UrheberrechtsstreitVerlag muss Loriot-Biografie zurückziehen

Der Riva-Verlag darf die Lebensgeschichte Vicco von Bülows nicht weiter verkaufen. Die Tochter des verstorbenen Humoristen hatte wegen unrechtmäßiger Zitate geklagt.

Loriots Tochter hat vor dem Braunschweiger Landgericht einen juristischen Teilsieg errungen: Der Richter teilt ihre Ansicht, dass der Autor einer Biografie des Humoristen mit 35 der insgesamt 80 Zitate gegen das Urheberrecht verstoßen hat.

Nun muss der Verlag die Lebensgeschichte des 2011 gestorbenen Vicco von Bülow alias Loriot (Dieter Lobenbrett, Loriot) vom Markt nehmen. Der Riva-Verlag teilte mit, das Urteil zu akzeptieren und die Biografie so rasch wie möglich in geänderter Form neu zu drucken. Die Verfahrenskosten teilen sich beide Parteien.

"Wir sind zufrieden, das Buch kann in seiner jetzigen Form nicht mehr verkauft werden", sagte Christine Danziger, die Anwältin der klagenden Tochter. "Es liegt meiner Mandantin fern, das Zitieren zu verbieten", stellte sie klar. Es gehe beim Zitatrecht vielmehr um den Umgang mit dem Künstler und seinem Werk.

Anzeige

Das Zitatrecht hat ein Autor nur dann, wenn er sich mit dem Zitat auseinandersetzt, nicht aber um sein eigenes Buch mit den Gedanken eines anderen zu schmücken. Nach dem Urheberrecht muss ein Zitat in die eigenen Gedanken des Autors eingebettet sein. In diesem Sinn des Urheberrechts hat das Braunschweiger Landgericht geurteilt. "Einfach weil es so schön geschrieben ist, darf ein Zitat nicht verwendet werden", erläuterte der Vorsitzende Richter Jochen Meyer das Gesetz.

Zitat nicht einfach übernehmen

Wenn sich Loriot in seinem unverkennbaren Stil zum Beispiel zur Entdeckung des anderen Geschlechts äußert, darf ein Biograf das Zitat nicht einfach übernehmen. Wenn er aber ein Zitat von Loriot über Erich Kästner nimmt und anschließend selbst das Verhältnis der beiden Literaten beleuchtet, darf er zitieren. Auch reine Schilderungen von Geschehnissen, ohne literarische Formulierungen, dürfen zitiert werden.

Schon ahnend, wie die Braunschweiger Richter entscheiden würden, hat der Verlag nach Angaben einer Sprecherin bereits eine geänderte Auflage vorbereitet.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • hladik
    • 16. Januar 2013 16:29 Uhr

    erkennt man schon an dem abgebildeten Sofa. Ausser, dass es gruen ist, hat es mit dem "Loriot-Sofa" nichts gemein. Da hat wohl jemand bei Google "gruenes Sofa" eingegeben und das erste Bild genommen, das lizenzfrei zu haben war. Wenn man sich die Kommentare auf Amazon durchliest, bekommt man den Eindruck, dass der Text auf eine aehnliche Weise entstanden ist.

    Sowas hat Vicco nicht verdient!

    Eine Leserempfehlung
    • Uxmal
    • 16. Januar 2013 16:51 Uhr

    Hier mag die Tochter im Recht sein. Aber ansonsten hat sie sich bei der "Verteidigung" des Erbes ihres Vaters nicht mit Ruhm bekleckert: Bei Twitter gab es einen sehr beliebten Kanal von Loriot-Fans, der uneingennützig Zitate von Loriot wieder gab. Er musste auf Drängen der Tochter eingestellt werden.

    Danach legte sie sich mit Wikipedia an:

    http://www.telemedicus.info/article/2338-LG-Berlin-Erbin-verbietet-Lorio...

    Ob das Loriot so gewollt hätte...?

  1. Ich würde es als Erbe des Urheberrechtes meines Vaters auch nicht wollen, dass ausgerechnet dieser Verlag sich ungefragt »bedient« und dann Geld mit Loriots geistigem Eigentum verdient.
    Im übrigen ist Susanne von Bülow schon seit langer Zeit die Ansprechpartnerin für die Rechtevergabe des Werkes ihres Vaters, nicht erst seit dem Tod des Meisters – der Verlag wusste das mit Sicherheit auch.
    Wer sich trotzdem darüber hinweg setzt, der muss sich nicht über einen Prozess wundern.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tst
  • Schlagworte Loriot | Erich Kästner | Autor | Biografie | Buch | Künstler
Service