Political Correctness: Warum wir uns bevormundet fühlen
Ist das alltägliche Leben eine große Kinderbuchreform? In der Klage über Tugendterror zeigt sich auch das liberale, weiße Individuum, das um seine Kompetenzen fürchtet.
Vom gottesfürchtigen, folgsamen Knaben der viktorianischen Zeit bis zum rebellischen Mädchen der 68er-Pädagogik, das in einer feministischen Umschreibung des Froschkönigs auch ohne schönen Prinzen auskam: Stets folgen die Lektoren und Verleger den Bedürfnissen der Eltern, die für ihre Kleinen nur das Beste wollen. Und die sich nicht vor anderen Eltern am Spielplatz schämen wollen, wenn ihr Kleiner das bei der "Negerprinzessin" Pippi Langstrumpf aufgeschnappte Wort nachplappert: Ja, woher hat er das denn wohl?
Es existiert nicht nur ein moralischer, sondern auch ein ökonomischer Markt für diese Wunschvorstellung von einer wenn nicht schmutzigen Gedanken insgesamt, so doch zumindest sündigen Worten entsagenden Nachkommenschaft. Der kommerziell verwertbare Konsumentenwunsch nach neuen Kinderbuchversionen ist eine Folge der gut gemeinten, aber naiven Vorstellung, man könne Kindern fromme Gedanken pädagogisch wirksam einflößen wie Bachblütentropfen und damit den Krankheiten der Gesellschaft vorbeugen.
Die Realität auf den Schulhöfen dürfte eine andere sein. Kaum sind die Kinder unter ihresgleichen, wird das mit Kreischen bedachte Tabu und das lustvoll artikulierte Verbotene unüberhörbar. Mühsam aus dem alphabetisierten Kinderzimmer verbannte Massenmedien melden sich mit unzensierten Botschaften zurück, die mit Bedacht zum Glimmen gebrachten, bildungsbürgerlich edierten Märchenfantasien verlieren an Reiz. Krasse Smartphonevideos und derbe Witze aus dem Unterschichtenfernsehen machen stattdessen die Runde. Das gesellschaftlich verdrängte Verletzende kehrt im kindlichen Sadismus wieder: "Du Opfer!" ist der Schlachtruf zur Distinktion der groben Unterschiede in der Hackordnung der Kleinen, "schwul" und "Schwuchtel" ist – Homosexuellenehe hin oder her – die Markierung für schwächliches Außenseitertum schlechthin.
Matthias Dusini, geboren 1967 in Meran, ist Kunstkritiker bei der Zeitschrift Falter in Wien. Thomas Edlinger, geboren 1967 in Wien, wirkt dort als Radiomacher (unter anderem moderiert er das Kulturmagazin Im Sumpf auf FM4), freier Kulturjournalist und Kurator. Im Jahr 2012 erschien ihr Buch In Anführungszeichen: Glanz und Elend der Political Correctness in der edition suhrkamp.
Zu Hause gibt es dann eventuell Erklärungsbedarf und elterliche Schamesröte. Einerseits soll das Kind vor allen materiellen wie immateriellen Schadstoffen geschützt werden. Andererseits ist es die Projektionsfläche des erwachsenen Autonomieideals. Nichts soll das Kind, trotz aller (über-)vorsichtigen Sorge um die Gefahren da draußen, an seiner Entwicklung zu einem freien, selbstbewussten Menschen hindern.
In diesem rousseauistischen Humus kann der kindliche Narzissmus prächtig gedeihen. Stampfend und trommelnd markiert er seinen Herrschaftsanspruch, während willfährige Eltern mit Bestechungsschokolade vor dem Tyrannen knien, der das Überziehen des Winteranoraks für den Rodelausflug verweigert. Wenn die Kleinen sich dann endlich gegenseitig mit Schneebällen bewerfen, wäre die Zeit gekommen, um über mögliche eigene narzisstische Kränkungen nachzudenken. Warum fühlen sich so viele Erwachsene von neu edierten Kinderbüchern bevormundet? Was empört sie, wenn einzelne Worte ausgetauscht werden?
Stolze Individualisten fühlen sich geknechtet
Offensichtlich hegen viele der selbsternannten Tugendterroropfer den Verdacht, political correctness sei nichts anderes als eine groß angelegte Kinderbuchreform. Ständig sagen einem Lehrer und andere Besserwisser, wie man sich zu verhalten und wie man schönzusprechen hat. Nie mehr Schule!, heißt ein Falco-Hit für Erwachsene, und den Refrain findet jeder gut, der sich schon lange nichts mehr sagen lassen will – weder von Gott, dem Gesangsverein oder dem Tugendstaat.
Unter der angeblich erbarmungslosen Knute fühlen sich stolze Individualisten geknechtet: Man darf nicht mehr Zigeunerschnitzel sagen, man muss (in Frankreich) eine Cola-Steuer auf zuckrige Getränke zahlen; sogar den Triumph, eines Tages aus eigener Willen mit dem Rauchen aufzuhören, versagt einem die sukzessive Entwöhnung durch immer strengere Antirauchergesetze. Ja, was darf man denn noch? Zum Beispiel Schnitzel essen, die eben nicht mehr Zigeunerschnitzel heißen, aber so schmecken; zum Beispiel dank der Erfindungen des Getränkemarkts soviel picksüße Limonade trinken wie noch nie; zum Beispiel – wie früher im Schulhof – draußen rauchen und sich damit zum Widerstandskämpfer stilisieren.






eine Form der Bevormundung durch eine andere Form der gleichen Bevormundung zu ersetzten.
Sowas kann nur, wie üblich, aus der geisteswissenschaftlichen Ecke der allgemeinen Nutzlosigkeit kommen.
Beste Grüße CM
Innehalten und Nachdenken ist eben das Privileg der wahrhaft Tugendhaften. Mir ist klar dass Naturwissenschaftler dazu nicht in der Lage sind, deren Wissenschaftsbetrieb leider sui generis auf die ökonomische Verwertbarkeit technizistischen Wissens hin ausgerichtet ist. Arme deformierte Subjekte ihrer selbstgemachten objektiven Zwänge....
Innehalten und Nachdenken ist eben das Privileg der wahrhaft Tugendhaften. Mir ist klar dass Naturwissenschaftler dazu nicht in der Lage sind, deren Wissenschaftsbetrieb leider sui generis auf die ökonomische Verwertbarkeit technizistischen Wissens hin ausgerichtet ist. Arme deformierte Subjekte ihrer selbstgemachten objektiven Zwänge....
Ich muss sagen, ich kann dem Artikel wenig Essenz entnehmen, vieles klingt recht verschnörkelt. Man könnte fast annehmen, dass die Autoren sich selbst gerne lesen oder reden hören ;-)
Bei solchen Sätzen wie: "Diese Lesart des moralischen Reformismus lässt am Horizont der Geschichte gar einen Kommunismus der Selbstachtung aufleuchten"
Zum Thema: Die Menschen sind eben unterschiedlich. Und die Gesellschaft verändert sich ständig. Wer nur unter Weißen vor hundert Jahren aufgewachsen ist, hatte keinen Bezug zu Schwarzen und musste kein schlechtes Gewissen beim Wort Neger haben. Nur wenn wir heute tatsächlich ständig auf schwarze Menschen treffen, dann ist diese Bezeichnung keine weitentfernte exotische Sache, die mit dem Alltag nichts zu tun hat, sondern wir begegnen uns selbst - Menschen die auch nicht gerne abfällig bezeichnet werden wollen.
Und bei dem Thema sollten gerade die am wenigsten Diskriminierten - deutsche, weiße, heterosexuelle, christliche Männer - mal ein wenig zurückhaltender sein. Als Betroffener fühlt sich das dann plötzlich nicht mehr so lustig an, wenn andere lockere Witze und Sprüche reißen. Von gesetzlich verordneter Sprachkultur halte ich auch nichts, aber Worte können eben auch verletzen.
"Als Betroffener fühlt sich das dann plötzlich nicht mehr so lustig an, wenn andere lockere Witze und Sprüche reißen"
Über Krauts und Nazis? Das ficht mich nicht wirklich an. Auch nicht die Vorurteile, die gegeüber den von Ihnen Benannten vorherrschen.
Einen Schnitt muss man da machen, wo es diskriminierend wird. Aber man muss auch einem Begriff gegenüber nicht überempflindlich werden.
Und wenn sich hier jemand dafür stark macht, dass ein bestimmter Begriff doch wohl gern in Kinderbüchern stehen bleiben möge, so heisst das ja nicht, dass das ein Plädoyer für die Verwendung des Wortes in der Alltagssprache ist.
Hier wird geradezu so getan, als würde die Rassentrennung wieder eingeführt, nur, weil so ein Wort in einem Buch steht.
... die deutschen , weißen, heterosexuellen (was weiß ich noch) gut erzogenen Männer...
Das Sagen haben doch längst die gleichgeschlechtlichen, mit Migrationshintergrund, ... weiblichen Geschlechts... (XOR)
Nennen Sie mir 10 Gegenbeispiele aus:
-- Spiegel
-- Zeit
-- ARD
-- ZDF
Ich weise Ihnen stante pede nach, dass Ihre Merkmale nicht stimmen.
Worte können verletzend sein, und es ist mehr als das gute Recht, der Verletzten darauf aktiv hinzuweisen. Und es ist für die anderen mehr als nur opportun, diese Hinweise ernst zu nehmen und sich danach zu richten.
Das kann aber nun mal nicht rückwirkend geschehen. Zensur/Geschichtsklitterung kann hier nicht die Lösung sein, auch wenn unsere Flexiministerin das privat so handhabt. Es nützt alles nix, wir müssen uns dem Thema in der Diskussion mit unseren Kindern stellen - auch wenn's lästig ist.
Gegen Klettverschlüsse an den Schuhen, auch wenn das Schleifelernen mühsam ist. Schleifen sehen einfach besser aus, und ein Buch im Originalzustand ist immer zu bevorzugen.
"Als Betroffener fühlt sich das dann plötzlich nicht mehr so lustig an, wenn andere lockere Witze und Sprüche reißen"
Über Krauts und Nazis? Das ficht mich nicht wirklich an. Auch nicht die Vorurteile, die gegeüber den von Ihnen Benannten vorherrschen.
Einen Schnitt muss man da machen, wo es diskriminierend wird. Aber man muss auch einem Begriff gegenüber nicht überempflindlich werden.
Und wenn sich hier jemand dafür stark macht, dass ein bestimmter Begriff doch wohl gern in Kinderbüchern stehen bleiben möge, so heisst das ja nicht, dass das ein Plädoyer für die Verwendung des Wortes in der Alltagssprache ist.
Hier wird geradezu so getan, als würde die Rassentrennung wieder eingeführt, nur, weil so ein Wort in einem Buch steht.
... die deutschen , weißen, heterosexuellen (was weiß ich noch) gut erzogenen Männer...
Das Sagen haben doch längst die gleichgeschlechtlichen, mit Migrationshintergrund, ... weiblichen Geschlechts... (XOR)
Nennen Sie mir 10 Gegenbeispiele aus:
-- Spiegel
-- Zeit
-- ARD
-- ZDF
Ich weise Ihnen stante pede nach, dass Ihre Merkmale nicht stimmen.
Worte können verletzend sein, und es ist mehr als das gute Recht, der Verletzten darauf aktiv hinzuweisen. Und es ist für die anderen mehr als nur opportun, diese Hinweise ernst zu nehmen und sich danach zu richten.
Das kann aber nun mal nicht rückwirkend geschehen. Zensur/Geschichtsklitterung kann hier nicht die Lösung sein, auch wenn unsere Flexiministerin das privat so handhabt. Es nützt alles nix, wir müssen uns dem Thema in der Diskussion mit unseren Kindern stellen - auch wenn's lästig ist.
Gegen Klettverschlüsse an den Schuhen, auch wenn das Schleifelernen mühsam ist. Schleifen sehen einfach besser aus, und ein Buch im Originalzustand ist immer zu bevorzugen.
Ich liebe Polictical Correctness. Die Leute sind da so schön artig und wohlerzogen zueinander wie die United Daughters of the Confederacy bei ihrem Jahrestreffen. Vielleicht nicht ganz so rassistisch, aber mindestens eben so ignorant.
Die Vorstellung, dass die Welt ein besserer Ort wird, indem man Zensur und der eigenen Bigotterie das Mäntelchen des Wohlwollens umhängt, beweist nur, dass es Leute gibt, die offenbar selbst mit dem Verständnis eines so simplen Romans wie 1984 überfordert sind.
Nun gut, Ironie wird demnächst sicher auch verboten.
Am besten gründen wir rhethorische Umerziehungslager, mit kostenloser Gehirnwäsche für jeden, damit wir alle nur noch schön blütenweisse Gedanken haben.
Apropos blütenweisse Gedanken: Kommt bitte niemand auf die Idee, den Ku Klux Klan als eine Bande rassistischer A......r zu bezeichnen. Die heissen jetzt politisch korrekt "White Supremacy Activists". Schöne neue Welt.
Und danke für die "White Supremacvy Activists" - daran werd' ich jetzt wohl den Rest meines Lebens denken müssen wenn die Gedankenpolizei mal wieder zuschlägt... ;-)
Zitat 12: Am besten gründen wir rhethorische Umerziehungslager, mit kostenloser Gehirnwäsche für jeden, damit wir alle nur noch schön blütenweisse Gedanken haben.
Schon DAS wäre nicht PC, denn "blütenweiß" wird mit positiv und rein/sauber gleichgesetzt - und impliziert somit das Böse für das Wort "schwarz" und alles, was damit zusammenhängt ...
(Siehe "Pippi-Langstrumpf-Diskussion", etc.)
Dieser Tugend-Terror ist im Prinzip "nur" die SÄKULARE Form
des religiösen Terrors, des sich seit Jahren auf der Welt
ausbreitet, sei es von Christen, sei es von Moslems.
Das selbst denkende und selbstkritische Individuum wird nicht geschätzt.
Vielleicht, weil es der Wirtschaft und somit dem Kapitalmarkt schadet ???
Es ist ebenso Augen öffnend wie erschreckend, was bei dieser Debatte in den Köpfen der lieben Mitblogger sichtbar wird!
Und danke für die "White Supremacvy Activists" - daran werd' ich jetzt wohl den Rest meines Lebens denken müssen wenn die Gedankenpolizei mal wieder zuschlägt... ;-)
Zitat 12: Am besten gründen wir rhethorische Umerziehungslager, mit kostenloser Gehirnwäsche für jeden, damit wir alle nur noch schön blütenweisse Gedanken haben.
Schon DAS wäre nicht PC, denn "blütenweiß" wird mit positiv und rein/sauber gleichgesetzt - und impliziert somit das Böse für das Wort "schwarz" und alles, was damit zusammenhängt ...
(Siehe "Pippi-Langstrumpf-Diskussion", etc.)
Dieser Tugend-Terror ist im Prinzip "nur" die SÄKULARE Form
des religiösen Terrors, des sich seit Jahren auf der Welt
ausbreitet, sei es von Christen, sei es von Moslems.
Das selbst denkende und selbstkritische Individuum wird nicht geschätzt.
Vielleicht, weil es der Wirtschaft und somit dem Kapitalmarkt schadet ???
Es ist ebenso Augen öffnend wie erschreckend, was bei dieser Debatte in den Köpfen der lieben Mitblogger sichtbar wird!
http://de.wikipedia.org/w...
Wer denkt den an die Armen Armen Kinder...
Leiten nicht halten
Wie sagte so schön Simon Phoenix in Demolition Man in der glattgebügelten Zukunft?
"Du kannst den Menschen nicht verbieten ein Arschloch zu sein."
Genauso wie man kein Schach nur mit weissen Figuren spielen kann. Das Resultat kein Spiel = Stillstand.
der diesen Film auch gesehen hat. Ist kein Oscar-Hit, eher Trash, aber den ein oder anderne sozialkritischen Aspekt hatte er schon.
Und oft muss ich an den Film denken, wenn ich so an die Entwicklungen denke: Nur noch schöne, heile Welt, keine Schimpfworte gebrauchen, kein Sex haben, pfui !
Die Popmusik entwickelt sich auch immer mehr zu kleinen, netten zuckersüssen Werbejingles ohne Gefahr, dabei irgendjemanden zu kränken.
Furchtbar, aber wir sind auf gutem Wege dorthin.
der diesen Film auch gesehen hat. Ist kein Oscar-Hit, eher Trash, aber den ein oder anderne sozialkritischen Aspekt hatte er schon.
Und oft muss ich an den Film denken, wenn ich so an die Entwicklungen denke: Nur noch schöne, heile Welt, keine Schimpfworte gebrauchen, kein Sex haben, pfui !
Die Popmusik entwickelt sich auch immer mehr zu kleinen, netten zuckersüssen Werbejingles ohne Gefahr, dabei irgendjemanden zu kränken.
Furchtbar, aber wir sind auf gutem Wege dorthin.
Das sehe ich ebenso. "political correctness" ist ebenso ein reiner Kampfbegriff wie "Gutmensch" wobei bei Letzterem noch der "spannende, wohlige weil verbotene" Moment hinzukommt, weil dieser Begriff zwar nicht unbedingt seinen Ursprung, aber seine besondere Färbung durch Joseph Goebbels erfahren hat.
"Man wird doch noch sagen dürfen" oder "auf Deutsch gesagt" - alles Beispiele für diese immer häufiger genutzten Kampfbegriffe.
Und der Vegetarismus und das Nichtrauchertum sind durch Hitler diskreditiert?
"...weil dieser Begriff (Gutmensch, Anmerk.) zwar nicht unbedingt seinen Ursprung, aber seine besondere Färbung durch Joseph Goebbels erfahren hat."
Man kommt eben nicht umhin, in einer Diskussion annähernd prägnante Begriffe zu verwenden, um seitenlange Umschreibungen zu vermeiden.
Um den von ihnen, aufgrund seiner vermeintlichen Nazivergangenheit, stigmatisierten Begriff "Gutmensch" zu eliminieren, schlage ich stattdessen "chauvinistischer Moralist" oder ähnliches vor.
Man wird doch wohl noch sagen dürfen, dass man etwas wohl noch sagen dürfen können sollte!
Ernsthaft: Auch wenn einem der Begriff Political Correctness nicht gefällt, weil er inzwischen von deren Antagonisten gepachtet ist, ändert es nichts daran, dass es die Sache, die er bezeichnet, als politisches Programm durchaus gibt.
Was die Kinderbücher angeht, reden die Parteien m.E. aneinander vorbei. Es geht um zweierlei: a) um die Kinder, die in Büchern auf unerwünschte Wörter stoßen und b) um die Menschen, die von den entsprechenden Wörtern unerwünschterweise bezeichnet werden. das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe und es bringt deswegen auch nichts, sie dauernd gegeneinander auszuspielen.
Ich denke, man kann guten Gewissens davon ausgehen, dass Kinder das Problem hinter einem Begriff wie "Neger" verstehen, dass sie zweitens in einzelnen Fällen zwischen historischer und aktueller Sprache unterscheiden können und dass der Begriff auf ihre politische Sozialisation keinen nennenswerten Einfluss hat, jedenfalls nicht unabhängig von dem Milieu, in dem sie sowieso sozialisiert werden.
Selbst wenn man diesen Einwand gegen Punkt a) zugesteht, kann Einwand b) immer noch Grund genug sein, die Sprache in Kinderbüchern zu verändern. Hier würden mich aber eher die Meinungen der Betroffenen interessieren und weniger die der Tugendkritiker und der Tugendkritikerkritiker(Innen).
Und der Vegetarismus und das Nichtrauchertum sind durch Hitler diskreditiert?
"...weil dieser Begriff (Gutmensch, Anmerk.) zwar nicht unbedingt seinen Ursprung, aber seine besondere Färbung durch Joseph Goebbels erfahren hat."
Man kommt eben nicht umhin, in einer Diskussion annähernd prägnante Begriffe zu verwenden, um seitenlange Umschreibungen zu vermeiden.
Um den von ihnen, aufgrund seiner vermeintlichen Nazivergangenheit, stigmatisierten Begriff "Gutmensch" zu eliminieren, schlage ich stattdessen "chauvinistischer Moralist" oder ähnliches vor.
Man wird doch wohl noch sagen dürfen, dass man etwas wohl noch sagen dürfen können sollte!
Ernsthaft: Auch wenn einem der Begriff Political Correctness nicht gefällt, weil er inzwischen von deren Antagonisten gepachtet ist, ändert es nichts daran, dass es die Sache, die er bezeichnet, als politisches Programm durchaus gibt.
Was die Kinderbücher angeht, reden die Parteien m.E. aneinander vorbei. Es geht um zweierlei: a) um die Kinder, die in Büchern auf unerwünschte Wörter stoßen und b) um die Menschen, die von den entsprechenden Wörtern unerwünschterweise bezeichnet werden. das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe und es bringt deswegen auch nichts, sie dauernd gegeneinander auszuspielen.
Ich denke, man kann guten Gewissens davon ausgehen, dass Kinder das Problem hinter einem Begriff wie "Neger" verstehen, dass sie zweitens in einzelnen Fällen zwischen historischer und aktueller Sprache unterscheiden können und dass der Begriff auf ihre politische Sozialisation keinen nennenswerten Einfluss hat, jedenfalls nicht unabhängig von dem Milieu, in dem sie sowieso sozialisiert werden.
Selbst wenn man diesen Einwand gegen Punkt a) zugesteht, kann Einwand b) immer noch Grund genug sein, die Sprache in Kinderbüchern zu verändern. Hier würden mich aber eher die Meinungen der Betroffenen interessieren und weniger die der Tugendkritiker und der Tugendkritikerkritiker(Innen).
Wie wäre es mit der ebenso simplen wie zielführenden Lösung, dem einzelnen die Entscheidung zu überlassen?
Warum kann ein Verlag nicht selbst entscheiden, ob er den Originaltext von Pippi Langstrumpf oder eine von den umstrittenen Wörter befreite Edition (wenn der Autor bzw. dessen Erben mitspielen) herausgibt? Warum kann ein Wirt nicht selbst entscheiden, ob in seiner Kneipe geraucht wird oder nicht? Dann hätten auch die jeweiligen Konsumenten die freie Wahl und niemand muss sich bevormundet fühlen.
Wieso lassen Verlage die literarischen Werke nicht einfach so wie sie vom Autor geschaffen wurden und setzen zu Beginn des Buches einen Hinweis des Verlages oder des Herausgebers, dass in dem folgenden Text Wörter enthalten sind, die von manchen Menschen als beleidgend oder unpassend empfunden werden können. Dass man sich außerdem als Verlag oder Herausgeber von diesen Ausdrücken distanziert, man aber auch die Integrität des Werkes zu achten hat und es daher als solches in seinem ursprünglichen Zustand belässt. Dann sollte noch ein Appell an die Eltern folgen, ihren Kindern beim Verständnis des Textes helfend zur Seite zu stehen.
Dann kann jeder rechtzeitig für sich entscheiden, was er lesen will und was nicht bzw. was er seinen Kindern zum lesen geben will und was nicht. UND literarische Werke müssten nicht unnötig aus einem wankelmütigen Zeitgeist heraus verfälscht werden.
Wieso lassen Verlage die literarischen Werke nicht einfach so wie sie vom Autor geschaffen wurden und setzen zu Beginn des Buches einen Hinweis des Verlages oder des Herausgebers, dass in dem folgenden Text Wörter enthalten sind, die von manchen Menschen als beleidgend oder unpassend empfunden werden können. Dass man sich außerdem als Verlag oder Herausgeber von diesen Ausdrücken distanziert, man aber auch die Integrität des Werkes zu achten hat und es daher als solches in seinem ursprünglichen Zustand belässt. Dann sollte noch ein Appell an die Eltern folgen, ihren Kindern beim Verständnis des Textes helfend zur Seite zu stehen.
Dann kann jeder rechtzeitig für sich entscheiden, was er lesen will und was nicht bzw. was er seinen Kindern zum lesen geben will und was nicht. UND literarische Werke müssten nicht unnötig aus einem wankelmütigen Zeitgeist heraus verfälscht werden.
hmm, mir fehlt in der Diskussion, dass es hier um Kinderbücher geht, die seit jeher sprachlich und in Textlänge angepasst werden. Die ersten textliche Redaktion zur Anpassung an die Rezipienten bei den Grimm'schen Märchen hat sogar noch einer von denen selbst vorgenommen. Sprache ändert sich. Ich sehe nichts verwerfliches daran, den Text der Sprache anzupassen, wenn der Urheber bzw. dessen Rechtsnachfolger zustimmt. Nach Ablauf der Fristen? Verwerflich ist auch dass nicht, solange überarbeitet Exemplare als solche erkennbar sind. Die Fabeln von la Fontaine kennt ja jedes Kind. Aber sicher nicht in der Originalfassung.
Zitat:
"mir fehlt in der Diskussion, dass es hier um Kinderbücher geht, die seit jeher sprachlich und in Textlänge angepasst werden"
Mit dieser Aussage zeigen Sie nur, dass sie keine Ahnung davon haben, dass es auch unter den "Kinderbüchern" literarische Meisterwerke gibt, deren Text sakrosankt ist und an dem nicht herumgepfuscht werden darf!!!
Ich meine das ganz ernst.
gibt es nicht. Meine Tochter (6) will sich amüsieren, bzw. eine spannende Geschichte hören.
"Mit dieser Aussage zeigen Sie nur, dass sie keine Ahnung davon haben, dass es auch unter den "Kinderbüchern" literarische Meisterwerke gibt, deren Text sakrosankt ist und an dem nicht herumgepfuscht werden darf!!!" Ich argumentiere aus Rezipientensicht. Offen gesagt - auch wenn Sie das erschreckt - meiner Tochter ist das egal. Nebenbei bemerkt zeigen Sie, dass Sie Schwierigkeiten bei der Texterfassung haben (ich gebe Komplimente gerne zurück): Ich schrieb sinngemäß ..."wenn Autor bzw. Rechtsnachfolger zustimmen". Von Pfusch kann deshalb keine Rede sein. Das letzte Wort hat immer der Autor.
Was ältere Literatur angeht: Ich glaube sie verwechseln "Kinderbücher für und gelesen von Kindern" und "Kinderliteratur in der Rezeption der Erwachsenen". Was spricht denn bitte dagegen, dass es neben Originalausgaben auch gekennzeichnete (!) angepasste Fassungen für KINDER gibt? Gerade die Sprache der Kinder ist die Sprache, die sich bereits am stärksten gewandelt hat. Das hat es immer schon gegeben und ist den Aufschrei nicht wert. Die Gier nach dem "Original" und dem "Authentischen" ist in einer Welt der Übersetzungen sowieso trügerisch.
Grimm's Märchen sind bestimmt heute keine Geschichten mehr, die Kindern erzählt werden kann.
Da wimmelt es vor Tierquälereien (man denke an den bösen Wolf, der mit Wackersteinen beschwert in den Back geworfen wird - wie bei der Mafia), Sexismus (böse Hexe) und sonstigen Brutalitäten gegen den "gender mainstream". Und diese Gewaltszenen! Ganze Blutrauschorgien und Sexorgien werden gefeiert - ein zufiefst abstoßendes und für Kinder garantiert ungeeignetes Werk. Und man kann es nicht entschärfen. Oder entschärfen Sie mal die Sexszene bei Dornröschen, die niedlich verpackt als "Nadelstich mkit blutigen Folgen" statt dem Beginn der weiblichen (!) Menstruation dargestellt wird. Und der Prinz, der dann die Dornenmauer wegräumt (maw den spröden kleinen Backfisch endlich willig gemacht hat), bei dem gibt's nur ein Bussi? Nein, dafür hat er die doch nicht verführt, oder? Und der Witz ist, dass jedem Zeitgenossen der Grimm's klar war, wovon da die Rede war. Und heutige Kinder da sicher auch ihre Vorstellungen entwickeln.
Also: Auf den Index mkit dem Machwerk! Behinderte werden +übrigens auch verspottet (ZwergNase) und Ausländer diskriminiert (Kleiner Muck, oder ist das jetzt Hauff??). [...]
Bitte verzichten Sie auf unangemessene Gleichsetzungen. Überzogene Polemik trägt nicht zu einer sachlichen und konstruktiven Debatte bei. Danke, die Redaktion/fk.
Zitat:
"mir fehlt in der Diskussion, dass es hier um Kinderbücher geht, die seit jeher sprachlich und in Textlänge angepasst werden"
Mit dieser Aussage zeigen Sie nur, dass sie keine Ahnung davon haben, dass es auch unter den "Kinderbüchern" literarische Meisterwerke gibt, deren Text sakrosankt ist und an dem nicht herumgepfuscht werden darf!!!
Ich meine das ganz ernst.
gibt es nicht. Meine Tochter (6) will sich amüsieren, bzw. eine spannende Geschichte hören.
"Mit dieser Aussage zeigen Sie nur, dass sie keine Ahnung davon haben, dass es auch unter den "Kinderbüchern" literarische Meisterwerke gibt, deren Text sakrosankt ist und an dem nicht herumgepfuscht werden darf!!!" Ich argumentiere aus Rezipientensicht. Offen gesagt - auch wenn Sie das erschreckt - meiner Tochter ist das egal. Nebenbei bemerkt zeigen Sie, dass Sie Schwierigkeiten bei der Texterfassung haben (ich gebe Komplimente gerne zurück): Ich schrieb sinngemäß ..."wenn Autor bzw. Rechtsnachfolger zustimmen". Von Pfusch kann deshalb keine Rede sein. Das letzte Wort hat immer der Autor.
Was ältere Literatur angeht: Ich glaube sie verwechseln "Kinderbücher für und gelesen von Kindern" und "Kinderliteratur in der Rezeption der Erwachsenen". Was spricht denn bitte dagegen, dass es neben Originalausgaben auch gekennzeichnete (!) angepasste Fassungen für KINDER gibt? Gerade die Sprache der Kinder ist die Sprache, die sich bereits am stärksten gewandelt hat. Das hat es immer schon gegeben und ist den Aufschrei nicht wert. Die Gier nach dem "Original" und dem "Authentischen" ist in einer Welt der Übersetzungen sowieso trügerisch.
Grimm's Märchen sind bestimmt heute keine Geschichten mehr, die Kindern erzählt werden kann.
Da wimmelt es vor Tierquälereien (man denke an den bösen Wolf, der mit Wackersteinen beschwert in den Back geworfen wird - wie bei der Mafia), Sexismus (böse Hexe) und sonstigen Brutalitäten gegen den "gender mainstream". Und diese Gewaltszenen! Ganze Blutrauschorgien und Sexorgien werden gefeiert - ein zufiefst abstoßendes und für Kinder garantiert ungeeignetes Werk. Und man kann es nicht entschärfen. Oder entschärfen Sie mal die Sexszene bei Dornröschen, die niedlich verpackt als "Nadelstich mkit blutigen Folgen" statt dem Beginn der weiblichen (!) Menstruation dargestellt wird. Und der Prinz, der dann die Dornenmauer wegräumt (maw den spröden kleinen Backfisch endlich willig gemacht hat), bei dem gibt's nur ein Bussi? Nein, dafür hat er die doch nicht verführt, oder? Und der Witz ist, dass jedem Zeitgenossen der Grimm's klar war, wovon da die Rede war. Und heutige Kinder da sicher auch ihre Vorstellungen entwickeln.
Also: Auf den Index mkit dem Machwerk! Behinderte werden +übrigens auch verspottet (ZwergNase) und Ausländer diskriminiert (Kleiner Muck, oder ist das jetzt Hauff??). [...]
Bitte verzichten Sie auf unangemessene Gleichsetzungen. Überzogene Polemik trägt nicht zu einer sachlichen und konstruktiven Debatte bei. Danke, die Redaktion/fk.
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