Arjouni hatte zu Recht Erfolg damit. Denn er brachte mit seinen Büchern nicht nur einen neuen, frischen Ton in den seit dem Ableben solcher Größen wie Jörg Fauser und Ulf Miehe siechenden deutschen Krimi, sondern schärfte darüber hinaus unseren Blick für die gesellschaftlichen Um- und Zustände, in denen seine Genrestücke wurzelten. Er hatte ein enorm filmisches Auge und ein szenisches Fingerspitzengefühl, das auf seine Weise einzigartig war. Immer wieder finden sich, insbesondere in seinen Frankfurt-Krimis, lange, eindrucksvolle Kamerafahrten durch die Stadt. Und seine Sprache war darin bis zu zuletzt getragen vom rauen, poetischen Realismus des Blues.

Sein Held Kayankaya eroberte später – von Doris Dörrie dorthin verpflanzt – überaus erfolgreich auch die Kinoleinwand. Und als sich Kayankaya, dieser unbeugsame Frankfurter Moralist und Sucher nach der verborgenen Wahrheit, zuletzt, im Frühling 2012, mit dem Roman Bruder Kemal nach elfjähriger Abstinenz auf der deutschen Krimibühne zurückmeldete, schien auch sein Verfasser wieder auf einem guten Weg zu sein. Er erzählte mir von Plänen, die er schmiedete, und was es ihm bedeute, Vater zu sein. Ihm, der im Oktober 1964 als Sohn des Dramatikers Hans Günter Michelsen in Frankfurt zur Welt und als Zehnjähriger im Odenwald aufs Internat kam, wo er erstmals Hammett las und von einem späteren Leben als Schriftsteller träumte.

Freundschaften in Distanz

Wer Jakob Arjouni, den immer freundlichen, einem stets zugewandten, offenen und am anderen interessierten Menschen und Autor solch wunderbar luftig-engagierter Bücher wie Magic Hoffmann (1996), Hausaufgaben (2004) oder Der heilige Eddy (2009), persönlich kannte, wird nicht verstehen, nicht begreifen können, weshalb er fortan nicht mehr unter den ihm bekannten Telefonnummern oder seiner Mail-Adresse zu erreichen sein soll. Dabei war er keiner, der sich rasch in Freundschaften verstrickte, sondern einer, der Distanz brauchte, um Nähe zulassen zu können. Das hat mir immer an ihm gefallen, ja imponiert, diese Fähigkeit zur Nähe aus der Ferne. Sie wird mir fehlen, seine Nähe. Und mehr noch denen, die ihn besser kannten als ich.

"Die Angst vor dem Tod ist nichts außer noch eine Weile am Leben bleiben zu wollen", schrieb Nicolas Born zuletzt. Möge Jakob Arjouni keine Angst mehr gehabt haben, da er wusste, dass sein Weg in Kürze zu Ende sein würde. Ich wünsche es ihm. Wir alle tun das.