SuhrkampDie Villa, der Verlag und das Geld

Das Berliner Landgericht hat die Begründung für seine Urteile im Fall Suhrkamp vorgelegt. von Gerrit Bartels

Neun Tage nach dem Urteilsspruch in zwei Suhrkamp-Prozessen zwischen der Ulla und Siegfried Familienstiftung und Hans Barlachs Medienholding AG hat nun das Berliner Landgericht seine Entscheidungsgründe schriftlich dargelegt . Diese Begründungen sind die Grundlage, mit der die Familienstiftung und ihr Anwalt Peter Raue in Berufung gehen werden, nachdem das Landgericht in beiden Verfahren Hans Barlach als Kläger Recht gegeben hatte. Danach soll die Geschäftsführung des Verlags Schadenersatz von fast 300.000 Euro an den Gesamtverlag zahlen, wegen der Vermietung von Unseld-Berkéwiczs privater Villa in Nikolassee an den Verlag. Zudem muss nach diesem Urteil Unseld-Berkéwicz ihren Posten als Geschäftsführerin räumen, genauso wie ihre Mitgeschäftsführer Thomas Sparr und Jonathan Landgrebe.

Nach der Lektüre der richterlichen Begründungen entsteht der Eindruck, dass es schwer werden dürfte für Unseld-Berkéwicz und ihre Getreuen, diese Urteile anzufechten. Auf der Basis einer Gesellschaftervereinbarung, die vor dem Umzug nach Berlin getroffen wurde, hätte die Geschäftsführung den Minderheitsgesellschafter des Verlags nicht nur über Vermietung und den Kauf von Einrichtungsgegenständen für besagte Räume informieren müssen, und zwar nicht erst ein Jahr später, sondern vorher. Erschwerend komme hinzu, dass es Ziel der Gesellschafterveinbarung von 2009 war, "Kosten nachhaltig zu reduzieren", so das Gericht. "Dem stand die Anmietung der Räume entgegen." Mehrmals spricht der Richter vom "pflichtwidrigen" Verhalten der Geschäftsführung.

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Interessant ist es, in diesem Zusammenhang zu erfahren, dass es beim Umzug primär um Geld ging. "Zur Verbesserung der Ertragssituation schlug die Geschäftsführung 2008 vor den Standort des Verlags von Frankfurt/Main nach Berlin zu verlegen", heißt es in der Begründung. Beide Gesellschafter hielten in ihrer Vereinbarung fest, dass durch den Umzug "die Kosten der Suhrkamp-Kommanditgesellschaften wesentlich und nachhaltig reduziert werden, insbesondere durch Reduktion des Personalbestandes und des sonstigen betrieblichen Aufwands." Ulla Unseld-Berkéwicz hatte seinerzeit den Wechsel nach Berlin vor allem programmatisch begründet. Ach, der Geist – er wird es schwer haben, Suhrkamp jetzt noch aus der Bredouille zu helfen.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. ... entsteht der Eindruck das es schwer werden dürfte ....
    warum liefert man keine Belege für die getroffene Einschätzung?
    Der ganze Artikel bleibt völlig im Ungefähren und das wo es doch um Kosten und Zahlen geht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
  2. Die unter Vorbehalt der Wirksamkeit ihrer Abberufung interimistisch im Amt verbliebene Geschäftsführung des Suhrkamp Verlags (ist das nicht schon Literatur, eigentlich echter Flaubert?! Schon klar, warum Juristen wie Schlink, von Schirach und der selige Rosendorfer so gute Schriftsteller abgeben) sollte sich für das weitere Vorgehen eine Prioritätenliste aufstellen. Hier ein Vorschlag. Prio 1: Den netten, aber völlig ahnungslosen Verlagsanwalt Peter Raue mit Dank und einem netten Buchgeschenk von seinen Pflichten entbinden und endlich einen rechtsverdrehenden, wadenbeißenden Höllenhund engagieren! Unfassbar, dass Raue sich angesichts der Fakten und der im Gütetermin offenbarten Ansichten des Richters nicht entblödet hat, der 'Morgenpost' noch am 8. Dezember noch ins Heft zu diktieren, die erste Klage zur Vermietung der Unseld-Villa sei "eher von untergeordneter Bedeutung" und dem Verfahren zur Abberufung der Geschäftsführung "sehe ich gelassen entgegen". Er hat nicht einmal den Zusammenhang zwischen den beiden Verfahren begriffen, dass nämlich die Feststellung der "groben Pflichtverletzung" - 1. Klage - die "Abberufung der Geschäftsführung aus wichtigem Grund" - 2. Klage - in vollem Umfang rechtfertigt. Ich bin kein Jurist, aber ich schätze, das wäre im Ersten Staatsexamen eher eine leichte Aufgabe. Wenn Raue bei der besagten Gesellschafterversammlung zugegen war, müsste er alleine schon deshalb als Syndikus abgelöst werden, denn dazu hätte es niemals kommen dürfen.

  3. Dem Verfasser des Artikels empfehle ich folgenden Artikel in def FAZ.

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/suhrkamp-verlag-ein-literarischer-...

    Einen Artikel dieser Qualität hätte ich mir auch hier gewünscht. Sauber recherchiert und mit Fakten belegt, so sieht guter Journalismus aus.

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  • Schlagworte Suhrkamp | Gericht | Geschäftsführer | Hans Barlach | Landgericht | Richter
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