht für die Veröffentlichung neuer und unbekannter Autoren, die dem Verlag zunächst wenig Umsatz bringen, während Herr Barlach laut darüber nachdenkt, nur noch die lukrative backlist auszuschlachten.

    Ich bin froh, daß Hans Magnus Enzensberger dazu eine klare Position einnimmt und dem Heuschrecken-Ansinnen von Herrn Barlach seine Grenze aufzeigt.

  2. ...in dem Herr Barlach Frau Unseld-Berkéwicz in jeder nur denkbaren Hinsicht am Zeug zu flicken versucht. Frau Unseld-Berkéwicz steht für die Veröffentlichung neuer und unbekannter Autoren, die dem Verlag zunächst wenig Umsatz bringen, während Herr Barlach laut darüber nachdenkt, nur noch die lukrative backlist auszuschlachten.

    Ich bin froh, daß Hans Magnus Enzensberger dazu eine klare Position einnimmt und dem Heuschrecken-Ansinnen von Herrn Barlach seine Grenze aufzeigt.

    Antwort auf "in dem hohen Alter"
  3. 3. [...]

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  4. 4. [...]

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  5. Was will Hans Magnus Enzensberger erreichen, nur das eine, Suhrkamp, keine Dumpf Backe im Haus haben.

    Barlach hat das Niveau eines Bild Zeitung Stil.

    Wo bleiben die Aufgeklärten Bildungsbürger, mit ihrem Protest.

    Will man Aufgeben ?

    Nicht nur in der Deutschen Literatur.
    Will man den Staat aufgeben.

  6. ich bin nicht sicher, ob mit ihm überhaupt Geld verdient wird. In den Besteller-Listen landen Bücher von Bettina Wulff, Kachelmann und Dieter Bohlen.

    • footek
    • 13. Dezember 2012 7:34 Uhr

    Mal ein konstruktiver Einwurf in diesem Dilemma. Ironie aus!
    Man hat das Gefühl desto mehr geballter Intellekt zusammentrifft desto stärker sinkt die soziale Kompetenz -Dichter und Denker? Der reinste Kindergarten!

    via ZEIT ONLINE plus App

  7. Es stellt sich wohl eher die Frage, ob man die Ankündigung Enzensbergers als Drohung oder als Gelegenheit auffassen sollte...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, jam
  • Schlagworte Hans Magnus Enzensberger | Hans Barlach | Suhrkamp | Autor | Copyright | Geschäftsführer
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